BLKÖ:Boaretti, Ab. Francesco

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Bob, Franz Joseph
Band: 2 (1857), ab Seite: 1. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Francesco Boaretti in Wikidata
GND-Eintrag: 102055388X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Boaretti, Ab. Francesco|2|1|}}

Boaretti, Ab. Francesco (Gelehrter, geb. zu Masi an der Etsch, Provinz Padua 1748, gest. zu Venedig 15. Mai 1799). Zögling des Seminars zu Padua, versah er in demselben zuerst die Lehrkanzel [2] der Literatur, dann die der Logik und Ethik. Im J. 1784 ward er zum Professor der geistlichen Beredsamkeit an der öffentlichen Priesterschule zu Venedig ernannt. Als man 1794 diese Schule aufhob, wurde B. im Schmerze über den Verlust seiner Lehrkanzel von einem Schlaganfall berührt. Obwohl ihm nun der Senat von Venedig den ganzen Gehalt auch fernerhin ausbezahlen ließ, erholte sich doch Boaretti körperlich nicht wieder. Er erwarb sich durch ausgebreitetes Wissen und vielseitige Kenntnisse – er war in der griechischen, lateinischen und hebräischen Literatur bewandert; zugleich Redner, Dichter, Philosoph, Theolog, Mathematiker, ausgezeichneter Anatom, Phisiolog – die Bewunderung Spallanzani’s, der, als er Venedig besuchte, am liebsten und häufigsten mit B. verkehrte. Seine Schriften sind: Uebersetzungen aus dem Griechischen, und zwar der Trachynerinnen des Sophokles; der Elektra, Hekuba, Iphigenie auf Tauris und Medea des Euripides; des Hymnus an die Ceres und der Ilias des Homer, welche letztere er „Omero in Lombardia“ (Venedig 1788, 2 Bde.) betitelte; diese Uebersetzung ist im venetianischen Dialecte in ottave rime ausgeführt. Aus dem Hebräischen übersetzte er die drei Bücher Ecclesiast (Venedig 1792, 8°.), das Buch der Weisheit, welches er mit einer Widerlegung der von Abbé Nicol. Spedalieri in seinem Werke „De’ diritti dell uomo“ (Venedig 1792, 8°.) ausgesprochenen Grundsätze herausgab; und die Psalmen, letztere 1788 in Venedig. Ein anderes Werk von ihm ist „Dottrina de’ Padri greci relativa alle circostanze della Chiesa nel Secolo XVIII tratta da testi originali“ (Venedig 1791, 2 Bde., 8°.) und schon früher hatte er in Padua (1783) seine „Assertiones Philosophiecae“ erscheinen lassen. Mit dem Buche „Pensieri sopra la trisezione dell angolo“ (Venedig 1793, 4°.) erregte er einen Streit, in dem sich besonders Vincenz Dandolo und Anton Ludw. Romano ereiferten. B. schrieb darüber einige witzige Ottave unter dem Titel: „Ottave rime osia cinque progetti di Pireforo Zanzara“ (Venedig 1793).

Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studii storici (Venedig 1856, Naratovich, 8°.) Appendice: Giunte e correzioni ai cenni biografici, S. 28. – Moschini (P.), Storia della letteratura di Venezia, S. 273. – Ferrari (J. B.), Vitae virorum illustrium Seminarii Patavini (Padua 1815, lex. 8°.) S. 413. – Cesarotti, Iliade d’Omero (1798) tom. I. S. 254.