BLKÖ:Conradi, Ignatius Norbertus a passione Domini

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Conneau, Heinrich
Band: 2 (1857), ab Seite: 440. (Quelle)
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Conradi, Ignatius Norbertus a passione Domini (gelehrter Piarist und Dichter, geb. zu Pest 1718, gest. daselbst 20. August 1785). Schon als Knabe zeigte er so bedeutende Talente, daß er zum Unterrichte seiner kleinen Collegen verwendet wurde. Im J. 1733, 15 Jahre alt, trat er in den Orden der frommen Schulen, und trieb fleißig das Studium der alten und neuen Sprachen und ihrer [441] Literaturen. Nach zurückgelegten Tirocinium im Orden, unterrichtete er in den Elementen der lateinischen Sprache und der Religion, dann trug er die Humaniora vor und erwarb sich unter seinen Ordensbrüdern im In- und Auslande den Ruf eines ausgezeichneten Redners und lieblichen lateinischen Dichters. Später kam er nach Florenz und Rom und Papst Benedikt XIV. gab ihn dem an den Fürsten der Walachei Maurocordato im Jahre 1746 abgeschickten P. Joseph Innoc. Desericius als Begleiter mit. Hierauf kam er nach Wien, Pesth, wo er den jüngeren Clerus seines Ordens in der Philosophie und Mathematik, alsdann nach Neutra, Waitzen, Weßprim, Debreczin, wo er ihn in der hebräischen u. griechischen Sprache, im Kirchenrecht und in der Theologie unterrichtete. Nun wurde er zum Consultor und Assistens Provincialis seines Ordens ernannt und den Ordenshäusern der frommen Schulen zu Weßprim, Neutra und endlich zu Pesth vorgesetzt; im J. 1782 zum Vicarius Provincialis und endlich einmüthig auf 6 Jahre zum Praeses Provinciae erwählt. Als solcher ereilte ihn eher, als die 6 Jahre seiner Wahlzeit verflossen, der Tod. Er besorgte eine neue Ausgabe der lateinischen Gedichte des Janus Pannonius [des Fünfkirchner Bischofs Cesinge] (Ofen 1754, 8°.), in welcher er mehrere noch ungedruckte Epigramme aufnahm, die dem früheren Herausgeber Sambucus unbekannt geblieben waren, und die ihm Adam Franz Kollar, Bibliothekar der kais. Hofbibliothek in Wien (siehe diesen) mitgetheilt hatte. Als Vorrede schickte er diesem Werke: „de Jani Pannonii quinque Ecclesiarum Episcopi vita et scriptis“ voraus. Doch hatte C. in dieser neuen Ausgabe mehrere Epigramme, die Cesinge in seiner Jugend geschrieben und „Juveniles lusus“ betitelt hatte, weggelassen, weil sie erotischen Inhalts sind. Auch besorgte er Ausgaben folgender Werke: „Dissertationes agonisticae“ (Leipzig 1754, gr. 8°.) von Ed. Corsini a S. Silvestro, und „Orationum in Romanae Sapientiae Archigymnasio recitatarum. Vol. duo“ (Budae 1754, 8°.) von Paulin Chelucci a S. Josepho; beide aus dem Orden der frommen Schulen. Er übersetzte ferner aus dem toskanischen Original und veröffentlichte es durch den Druck: „P. Vincentius Talenti a S. Philippo Nerio: Vita et rerum gestarum compendium Josephi Galasanctii a Matre Dei, C. C. R. R. Scholarum Piarum Fundatoris albo Sanctorum inserti“ (Pressburg 1769, 8°.). Viele seiner Gelegenheitsreden und Gedichte erschienen einzeln im Drucke. Nach seinem Tode besorgte der Piarist Professor Ludwig Zimányi die Herausgabe einer Sammlung seiner lateinischen Oden, Epigramme und übrigen Gedichte (Pesth 1792), aus welchen erhellt, daß C. unter den neueren lateinischen Poeten eine ehrenvolle Stelle behauptet.

Horany (Alex.), Nova memoria Hungarorum et provincialium scriptis editis notorum (Pesth 1792) S. 660. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de Mr. le Dr. Hoffer (Paris 1853) XI. Bd. Sp. 520. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 19. Bd. S. 106.