BLKÖ:Špinka von Trebnik, Wenzel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Spini, Cölestin von
Band: 36 (1878), ab Seite: 173. (Quelle)
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Špinka von Trebnik, Wenzel (Typograph, geb. zu Habern, einem Städtchen im Czaslauer Kreise Böhmens, am [174] 13. August 1797, gest. 7. Februar 1842). Seine Eltern lebten als Insassen zu Habern. S. beendete das Gymnasium zu Deutschbrod, die philosophischen Studien in Prag, und da er die Absicht hatte, dem geistlichen Stande sich zu widmen, begab er sich nun in Prag in das erzbischöfliche Seminar. Aber im J. 1819 verließ er wieder das Seminar und wendete sich dem Buchdruckergeschäfte zu. Er trat in die damalige erzbischöfliche Druckerei Joseph Vetterl’s ein, deren Director er in kurzer Zeit wurde. Unter seiner Leitung hob sich diese Druckerei bald in bedeutender Weise und wurde für längere Zeit durch den Druck nationaler Werke das Hauptwerkzeug der eben damals sich emporarbeitenden National-Literatur. So verlegte er eine große Anzahl ansehnlicher Werke, an deren Erscheinen er nicht unwesentlichen Antheil hatte. Selbst ein vielseitig unterrichteter und von nationalen Gesinnungen durchwärmter Mann, suchte er mit den bedeutendsten wissenschaftlichen Persönlichkeiten seiner Zeit in freundschaftliche Beziehungen zu treten, und knüpfte so innigen Verkehr an mit Männern wie: Čelakovsky [Bd. II, S. 315], Chmelensky [Bd. XXIII, S. 374], J. S. Presl [Bd. XXIII, S. 270] u. A. Einige Zeit fanden in seinem Hause sogenannte classische Abende Statt, an welchen sich bei ihm die alten Meister und jungen Geister in fördernder Eintracht zusammenfanden, und letztere sich an der Gediegenheit der Altmeister der Wissenschaft, so zu sagen, erwärmten. Ein besonders hervorzuhebendes Verdienst erwarb sich S. um den Druck des berühmten Lexikons von Jungmann [Bd. X, S. 321]: Slovník česko-německý“ dessen eine Correctur mit größter Sorgfalt S. persönlich besorgte. Im Jahre 1838 übernahm S. die Druckerei von der Witwe Vetterl in eigene Rechnung und im nämlichen Jahre verheirathete er sich auch mit Anna Vlčkova. Aber die sitzende Lebensweise, wie denn auch manche Widerwärtigkeiten, die ihm aus der anstrengenden Besorgung seines großen und weitverzweigten Geschäftes erwuchsen, untergruben seine ohnehin nicht zu feste Gesundheit und nach längerer Krankheit raffte ihn im Alter von erst 45 Jahren der Tod dahin. Nach seinem Ableben gerieth seine Druckerei in Verfall und der reiche Verlag wurde vollends verschleudert. S. selbst hat sich auch schriftstellerisch beschäftigt – so übersetzte er das einactige Lustspiel: „Blind geladen“. von Kotzebue, unter dem Titel: „Liška nad Lišku“, welches im 13. Heft der von Pospisil in Prag herausgegebenen „Biblioteka divadelní“ abgedruckt ist; – „Krčma v lese a Zločinec skrze skrácenou čest. Dva pravdiví příběhové“, d. i. „Die Schenke im Walde und der Verbrecher aus verlorner Ehre. Zwei wahre Begebenheiten“ [letztere eine Uebersetzung der bekannten Erzählung von Schiller] (Neuhaus 1830 und wieder 1853, 8°.); – „Eliška a Osvald. Švejcarská povídka“, d. i. Elise und Oswald. Eine Schweizergeschichte“ (Prag 18.., 8°.), und: „Puritáni. Romanticka povidka“, d. i. Die Puritaner. Romantische Erzählung von Walter Scott (Prag 1840 und wieder 1843, 12°.). Außerdem hat er Mehreres für die Zeitschriften: „Rozmanitostí“, „Hyllos“ und „Dobroslav“ geschrieben.

Šembera (Alois Vojt.), Dějiny řeči a literatury československé, d. i. Geschichte der čechoslavischen Sprache und Literatur (Wien 1868, 8°.), Věk novější S. 294.