BLKÖ:Bretfeld-Chlumczansky, Franz Joseph, Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Bresztyenszky, Bela
Band: 2 (1857), ab Seite: 137. (Quelle)
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Franz Joseph von Bretfeld-Chlumczansky in der Wikipedia
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Bretfeld-Chlumczansky, Franz Joseph, Freiherr von (Kunstsammler und [138] Geschichtforscher, geb. zu Prag im letzten Dritttheil des vorigen Jahrhunderts, lebte noch im Jahre 1835). Studirte zu Prag die Humanitätswissenschaften, besuchte dort die Hochschule und trat als Conceptspractikant beim böhmischen Landesgubernium ein. 1808 kam er als Concipist zur Staatskanzlei nach Wien, bei der er nach und nach wirklicher Staatskanzleirath und Schatzmeister des Sternkreuzordens wurde. Auf schriftstellerischem Gebiete besitzt man von ihm die „Historische Darstellung sämmtlicher von den ältesten Zeiten bis zu dem Jahre 1627 abgehaltenen böhm. Landtage“ (Wien 1810, Wimmer, 8°.); – „Gallerie der merkwürdigen Erfinder alter und neuerer Zeiten in alphabetischer Ordnung nach ihrem Geistesproducte gereiht“ (Ebenda 1810, 8°.); – und „Umriss einer kurzen Geschichte des Leitmeritzer Bisthums im Königreich Böhmen nebst genealogischen Denkwürdigkeiten über das Alter und die Verdienste der böhm. Familie Chlumczansky von Przestawlk“ (Ebenda 1811, m. 2 Taf., 8°.). – Schöne Verdienste besitzt B. als Sammler. Seine Sammlungen zeichnen sich nach verschiedenen Richtungen hin durch ihren Reichthum u. ihre Kostbarkeit aus. Die Bibliothek, über 12,000 Bände stark, enthält werthvolle geschichtliche Werke, unter andern die vollständige Sammlung böhmischer Original-Landtagsbeschlüsse von den ältesten Zeiten bis auf die letzten Landtage. Auf Grundlage derselben konnte B. auch das oben bezeichnete Werk über die böhmischen Landtage ausarbeiten. – Die Münzen- und Medaillensammlung, über 30,000 Stücke groß und in 20 Schränken aufgestellt, erhielt bedeutende Zuwächse durch Ankäufe anderer großer Sammlungen. Die Sectionen waren alphabetisch und die Alphabete chronologisch geordnet. Mit der Sammlung in Verbindung steht eine andere, welche alle Gattungen von Papiergeld aller Staaten in Originalien enthält, und eine über 800 Bände fassende Münzbibliothek. Dabei befinden sich Manuscripte numismatischen Inhalts, mit kritischen Anmerkungen, eine große Sammlung von Münzkupfern, Zeichnungen und Abgüssen seltener oder unrichtig beschriebener Münzen. – Die archäologische, genealogische, heraldische und Siegelsammlung. Die archäologische Sammlung besitzt große Kostbarkeiten aus der unter Kaiser Joseph II. veräußerten Sammlung Rudolphs II. und aus der Sammlung des Kreishauptmanns von Bienenberg (s. d., I. Bd., S. 393); die genealogisch-heraldische Sammlung enthält fast alle Stammbäume, Wappen, Diplome und Familiendocumente des böhmischen, mährischen und größtentheils österreichischen Adels mit einer großen Menge von Original-Tauf-, Trau- und Todtenscheinen, Testamenten u. dgl. m. und die Siegelsammlung zählt mehrere hundert Stücke Original-Siegel-Typarien in Stein, Silber, Messing und Stahl; 5–600 Stück wohlerhaltene Original-Siegel in Wachs, – etwa eben so viele Abgüsse in Gyps und an 10,000 Abdrücke in Siegellack; damit in Verbindung steht eine Bibliothek der vorzüglichsten ältern und neuern Werke über Siegelkunde. – Die Gemälde- und Kupferstichsammlung. Erstere enthält an 100 Stück größtentheils wohlerhaltene Originalien berühmter Meister in kostbaren Goldrahmen und ist namentlich als Sammlung der Originalporträte von Dürer, Holbein, Rembrandt, Screta, Kupezki, Cranach, Teniers, Bol, Mengs, Ostade und vielen andern sehr interessant. Unter den Bildern sind Arbeiten von L. Cranach, Mengs, Rembrandt, und all’ den oben Genannten. Die Kupferstichsammlung enthält an 3000 Bildnisse der berühmtesten und berüchtigtsten Personen aller Zeiten und Länder, und damit in [139] Verbindung steht eine Sammlung von Holzschnitten, darunter die 40 Blätter des Triumpheinzuges Kaiser Maximilians I. von Hans Burgkmayr. Alle diese Sammlungen konnten (1821) von Fremden besichtigt werden. Ueber ihren gegenwärtigen Zustand ist nichts bekannt.

Böckh (Franz Heinr.), Wiens lebende Schriftsteller, Künstler und Dilettanten im Kunstfache ... (Wien 1821) S. 90, 146, 193 und 291. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 380. – Wappen: Ein rother Schild, in welchem zwei silberne Schiffsranken ein rechtsschräges Bret natürlicher Farbe beseiten. Schildhalter: Zwei weiße Einhörner. Devise: Dant Pietas et Probitas Decus.