ADB:Schönlaub, Fidelis

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Artikel „Schönlaub, Fidelis“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 313–314, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sch%C3%B6nlaub,_Fidelis&oldid=- (Version vom 19. Februar 2020, 02:03 Uhr UTC)
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Schönlaub: Fidelis S., Bildhauer, geboren am 24. April 1805 zu Wien, lernte bei seinem Vater, dem Hofbildhauer Franz S. (1765–1832), dann auf der Akademie unter Klieber, wo er drei Preise erhielt. Im Jahre 1830 ging S. nach München zu Schwanthaler, welcher sein Talent erkannte, vielfach im eigenen Atelier verwendete und ihn 1832 nach Rom mitnahm, um daselbst am Giebelfeld für die Walhalla zu arbeiten. S., welcher von Rom nach Wien zurückwollte, änderte zu Innsbruck seinen Plan und folgte seinem Meister wieder nach München, um auch ferner bei dessen herrlichen Aufträgen, an den Kolossalfiguren für den Thronsaal, am Fries im Barbarossa-Saal der Residenz, an den Malerstatuetten auf der Pinakothek theilzunehmen. Aus dem Schüler war längst ein treuer Freund geworden. Uebrigens arbeitete S. seit 1835 selbständig, war mit einer Fülle von Aufträgen beschäftigt und übernahm schließlich noch, da Schwanthaler durch Bestellungen überbürdet und von seiner schmerzhaften Krankheit immer peinlicher bedrängt, seinen Verpflichtungen an der Akademie nicht mehr nachzukommen vermochte, dessen Stelle als Corrector, welche Obliegenheit S. von 1839 bis 1849 treu vollführte. – Zu Schönlaub’s eigenen Arbeiten, womit er sich einen geachteten Namen erwarb, gehören zwei Compositionen, die „Rückkehr des verlorenen Sohnes (Kunstblatt 1834 S. 206) und „Philippine Welser vor Kaiser Ferdinand“ (Münchener Kunstverein 1834), beide in Basrelief, eine „Magdalena“ und „Madonna“ in Carrara-Marmor und eine große Anzahl von Statuen in Stein, nebst einem Taufbecken für den Bamberger Dom, ferner als rühmenswerthe Erzeugnisse der Holzsculptur (zu deren Aufschwung S., mit Jos. Otto Entres und Sickinger, überhaupt mannhaft beitrug) die Reliefs und Figuren an den drei Altären der Auerkirche, welchen 1841 bis 1846 die originell componirten und gleichfalls in Holz ausgeführten vierzehn „Stationen“ in Hochrelief folgten, deßgleichen einige Heiligenfiguren für die Ludwigskirche. In die baierische Ruhmeshalle (Bavaria-Bau auf der Theresienwiese) lieferte S. die Büsten des gelehrten Conrad Celtes, des Kanzlers Leonhard von Eck, des Dichters Jakob Balde, des Gelehrten Nic. Hieron. Gundling, des Astronomen Fraunhofer, des Naturforschers F. P. Schrank und Balthasar Neumann, des Erbauers des Würzburger Schlosses. Von S. sind die Holzreliefs an den Thüren der Münchener Basilika (St. Bonifacius-Kirche) und die herrlichen Gestalten der beiden am Hauptportal aufgestellten Apostel (aus Kalkstein), auch viele Modelle zu den liturgischen Gefäßen dieses Gotteshauses. Im Jahre 1851 fertigte S. ein großes Grabdenkmal für den in Italien gefallenen kaiserlichen General, Wilhelm Fürsten von Thurn und Taxis (im Schlosse Hradek), 1853 die kolossale Statue eines Salvator für die Stiftskirche zu Kremsmünster; 1857 im Auftrage des Gemeinderaths der Stadt Steyr einen 48 Fuß hohen Votivaltar; 1859 einen Altar im Spitzbogenstile nach Sippachzell; viele Statuen für den Ausbau der Regensburger Domthürme, einige Altäre für den Bischof Hofstetter von Passau, mehrere „Kreuzwege“ u. s. w. Zum Gedächtnisse des Kaisers Maximilian von Mexico componirte S., welcher als echter Wiener an [314] Oesterreichs Glück und Unglück immer die innigste Theilnahme hegte, ein allegorisches Relief, wofür der Künstler von Kaiser Franz Joseph einen Brillantring erhielt. Schönlaub’s originelle Arbeiten erfreuten durch den schönen Fluß der Linien, durch warme, edle Empfindung und die Sauberkeit und Tüchtigkeit der Ausführung. Dieselbe Lauterkeit und Wahrheit bewährte der am 20. December 1883 zu München verstorbene Mann auch als Charakter. Die Welt, die oft Minderes überschätzt, hat seinen Namen und seine Leistungen, gegen Verdienst, nie in besondere Affection genommen.

Vgl. Raczynski 1840, II, 499. – Conversations-Lexikon der Gegenwart 1841, IV, 2. Abth. S. 653. – Nagler 1845, XV, 475. – Stubenvoll, Basilika 1875, S. 43. – Wurzbach 1876, XXXI, 164 ff. – Nekr. in Beil. 44 Allgem. Ztg. 13. Febr. 1884. – Lützow 1884, XIX, 252.