BLKÖ:Fortis, Johann Baptist

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 295. (Quelle)
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Fortis, Johann Baptist genannt Albert (Naturforscher und Bibliothekar, geb. zu Padua 11. Nov. 1741, gest. 21. Oct. 1803). Der Sohn eines venetianischen Rechtsgelehrten und einer Mutter, deren Schönheit und Anmuth Männer wie ein Cesarotti feierten. Früh verlor F. seinen Vater, und seine Mutter schloß eine neue Ehe mit dem Grafen Capodilista, dessen Haus die hervorragendsten Gelehrten jener Zeit, als Carburi, Caldani, 'Ferrari, Sibiliato, Toaldo, Vallisnieri u. A. besuchten. Im Umgange mit solchen Männern wuchs seine Liebe für die Wissenschaften; aber – 16 Jahre alt – mußte er, weil sein Vermögen für das unabhängige Leben in der bürgerlichen Gesellschaft zu klein war, ohne Sinn und Neigung für den geistlichen Stand, in den Orden der Augustiner treten. Als nichts vermochte, F.’s Liebe für diesen Stand zu wecken, berief ihn der Ordens-General Giorgi nach Rom und suchte ihn für das Studium der Theologie und Sprachen zu gewinnen; für letztere war F.’s Geist bald gewonnen, nicht für erstere, und endlich erhielt er durch die Gnade des Papstes Ganganelli die Entlassung als einfacher Abbé. Ohne Subsistenzmittel und am 7. Sept. 1767 ohne Amt in Venedig angelangt, beschloß er von den Früchten seines Geistes zu leben. Er wurde Journalist; übersetzte Romane, die Physik von Rozier u. d. m., arbeitete in inniger Freundschaft mit der geistreichen Camminer-Turra (vergl. II. Bd. S. 245) für das von ihr herausgegebene Giornale enciclopedico, setzte vom XIII. Bande das Journal Grisellini’s fort und begann 1794 den Genio letterato, wovon 18 Bndchn. erschienen; auch stammen aus jener Zeit einige poetische Arbeiten, darunter die Uebersetzung des 4. Buches der Aeneide in Ottave, welche Giulio Trento scharf kritisirte. Seine Erbitterung über die vereitelte Hoffnung, in die Crusca aufgenommen zu werden, machte sich im hohen Alter Luft, als er 1800 die satirischen Quartinen auf diese Akademie schrieb, welche anfangen: „Date la crusca all’ asino ed al mulo, Datene al becco, s’ei non mangia fieno“. Im J. 1770 (Mitte Mai) besuchte F. die Insel Cherso, machte sie zum Gegenstande [296] seiner Beobachtungen und trat mit seinem „Saggio d’Osservazioni sopra l’isola di Cherso ed Osero“ (Venedig 1771, 4°.), als Naturforscher vor das Publicum. Ausgerüstet mit der Kenntniß der illyrischen Sprache, welche er sich zu diesem Zwecke angeeignet, unternahm er nun seine Reise nach Dalmatien, deren Beschreibung in dem seiner Zeit vielgenannten Werke: „Viaggio in Dalmazia“, 2 Bde. (Venedig 1774, 4°.) niedergelegt ist, welches eine Fülle von Aufschlüssen nach verschiedenen Seiten über das damals noch wenig gekannte Land gibt. Es erschienen davon eine deutsche (Berlin 1777, gr. 8°. mit K. K.), eine französische (Ebenda 1778, gr. 8°.) und eine englische Uebersetzung (London, 4°. jede mit K. K.). Giov. Lovrich trat gegen dieses Werk, namentlich gegen die Schilderung der Morlacken mit der Schrift: „Osservazioni sopra diversi pezzi del Viaggio in Dalmazia del S. Abate Alberto Fortis“ (Venedig 1776, 4°.) auf, welche F. mit seinem: „Sermone parenetico di Pietro Sclamer Chersino al S. Giov. Lovrich“ (Modena 1777, 4°.) und einer zweiten Schrift: „l’Ab. Fortis al Signor Giov. Lovrich“ (Brescia 1777) erwiederte. Das Werk von F. enthält ohne Zweifel einige Unrichtigkeiten, doch sind dieselben nicht von der Art, daß sie Quérard in seinem Werke „la france littéraire“ (III. Bd. S. 172) zu der der franz. Uebersetzung beigefügten Bemerkung: „Edition très mauvaise d’un ouvrage peu exacte berechtigte. Als die Mutter zum zweiten Male Witwe geworden, beschenkte sie den Sohn mit einem reizend gelegenen Landhause im Vicentinischen und als sie bald darauf starb, beerbte er sie. Nun unternahm F. behufs seiner Forschungen Reisen durch ganz Italien. Die Ergebnisse derselben, welche er theils in selbständigen Schriften, theils in periodischen Werken veröffentlichte, erhöhten seinen Ruf um so mehr, als es tüchtige Arbeiten eines regen und gründlich gebildeten Geistes waren. Bereits widmete er sich der reizenden Muße des Landlebens, als die Stürme der franz. Revolution auch Italien heimsuchten. F. gab all sein durch das Erbe von seiner Mutter bedeutend vermehrtes Vermögen in fremde Hände. Durch ein Falliment war der bereits in Jahren vorgerückte Gelehrte mit einem Schlage vermögenslos geworden. Ueberdies hatten die politischen Zustände Italiens einen Charakter angenommen, der ihn bewog, sein Vaterland zu verlassen. Er verkaufte die ihm gebliebenen Besitzungen und begab sich nach Paris. Dort flüchtete er von Neuem zur Feder, und verdankte seinem Werke über die Naturgeschichte und Oryktographie Italiens, die nach seiner Rückkehr nach Italien erfolgte Ernennung zum Bibliotheks-Präfecten des Istituto delle scienze in Bologna (1801), und als später diese Gesellschaft zum Istituto nazionale italiano erhoben wurde, seine Wahl zu ihrem Secretär. Als er starb, hinterließ er sein Vermögen der Künstlerin Sophia Sellier, welche ihm zu Liebe aus Frankreich nach Bologna übergesiedelt war, und mit großer Geschicklichkeit und Wahrheit die schwierigsten Gegenstände in Kupfer stach, welche F. seinen Forschungen unterzog. F. war Poet, Naturforscher, Journalist und Bibliograph, und entwickelte nach allen diesen Richtungen eine reiche Thätigkeit; außer den bereits erwähnten Werken erschienen von ihm: „Lettera di un prete montagnuolo sopra la questione del battesimo degli aborti“ (Seconda Edizione 1770, 8°.). Die Angabe seconda edizione, da eine erste Ausgabe gar nie erschienen ist, ist eine Laune von Fortis, wie denn auch der ganze Inhalt dieser in Ottaven geschriebenen aber wie Prosa gedruckten Schrift; – ferner: „Versi d’amore e [297] d’amicizia“ (Vicenza 1783); – „Il principe Cloro o la rosa senza spine. Novella morale“ (Ebd. 1784, 8°.), die naturwissenschaftlichen: „Della Valle vulcanico-marina di Roncà“ (Venedig 1778, 4°.); – „Lettere geografico-fisiche sulla Calabria e sulla Puglia“ (Neapel 1784, 8°.); – „Delle Ossa d’Elefanti ed altre curiosità naturali de’ monti di Romagnano nel Veronese“ (Vicenza 1786, 8°.); – „Del Nitro minerale“ (1787, 8°.), für die in dieser Schrift mitgetheilte Entdeckung erhielt er vom Könige von Neapel zur Belohnung Titel und Einkünfte einer „Badia“; – „Tre Lettere ... intorno alle produzioni fossili dei monti Euganei“ (Cesena 1791, 8°.) – und das schon erwähnte Werk: „Mémoires pour servir à l’histoire naturelle et principalment à l’oryctographie de l’Italie et des pays adjacents“, 2 Bde. (Paris 1802, 8°.), welches F. selbst in franz. Sprache herausgab und als sein bedeutendstes Werk angesehen wird. Viele naturwissenschaftliche und andere Abhandlungen befinden sich in den gelehrten italienischen Sammelwerken seiner Zeit. Eines wenig gekannten Werkchens muß hier Erwähnung geschehen. Im Herbst 1783 schrieb F. 8 umfangreiche Briefe naturwissenschaftlichen Inhaltes, deren 5 in Neapel in nur 50 Exemplaren gedruckt wurden. Diese verschickte er mit Durchschußblättern, für die Bemerkungen anderer Forscher, an verschiedene Gelehrte seiner Zeit. Ein solches Exemplar gelangte in den Besitz des Grafen Thomas di Bassegli in Ragusa, der die Schrift seinem Schwiegervater, dem Hofrath Born in Wien übersendete. Born berichtigte den mineralogischen Theil, überschickte sie an Friedr. Schulz, welcher sie übersetzt in fünf Nummern des „Deutschen Merkur“ 1786 und 1787 und dann abgesondert, als „Mineralogische Reisen durch Calabrien und Apulien“ (Weimar 1788, 8°.) erscheinen ließ, worin interessante Einzelheiten über diese zwei Länder Unteritaliens enthalten sind.

Amoretti (Carlo), Elogio letterario di A. Fortis (Verona 1809, 4°., mit Portr.). – Ugoni (Camillo), Della letteratura italiana nella seconda metà del secolo XVIII. Opera postuma (Mailand 1856, Bernardoni, gr. 8°.) III. Bd. S. 1–108. – Rovani (Giuseppe), Storia delle lettere e delle arti in Italia giusta le reciproche loro rispondenze (Mailand 1856, Borroni e Scotti, Lex. 8°.) III. Bd. S. 266 [nach diesem geboren im August 1741]. – Il Giornalista, poemetto di Batto Nemuttilio (conte Giambattista Mutinelli) (Venedig 1770) [eine scharfe, gegen Fortis gerichtete Satyre]. – Panteon Veneto o di parechi Veneti illustri ritratti incisi da Giuseppe Dala (Venedig 1856, Gattei, 4°.) Nr. XIII [die Inschrift seines daselbst mitgetheilten Grabdenkmales gibt den 21. Nov. 1803 als seinen Todestag an]. – Atti della società italiana. Tomo XIV. – Nuovi Saggi dell’ Accademia di Padova. Tomo I. – Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studii storici (Venedig 1856, Naratovich, 8°.) Appendice S. 32 [nach diesem gest. 21. Oct. 1803]. – Tipaldo, Biografia degli Italiani illustri. II. Bd.[Gamba, Bartol.] Galleria dei Letterati ed Artisti illustri delle Provincie Veneziane nel secolo XVIII (Venedig 1824, 8°.). – Valentinelli (Gius.), Bibliografia della Dalmazia e del Montenegro ... (Agram 1855, L. Gaj, 8°.) S. 17, Nr. 82 (Anmerkung); S. 23, Nr. 112; S. 24, Nr. 115; S. 25, Nr. 121, 123; S. 27, Nr. 130; S. 28, Nr. 133 (Anmerkung); S. 36, Nr. 163 (Anmerkung); S. 68, Nr. 374; S. 71, Nr. 403 (Anmerkung); S. 75, Nr. 433; S. 89 bis, Nr. 536 a. b. c.; S. 94, Nr. 563; S. 95, Nr. 569; S. 123, Nr. 764, 765; S. 124, Nr. 777; S. 127, Nr. 790; S. 136, Nr. 853; S. 164, Nr. 1021; S. 167, Nr. 1036 (Anmerkung); S. 171, Nr. 1066; S. 173, Nr. 1077; S. 177, Nr. 1101; S. 187, Nr. 1164, 1166; S. 222, Nr. 1397. – Nouv. Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XVIII. Bd. Sp. 224 [nach diesem gest. 21. Oct. 1803]. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 166. – Nach Oettingers Bibliographie biographique (Brüssel, Stienon) I. Bd. Sp. 545 ist F. 1740 geboren. – Porträt. Unterschrift: Alberto Fortis. G. Dala dis. ed incise. – [298] F.’s Charakteristik. Zendrini charakterisirt F. folgendermaßen: „Ardente amico presto allo sdegno, non tardo a placarsi, era compassionevole, generoso, e come degli averi, cosi largo dell’ ingegno suo per abbellirne l’ altrui. Co’ suoi avversari avea penna terribile e riportò segnalati trionfi su’ loro errori. Ma fece più ... Confessò i proprii ... trionfo rarissimo.“ F. vereinigte wahrhaft eine Fülle des Wissens und schöner Talente in sich, welche aber bei seinem unstäten, viel bewegten Leben nicht zu solchem Ausdrucke gelangten, dessen er fähig gewesen wäre. Das Epitaph, das er sich selbst schrieb, ist die schönste Probe seiner Bescheidenheit:

Qui giace il Fortis; miserere, Cristo:
Più dell’onde del mar fur sue peccata.
Egli fu frate: vedi se fu tristo.