ADB:Wobeser, Ernst Wratislaw Wilhelm von

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Artikel „Wobeser, Ernst Wratislaw Wilhelm von“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 43 (1898), S. 700–702, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wobeser,_Ernst_Wratislaw_Wilhelm_von&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 13:36 Uhr UTC)
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Wobeser: Ernst Wratislaw Wilhelm von W., Dichter, Mitglied der Brüdergemeine, wurde am 29. November 1727 zu Luckenwalde bei Berlin als Sohn des Rittmeisters, späteren Landraths Peter Christian v. W. geboren. Er erhielt bis zu seinem vierzehnten Lebensjahre eine christliche Erziehung durch einen Privatlehrer der pietistischen Hallenser Richtung und kam dann nach einem nur einjährigen Aufenthalt in dem sogenannten Rittercollegium zu Brandenburg im Frühjahr 1742 auf die unter der Leitung des Abtes Steinmetz stehende Schule zu Kloster Bergen, wo er die erste genauere Kunde von der Brüdergemeine empfing, jedoch noch nicht daran dachte, sich ihr anzuschließen. Im August 1744 siedelte er nach Minden in das Haus eines Vetters über, der preußischer General war, besuchte das dortige Gymnasium und eignete sich hier [701] eine äußerliche Bildung und die Kenntniß der französischen Sprache an. Nach dem Tode dieses Vetters erhielt er durch den Generalfeldmarschall Friedrich Ludwig zu Dohna in Wesel die Aufforderung, als Officier in die Dienste des Reichsgrafen zu Neuwied zu treten. Er nahm sie an und zog im September 1746 nach Neuwied, wo er beinahe achtzehn Jahre lang am Hofe für die verschiedensten Aufgaben verwendet wurde. Namentlich bereitete ihm die Zeit des Siebenjährigen Krieges mancherlei Schwierigkeiten, da er die Verhandlung mit der französischen Heeresleitung über die Winterquartiere und Kriegslieferungen der Grafschaft Neuwied führen mußte. Als sich im J. 1750 die Herrnhuter in Neuwied niederließen, hielt er sich anfangs ziemlich fern von ihnen, fühlte sich jedoch je länger, je mehr zu ihnen hingezogen, sodaß er sich endlich entschloß, seinen Dienst am Neuwieder Hofe zu quittiren und um Aufnahme in die Brüdergemeine nachzusuchen. Auch als er zurückgewiesen wurde, ließ er sich dadurch in der Verfolgung seines Zieles nicht stören. Er reiste über Marienborn nach Herrnhut, verbrachte hier vier Monate bangen Wartens, erhielt im Frühjahr 1765 den Auftrag in Angelegenheiten des Unitätsdirectoriums nach Kopenhagen zu reisen und wurde erst nach seiner Rückkehr von dort am 13. October 1766 in die Gemeine aufgenommen und bei dem Unitäts-Syndikatscolleg angestellt. Im J. 1767 erhielt er das Fremdendieneramt in Herrnhut und bald darauf auch reichliche Beschäftigung im Aufsehercollegium. Eine Zeit lang half er Spangenberg bei der Ausarbeitung seines Lebens des Grafen Zinzendorf. Dann ging er, nachdem er sich im Mai 1771 mit Luise Friederike v. Damnitz vermählt hatte und durch Johannes v. Watteville zum Diakonus der Brüderkirche geweiht worden war, im J. 1775 als Protokollant auf die Synode nach Barby, wo er am 1. September zum Mitglied der Unitäts-Aeltestenconferenz für das Vorsteherdepartement ernannt und am 8. September zum Senior civilis eingesegnet wurde. Im April 1780 reiste er nach Christiansfeld in Schleswig und half hier die Verhältnisse der neuerrichteten Brüdergemeine mit den Landesbehörden ordnen. Nach der Synode des Jahres 1782 erhielt er die Berufung zum Gemeinhelfer in Niesky bei Görlitz und zum Director der dortigen Unitätsanstalten. Schon damals war seine Gesundheit sehr geschwächt, und namentlich litt er an einer Trübung der Augen, die ihn nöthigte, im J. 1784 um seine Entlassung einzukommen. Er siedelte nun wieder nach Herrnhut über und benützte die Muße seines Alters, um seinen dichterischen und litterarischen Neigungen nachzugehen und schon früher begonnene Arbeiten zu vollenden oder zu verbessern. Doch war er zu bescheiden, um seinen Namen öffentlich zu nennen, woraus es sich erklärt, daß er in den Litteraturgeschichten, z. B. bei Goedeke fehlt. Zuerst veröffentlichte er in den Jahren 1770 und 1771 je „Dreyßig Oden aus dem Horaz“ (Leipzig), die im J. 1795 in Görlitz unter dem Titel: „Sechzig gewählte Oden des Horaz in dem Versmaß des Originals übersetzt. Nebst drei Eklogen aus dem Vergil“ zum zweiten Mal herauskamen. In den Jahren 1781–1787 erschien in Leipzig seine metrische Uebersetzung von Homer’s Iliade, in der er mit Stolberg’s Uebertragung erfolgreich wetteiferte. Hierauf unternahm er eine metrische Uebersetzung der Psalmen, die er im J. 1793 unter dem Titel: „Psalmen dem König David und anderen heiligen Sängern nachgesungen“ in fünf Büchern zu Winterthur herausgab. Als selbständiger Dichter hatte er sich bereits früher versucht, indem er zwei Sammlungen von „Gedichten vermischten Inhalts“ (Frankfurt a. M. und Leipzig 1778–1779) veröffentlichte. Dazu kamen noch die „Zypressenzweige um die Urne Ludwigs XVI.“ (Görlitz 1793). Ferner lieferte er Beiträge für periodische Schriften, z. B. für Wieland’s „Teutschen Merkur“. Bei der Redaction des Brüdergesangbuches vom Jahre 1778 war er der Gehülfe Gregor’s. Doch hat er selbst nur einzelne [702] Strophen von Kirchenliedern gedichtet. In dem heute im Gebrauch befindlichen „Gesangbuch der evangelischen Brüdergemeine“ (Gnadau 1893) rühren nur die Nummern 249, 1–4, 410, 11 und 458 von ihm her.

Vgl. Lausitzische Monatsschrift. Görlitz 1796. I, 36–39. – J. G. Meusel, Lexikon. Leipzig 1816. XV, 257, 258. – G. Fr. Otto, Lexicon d. Oberlausizischen Schriftsteller u. Künstler. Görlitz 1803. III, 537, 538. – Nachrichten aus d. Brüder-Gemeine 1846. Gnadau o. J. XXVIII, 458 bis 479. – (Christ. Gregor) Historische Nachricht vom Brüder-Gesangbuche des Jahres 1778. 2. Aufl. Gnadau 1851. S. 226. – A. Schroeter, Gesch. d. deutsch. Homer-Uebersetzung im 18. Jahrh. Jena 1882. S. 217 bis 227. (Schroeter kennt merkwürdigerweise Wobeser’s Namen nicht.)