ADB:Wichmann, Karl Friedrich

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Artikel „Wichmann, Karl Friedrich“ von Werner Weisbach in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 42 (1897), S. 313–314, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wichmann,_Karl_Friedrich&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 11:09 Uhr UTC)
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Wichmann: Karl Friedrich W., Bildhauer, wurde im J. 1775 zu Potsdam geboren. Seine erste Unterweisung in der Kunst empfing er bei seinem [314] Vater, der auch Bildhauer war und decorative plastische Werke ausführte. In dessen Atelier fertigte er als erste selbständige Arbeit einen Kampf des Herkules mit dem Nemeischen Löwen. Diese Leistung befriedigte den Vater so, daß er, dem Talent des Sohnes Rechnung tragend, ihn zu den Bildhauern Boye und Unger in die Lehre gab. Nachdem er sich bei diesen mit der Technik der Sculptur vertraut gemacht hatte, wurde er Schüler Gottfried Schadow’s. Den Meister unterstützte er bei der Ausführung einer ganzen Reihe von Arbeiten, so besonders des Standbildes des Herzogs Leopold von Dessau. Als selbständiges Werk schuf er den in einer Nische des Brandenburger Thores aufgestellten Herkules aus Sandstein. In Berlin lebte er in vertrautem Verkehr mit den Bildhauern Rauch und Philipp Wolf, den Malern Rosentreter, Karl Kretschmar und dem Medailleur Jachtmann, die sich an den Abenden zur Lectüre von ihrer Bildung förderlichen Büchern zusammenfanden. Im J. 1819 ging er mit Rudolf Schadow nach Italien, wo er auch seinen jüngeren Bruder Ludwig traf. Mit diesem gründete er nach seiner Rückkehr im J. 1821 ein gemeinschaftliches Atelier in Berlin. Hier widmete er sich hauptsächlich der Porträtplastik. Im J. 1826 wurde er Mitglied, im J. 1829 Professor der Berliner Akademie der Künste. Eine Reihe von Porträtbüsten ging aus seiner Werkstatt hervor. Unter anderem schuf er die des Ministers Hardenberg, die sich in der Berliner Dorotheenstädtischen Kirche befindet (1824). Bewundert wurde namentlich die Büste der beliebten, jung verstorbenen Schauspielerin Luise v. Holtei, die im J. 1826 im Saal des königl. Schauspielhauses ihre Aufstellung fand. Man widmete dem Künstler sogar einige rühmende Strophen in der Sammlung „Blumen auf das Grab etc.“ Für den König von Preußen führte er die sitzende Statue der Kaiserin Alexandra von Rußland, der Prinzessin Charlotte, in weißem Marmor aus. Sie wurde im J. 1827 vollendet und fand ihre Aufstellung am Charlottenburger Schloß. Eine gleiche Statue fertigte der Künstler für den Kaiser von Rußland; nur fiel auf dessen Wunsch der Blumenkranz fort, der das Haupt der Kaiserin bei dem Charlottenburger Standbild schmückt. Um dies Monument selbst zu überbringen und aufzustellen, wurde er im J. 1831 nach Petersburg berufen. Es ging beim Brande des Winterpalastes zu Grunde und wurde dann von dem Bruder des Künstlers, Ludwig, wieder neu hergestellt. In Petersburg erhielt Karl W. noch eine Reihe von Aufträgen und schuf Büsten von verschiedenen Mitgliedern der Hofgesellschaft. Der Zar bewies ihm seine Anerkennung durch Verleihung des St. Annenordens 3. Cl.; auch wurde er Mitglied der Petersburger Akademie der Künste. Ein großes Modell, das den Zaren in Heroentracht darstellte, gelangte niemals zur Ausführung. Am 8. April 1836 ist er gestorben.

Kugler’s Museum 1836, Nr. 17, S. 131. – Schorn’s Kunstblatt 1836, S. 180. – F. u. K. Eggers, Rauch. Register. – Nagler’s Künstler-Lexikon XXI, 379.