ADB:Seydel, Friedrich Gustav

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Artikel „Seydel, Friedrich Gustav“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 83–84, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Seydel,_Friedrich_Gustav&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 13:33 Uhr UTC)
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Seydel: Friedrich Gustav S., Arzt und Chirurg, geboren am 6. December 1812 als Sohn eines Hausbesitzers zu Dresden, besuchte von 1826–1833 die dortige Kreuzschule, studirte darauf Medicin in Leipzig unter E. H. Weber, Bock senior, Clarus, Kuhl u. A., erlangte daselbst am 31. Januar 1837 die Doctorwürde mit der Dissertation „De genesi auris externae in hominibus“ (mit 2 Steindrucktafeln), machte dann eine etwa einjährige Studienreise nach [84] Oesterreich, Frankreich, Belgien und der Schweiz mit längerem Aufenthalte in Wien und Paris, ließ sich nach seiner Rückkehr 1838 in seiner Vaterstadt nieder und widmete sich hier fortab consequent praktisch wie schriftstellerisch der Specialität der Krankheiten der Harnwerkzeuge. Er publicirte „Beitrag zur Methodik in der Anwendung der Mineralwässer“ (nämlich besonders bei Blasenleiden, Hufeland’s Journal 1840); „Die natürlichen und künstlichen Heilwässer von Vichy als ein wichtiges Mittel gegen Krankheiten der Urinwerkzeuge, namentlich Stein, Gries und Blasencatarrh“ (Dresden und Leipzig 1841, 2. Aufl. ebenda 1844) und erlangte bald in seiner Specialität einen außerordentlichen und weit über Deutschlands Grenzen hinausreichenden Ruf. Zwecks weiterer Ausbildung als Operateur machte er 1843 noch einmal eine Reise nach Frankreich, wo er die Quellen von Vichy noch gründlicher studirte und Civiale, Leroy d’Etiolles und Chassaignac in Paris hörte. Nach seiner Rückkehr schrieb er: „Der Blasencatarrh und seine Behandlung mit Zugrundelegung der Civiale’schen Abhandlung nach fremden und eigenen Erfahrungen dargestellt“ (Dresden und Leipzig 1843) und widmete sich mehr dem operativen Fach im Bereich der Harnorgane. Die Zahl der von ihm mittelst Schnitt oder Zertrümmerung ausgeführten Steinoperationen wird auf mindestens 110 angeschlagen. Ueber die hierbei gesammelten Erfahrungen publicirte er eine Reihe von Abhandlungen in Schmidt’s Jahrbüchern, zu deren ständigen Mitarbeitern er vom 45. Band ab gehörte, in v. Walther und v. Ammon’s Journal für Chirurgie und Augenheilkunde, in Göschen’s „Deutscher Klinik“ u. a. Journalen. Von selbständig erschienenen Schriften sind noch zu nennen: „Die Harnbeschwerden, ihre Ursachen und Wirkungen, sowie ihre Behandlung. Zur Belehrung für gebildete Nichtärzte“ (Dresden und Leipzig 1844; 2. Aufl. 1853; 3. Aufl. Dresden 1860) und als sein letztes größeres Werk: „Die Stricturen der Harnröhre und ihre Behandlung“ (mit 3 Steindrucktafeln, Dresden und Leipzig 1854). 1862 wurde S. zum königlich sächsischen Hofrath ernannt. Er starb an den Folgen einer Mitralklappen-Insufficienz mit Fettmetamorphose des Endocards am 10. Mai 1865. Seine sehr werthvolle Bibliothek wurde von der Wittwe Seydel’s dem Medicinischen Collegium in Dresden geschenkt. S. war ein vorsichtiger, geschickter und ruhiger Operateur, von Charakter bescheiden, wohlwollend, gefällig, neidlos und verträglich. Für seine Lieblingsdisciplin scheute er keinen Aufwand an Büchern, Instrumenten, Reisen, und beachtete alle neuen litterarischen und technischen Erscheinungen in seinem Specialfache.

Vgl. Biogr. Lexicon von Hirsch u. Gurlt V, 378.