BLKÖ:Šedivý, Prokop

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 33 (1877), ab Seite: 275. (Quelle)
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Šedivý, auch Schediwy, Prokop (čechischer Schriftsteller zu Ende des 18. und Anbeginn des 19. Jahrhunderts). Die čechischen Quellen wissen weder sein Geburts- noch Sterbedatum anzugeben. Auch über seine Lebensumstände berichten sie höchst dürftig und heben nur hervor, daß, als zu Anfang des laufenden Jahrhunderts die nationale Literatur sich wieder zu beleben begann, auch S. zu denjenigen gehörte, die an diesem Aufschwunge mit thätig waren. Er war mit beiden Kramerius [Bd. XIII, S. 119][WS 1] mit Rulik [Bd. XXVII, S. 253], den Gebrüdern Tham[WS 2], Tomsa und anderen Schriftstellern seiner Zeit theils bekannt, theils befreundet und auf dem Gebiete der Erzählung in der heimatlichen Sprache ungemein thätig. Er veröffentlichte ebensowohl eigene Arbeiten, als Uebersetzungen aus dem Deutschen. Als Erzähler war er schon zu seiner Zeit so beliebt, daß mehrere seiner Schriften wiederholte Auflagen erlebten und daß sie noch heute als „Kratochvilné historie“, d. i. als Kurzweilige Geschichten neu gedruckt und auf Wallfahrten und Jahrmärkten vom gemeinen Volke gern gekauft werden. Wenn man von deutschen bei dergleichen Anlässen vorfindlichen Schriften, auf jene anderer Nationen schließen darf, dann ist natürlich der Zweifel, ob solche Machwerke zur Wiederbelebung der nationalen Literatur wirklich beigetragen, sehr begründet, auch ist es niemand Anderer, als sein Biograph ra im Slovník, der ihm solchen Antheil zuschreibt. Jungmann und Šembera hüllen darüber sich in Schweigen. Die Titel der Šedivý’schen selbstständig erschienenen Erzählungen – viele derselben sind nämlich in Zeitschriften abgedruckt – lauten: „České Amazonky aneb Děvčí boj v Čechach“, d. i. die čechischen Amazonen oder der Weiberkrieg in Böhmen (Prag 1792, 8°.); – „Mnislav a Světivina aneb Příběhové prvních obyvatelů Okořského zámku“, d. i. Mnislaw und Swetiwina oder Begebenheiten der ersten Bewohner des Schlosses Okorsky (Prag 1794, neue Aufl. 1812, wiederholt Neuhaus 1856 bei Landfraß). Von seinen Uebersetzungen erschienen: „Krásná Olivie aneb strašidlo u bílé veze“, d. i. die schöne Olivia oder das Gespenst im weißen Thurme (Prag 1798, später Neuhaus bei Landfraß). Der Autor des Originals ist nicht genannt; – von Spieß: „Wunderbare Begebenheiten Marien’s von Hohenthurm“ und wohl noch manches Andere, wo seine Autorschaft nicht feststeht. Auch nach anderer Seite hin entwickelte S. große Thätigkeit. Mit den Gebrüdern Tham, mit Tandler, Mazober, Heimbacher und anderen Prager Bürgern betrieb er energisch die Errichtung eines čechischen Theaters in Prag und lieferte zu diesem Zwecke verschiedene dramatische Arbeiten, von denen einige auch gedruckt erschienen sind, als z. B.: „Lesní duch“, d. i. der Waldgeist. Lustspiel in drei Aufzügen [276] (Prag 1799, 8°.); – „Hrabě a rytiř Milislov“, d. i. der Graf und Ritter Milislow. Vaterländisches Schauspiel in vier Acten (Prag 1800, 8°.); – „Masné krámy aneb sázení do loterie. Veselohra“, d. i. die Fleischbänke oder der Einsatz in die Lotterie. Posse mit Gesang in zwei Aufzügen (Prag 1796); – „Noční můra aneb zamilovana strašidla. Veselohra“, d. i. der nächtliche Alp oder das verliebte Gespenst. Lustspiel in drei Aufzügen (ebd. 1796). Von seinen ungedruckten dramatischen Bearbeitungen sind anzuführen theils Stücke nach vaterländischen Stoffen, wie: „Král Václav a Zuzana“, d. i. König Wenzeslaus und Susanne; „Kniže Brunsvik“, d. i. Fürst Brunswik; theils Uebersetzungen berühmter Dramen anderer Sprachen, wie: „König Lear“, „Clavigo“ u. s. w. Ueberhaupt ließ er sich das Theater sehr angelegen sein und erkannte darin einen, für die gesellschaftlichen Verhältnisse unserer Zeit sehr wichtigen und einflußreichen Factor. Er legte seine Ansichten in der nachfolgenden Schrift nieder: Krátké pojednání o užitku, který ustavičně stojící a dobře spořádané divadlo působiti může“, d. i. Kurze Darstellung des Nutzens, den eine ständige und gut geleitete Bühne zu leisten im Stande ist (Prag 1793, 8°.). Noch ist anzuführen, daß er Anton Stöckel’s Homilien und kurze Predigten auf alle Feiertage des Jahres (Wien 1798), ein seiner Zeit beliebtes und mehrmals aufgelegtes Andachtsbuch, in’s Čechische übersetzt und unter dem Titel: „Krátké kázani na všecky neděle a svátky“, zwei Theile (Prag 1808) herausgegeben hat.

Jungmann (Jos.), Historie literatury české, d. i. Geschichte der čechischen Literatur (Prag 1849, F. Řiwnáč, 4°.) S. 407, Nr. 608 [wo 16 handschriftliche und sieben gedruckte dramatische Arbeiten S.’s aufgezählt werden], S. 632. – Šembera, (Alois Vojtěch), Dějíny řeči a literatury československé, d. i. Geschichte der čechoslavischen Sprache und Literatur. (Wien 1868, gr. 8°.) Včk novější, d. i. Neuere Zeit S. 292.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Wenzeslaus Mathias und dessen Sohn Wenzel Rodomil Kramerius.
  2. Karl Ignaz und Wenzel Tham.