BLKÖ:Cagnola, Ludwig Marchese

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 230. (Quelle)
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Cagnola, Ludwig Marchese (Architekt, geb. zu Mailand 9. Juni 1762, gest. zu Inverigo bei Mailand 14. Aug. 1833). Machte seine Studien im Collegio Clementino zu Rom. In der Architektur unterrichtete ihn Tarquini; dieser und der Anblick der Kunstwerke der heil. Stadt bestimmten ihn, sich dieser Kunst zu widmen. Nach seiner Rückkehr in die Heimat verlegte er sich auf das Studium der Meisterwerke des Palladio, mit denen Vicenza und Venedig so reich geschmückt sind. Im J. 1781 begab sich C. nach Pavia, um die Rechte zu studiren, aber die Baukunst blieb immer noch sein Lieblingsthema. Als er nach Mailand zurückkehrte, trat er auf den Rath des Grafen Wilczeck in Staatsdienste, und zwar in die Abtheilung für den äußern Dienst, welche die Gränzbestimmungen mit den Nachbarn der italienisch-österreichischen Staaten zu erörtern hatte. Auch wurde er zum probo viro, d. i. zum amtlichen Vertheidiger der Verhafteten [231] ernannt, welche Stelle er zwei Jahre bekleidete. Unter allen diesen Beschäftigungen wurden Vitruv, Palladio aufmerksam studirt, Modelle, Bücher über Baukunst fleißig geschafft, Entwürfe gezeichnet und mit jenen der alten Meister verglichen. Die Ansichten der damals berühmten Architekten über sein Treiben kümmerten ihn wenig; sein von dem Studium der classischen Werke der Architektur geläuterter Geschmack hatte mit dem verdorbenen seiner Zeitgenossen nichts gemein. Der Entwurf zu einem Mauthaus, das zugleich als Thorwache für die Porta orientale in Mailand dienen sollte, den C. nicht als Mitbewerber, sondern zu seinem Vergnügen ausgeführt, erhielt solchen Beifall in den Kreisen, in denen C. verkehrte, daß der Erzherzog General-Gouverneur davon Kenntniß bekam und die Zeichnungen zu sehen verlangte. Sie gefielen auch dem kaiserl. Prinzen. Ein anderes Mal wurde der Ausspruch gethan, daß es unmöglich sei, ein gut vertheiltes Landhaus in ein gleichseitiges Dreieck einzuzeichnen. Schon Tags darauf brachte C. die als unmöglich bezeichnete Lösung der Aufgabe mit, die so ausgefallen war, daß sie allgemeines Staunen erregte. Die Architekten vom Handwerk sahen den auftretenden Genius mit mißgünstigen Augen an u. der Adel sah es ungern, daß Einer der Seinen ein Gewerbe ergriff, womit er sich zu Diensten Anderer stellte. C. beirrten alle diese Ansichten nicht. Die erste bedeutendere Arbeit, die er ausführte, war, daß er mit Hilfe eines Zeichners den Plan der Thermen des Maximian Herkuleus, deren Reste unter der Basilika von S. Lorenzo und in der Umgegend liegen, aufnahm, und dieselben im 1. Bande der „Antichità lombardico-milanesi“, welche P. Fumagalli herausgab, veröffentlichte. C. wurde nun zum Mitgliede der von der Kaiserin Maria Theresia gestifteten vaterländischen Gesellschaft in Mailand ernannt. Nach dem Tode seines Vaters trat C. sein Vermögen an; 1799 übertrug ihm der Gemeinderath die schwierigen Geschäfte eines zweiten Commissärs bei den österreichischen Heeren, in welcher Stellung C. sehr viel Gutes that. Nach der in Folge der politischen Ereignisse eingetretenen neuen Ordnung der Dinge begab sich C. nach Venedig, wo er fast ein Jahr lang die Denkmäler der Baukunst, woran die Lagunenstadt so reich, studirte. In Folge einer Einladung seiner Freunde, der Gebr. Zurla in Crema, ein Landhaus in Vajano zu entwerfen und auszuführen, unterzog sich C., der mittlerweile wieder in seine Heimat zurückgekehrt war, der Ausführung dieses Auftrages, als ein Erdbeben 1802 das halb vollendete Haus und viele Gebäude der Umgebung insbesondere in Orzinovi zerstörte. Hier trat nun C. zum ersten Male als werkthätiger Baumeister auf und wirkte auf der Stätte der Verwüstung mit so glänzendem Erfolge, daß man über die Resultate seiner Kenntnisse staunte. Die Errichtung von Katafalken, die in Italien allgemeine Sitte ist, verschaffte C. auch Gelegenheit, Beweise seines geläuterten Geschmackes zu geben. Die für den Erzbischof Visconti, für den Patriarchen Gamboni und für Graf Anguissola von ihm errichteten erregten allgemeine Anerkennung; über ersteren erschien im Drucke: „Le solenni esequie di M. Filippo Visconti arcivescovo di Milano“ (Mailand 1802, Fol., m. Portr. u. 4 K. K.). Als bei Gelegenheit der Krönung Napoleons der Gemeinderath zur Feier des Festes große Anstalten traf, übertrug er an C. den Entwurf eines Triumphbogens und anderer zu diesem Zwecke erforderlichen Bauten. Als Napoleon den Ausbau der Stirnseite des Mailänder Domes angeordnet hatte, reichte auch C. 3 Zeichnungen eines Entwurfes ein, der dem gothischen Style der [232] Kirche besser entsprach, als der angenommene von Pellegrini. Zur Feier des Einzuges des eben vermälten Vicekönigs Eugen mit der Prinzessin Amalie von Baiern sollte aus dem inneren Corso der Porta orientale eine Triumphpforte errichtet werden. Die Pforte wurde von C. in wenigen Tagen wie aus dem Boden gezaubert. Die strengen Verhältnisse dieses Prachtbaues, der aber nur aus Holz und Leinwand bestand, erregten die Bewunderung des Publicums in solchem Maße, daß man die Ausführung dieses Triumphbogens in Marmor beschloß. Im Herbste 1807 wurde begonnen und C. vollendete damit den schönsten Prachtbau, den das neuere Italien aufzuweisen hat. An Schönheit steht er den stolzen Monumenten des Alterthums zur Seite, an Größe und Kühnheit der Formen übertrifft er sie. Als bei der Umgestaltung der Porta Ticinese der sogenannte Arco della pace erbaut werden sollte, entwarf auch C. die Zeichnung dazu. Die jonische Balkenlage, die er dem Ganzen gab, wurde für die spätere Technik der Architektur in der Lombardie wichtig, denn seit dieser Zeit wurde der für Baulichkeiten unbrauchbar gehaltene Granit mit dem glücklichsten Erfolge bei vielen Arbeiten in der Lombardie angewendet. Seit 1814 mehrten sich die Aufträge, welche C. erhielt. Im Auftrage des Kaisers Franz sollte er die neue Façade der k. Burg und das neue Burgthor entwerfen. Der Tod von Cagnola’s Mutter berief den Künstler, der bereits in Wien war, nach Mailand und die Arbeit erhielt ein anderer Architekt. Seine übrigen bedeutendern Werke sind: Die Familiengruft, welche Fürst Metternich in Königswarth errichten ließ; – Der Riß zur Stirnseite der Capelle von Varallo; – Ausbau und Ausschmückung des Glockenthurmes im Flecken Chiari; – den schon erwähnten Riß zum Mautamte bei Porta orientale mit einer korinthischen Säulenstellung, die für den Ausblick in die fernen Gebirge berechnet war, ließ Giovanni Peccis, um ihn der Nachwelt zu erhalten, auf seine Kosten in Bronce gießen. Als Peccis starb, gab C.’s Schwester, die Marchese Paravicini, die nöthigen 36.000 l. a., damit dieses Kunstwerk vollendet und vergoldet werden konnte; – Die marzellinische Capelle in der Kirche S. Ambrogio; – Die Kirche von Concorezzo; – Der Glockenthurm von Urgnano im Bergamaskischen; kreisförmig, auf viereckigem Unterbau ruhend, besteht er aus drei Geschossen von dorischer, jonischer und korinthischer Säulenordnung. Die beiden untern haben Nischen, worin Heilige stehen; – Die Rotonde von Ghisalba mit einer prächtigen Vorhalle; – Der reichgeschmückte Saal im adeligen Casino zu Mailand mit seinen dazu gehörigen Gemächern; – Das Heiligthumhäuschen für die Kirche zu Guastalla in vergoldeter Bronce; – und der Palast zu Inverigo, den er auf eigene Kosten erbaute. Viele seiner großartigen Entwürfe sind durch Ungunst der Zeit u. der Menschen leider unausgeführt geblieben. C. hat manchen tüchtigen Schüler gebildet; darunter Vergani, den Erbauer des Theseustempels, den gelehrten Herzog von Serra di Falco in Palermo, Dordoni, dessen Bauten das Gebiet Mailands schmücken, Bianchi, den Erbauer der Kirche San Francesco di Paula in Neapel, Boara di Lecco, der mehrere schöne Bauten im Gebiete von Lecco ausgeführt; Gilardi, Baumeister der Kaiserin von Rußland und Peverelli, seit 1810 C.’s Freund und unzertrennlicher Gefährte. Obwohl C. Mitglied sehr vieler Akademien war – seit 1812 des Istituto lombardo – so hielt er doch von dem Wirken derselben wenig. Er lebte sehr zurückgezogen, hatte nur einen kleinen sehr gewählten Freundeskreis um [233] sich; war sehr fromm, sehr milde und rächte sich an seinen Feinden durch Wohlthaten. Im J. 1816 hatte er sich mit seiner Nichte Francesca Marchesa d’Adda vermält. 1825 belohnte ihn Kaiser Franz mit dem Orden der eisernen Krone, nachdem er ihm schon früher die Kämmererswürde verliehen hatte. Mehrere Jahre war er auch Director der k. k. Theater, und wurde 1832 zum Präsidenten beider Classen des Istituto lombardo ernannt. Ein Schlagfluß, der ihn auf seinem geliebten Inverigo traf, machte nach wenigen Stunden dem Leben des 71jährigen Greises ein Ende.

G(ironi), Necrologia del Marchese L. Cagnola (s. l. [Mailand] 1844, 8°.). – Zeitgenossen (Leipzig 1836, Brockhaus, Lex. 8°.) III. Reihe V. Bd. XXXV. u. XXXVI. S. 175. – Bauzeitung von Förster. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1835) II. Bd. S. 277 [gibt irrig das Jahr 1834 als sein Todesjahr an]. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) III. Bd. S. 529 [gibt den 12. Aug 1833 als C.’s Todestag an]. – Nuovissimo Dizionario degli uomini illustri d’ogni età e d’ogni nazione ... (Milano 1854, G. Pozzoli, 16°.) I. Bd. S. 567 [gibt den 13. Aug. 1833 als C.’s Todestag an]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1853, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 1. Abth. S. 84 [gibt irrig das Jahr 1760 als sein Geburtsjahr an]. – Valery, Voyages historiques et littéraires en Italie. – Pirovano, Guida di Milano. – Porträt. Unterschrift. Marchese Luigi Cagnola. Blau lith. s. l. et a. (Wien 18..) ein vortrefflich lithographirtes Profilbild.