BLKÖ:Benincasa, Barthelemy Graf von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 271. (Quelle)
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Benincasa, Barthelemy Graf von (Schriftsteller, geb. 1745 im Herzogthum Modena, gest. zu Mailand 1825). Seine vortreffliche Kenntniß der französischen Sprache, verbunden mit mannigfaltigen Kenntnissen im Gebiete der Wissenschaften und Künste, eigneten ihn zu einer Rolle, die freilich näher betrachtet einen mehr abenteuerlichen als diplomatischen Charakter an sich trägt. 1784 schickte ihn der alte Herzog von Modena mit einer diplomatischen Sendung nach Wien. Die dahin mitgebrachten Instructionen waren nicht ausreichend, er holte also neue von seinem Gebieter ab. Indessen gingen in seinem eigenen Hause Dinge vor, die ihn bestimmten, nie mehr dahin zurückzukehren. Er reiste nun nach Wien zurück, ging später nach Venedig, wo ihn eine, an einen Deutschen (den Grafen Rosenberg) verheiratete Engländerin, die reich und geistreich war, fesselte. Da erschien von ihm anonym ein starker Band in französischer Sprache betitelt: „Les Morlaques“ (Venedig 1788). Nun hielten die Einen das Werk für eine Originalarbeit der Gräfin Rosenberg[WS 1], die von Benincasa in’s Französische übersetzt worden; Andere wieder für eine Schöpfung B.’s, während es nichts anderes als eine Erweiterung und Vervollständigung dessen war, was der Abbé J. B. Fortis in seinem Werke: „Viaggio in Dalmatia“ von den Morlachen schreibt. B. folgte nun der schönen englischen Gräfin in ihr [272] Vaterland und wurde von ihr mit Geldmitteln unterstützt. Alsdann begab er sich nach Paris, wo er die besten Gesellschaften besuchte, viel mit Schriftstellern und Gelehrten verkehrte. Als in Folge der ausgebrochenen Revolution die ihm von England bisher zugeschickten Geldmittel ausblieben, auf welche er, da er nur ein ganz unbedeutendes eigenes Vermögen besaß, so zu sagen angewiesen war, begab er sich nach Mailand, wo er von der Schriftstellerei lebte, und für das von dem Vicepräsidenten der italienischen Republik gestiftete „Giornale italiano“ literarische Artikel und Schauspiel-Recensionen schrieb. Auch erhielt er von der genannten Vicepräsidentschaft die Stelle eines Ordners in den zwei großen Theatern und bei den öffentlichen Spielen dieser Stadt. Später gab ihm Napoleon eine Mission zu dem Provveditore generale Dalmatiens, Dandolo, der Benincasa’s Freund war, und nun begründete er das Journal: „Dalmata veneta.“ Als er Dalmatien verließ, begab er sich nach Brescia, übersetzte daselbst ein Werk Walkers über die italienische Bühne aus dem Englischen in’s Italienische unter dem Titel: „Memoria storica sulla tragedia italiana di Giuseppe Cooper-Walker“ (4°., 1 Bd.), worin B. auch Ausführliches über die zwei Tragödien Vincenzo Monti’s, damals Napoleons Hofpoet, „Aristodemo“ und „Il Galeotto Manfredi“ schreibt, jedenfalls aber durch Uebersetzung des geistreichen Werkes, das er mit Anmerkungen erläuterte, sich ein literarisches Verdienst erwarb. Als er später wieder nach Mailand kam, wurde er Secretär der Commission für den öffentl. Unterricht und mit der Wahl classischer Werke beauftragt; endlich da ein sehr unwissender Kammerherr die Direction der Theater unter sich hatte, wurde B. als Vicedirector dem Ignoranten zur Seite gestellt. Mit Napoleons Sturz im J. 1814 verlor Benincasa auch alsbald seinen Posten.

Biographie des hommes vivants ... (Paris 1816) I. Bd. S. 282 – Quérard (J. M.), La france littéraire (Paris 1827) I. Bd. S. 273. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) V. Bd. Sp. 359. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibliogr. Inst.) IV. Bd. 4. Abtheil. S. 385. – Dürfte auch identisch sein mit dem Benincasa, welchen Ernst Ludw. Gerber in seinem histor.-biogr. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 139 aufführt und von dem er unter Anderm schreibt: „Hat sich verdient gemacht durch die Mittheilung der vielen und mancherlei Nachrichten von italienischen Poeten und Componisten an Mr. La Borde, für dessen Ausgabe des „Essai.“ Auch hat er über das große, Händel’n zu Ehren, in London gegebene Musikfest an Dr. Burney berichtet.“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vergleiche dazu den Artikel über die Gräfin.