BLKÖ:Fischer, Joseph II.

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Fischer, Joseph I.
Band: 4 (1858), ab Seite: 240. (Quelle)
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Fischer, Joseph II. (kais. Kammer-Kupferstecher, geb. zu Wien 30. Jän. 1769, gest. ebenda 5. Sept. 1822). Sein Vater war Hofzeltschneider und schon als Knabe zeichnete F. Zelte, worin sich ein schönes Talent kundgab. 1783 kam er an die Akademie der bildenden Künste, wo Brand im Zeichnen, Schmuzer im Kupferstechen seine Lehrer waren. Mit Spagnoletto’s Bilde „Christus in templo disputans gewann er den ersten Preis und 18. Oct. 1793 wurde F. zum kais. Kammer-Kupferstecher ernannt. Nachdem er in Tagen der Gefahr (1797) dem Vaterlande Waffendienste geleistet hatte, unternahm er Reisen in Ungarn, Galizien, Deutschland, der Schweiz, Frankreich (1802) u. England (1803). In Frankreich lernte er den Fürsten Eßterházy kennen, der an dem Künstler Gefallen fand und ihn 1804 zum Director seiner kostbaren Gemälde- und Kupferstichsammlung ernannte. Der nie rastende Kunst- und Brotneid, über so viel Glück des Künstlers erbost, machte sich Luft in mannigfaltigen Geschichten, welche F.’s Ehre verdächtigten und sogar den Weg [241] in die Oeffentlichkeit fanden, aber sich als unwahr herausstellten. Am 12. Februar 1815 wurde F. Mitglied der Akademie der bildenden Künste, 5. Juni desselben Jahres außerordentlicher Professor der Landschaftzeichnung, 1818 akademischer Rath und am 24. Nov. 1821, bis zu welchem Tage er unentgeltlich gedient, Professor der Landschaftmalerei. Aber schon im folgenden Jahre starb er im Alter von 53 Jahren. In der letzten Zeit, da ihn sein Leiden hinderte mit dem Grabstichel zu arbeiten, malte er meistens in Oel. Groß ist die Zahl der von Fischer geätzten, gestochenen und in Aquatinta ausgeführten Blätter; es befinden sich darunter ganze Suiten. Naglers Künstler-Lexikon zählt eine große Menge derselben auf. Hier folgen nur die Angaben der größeren Blätter: „Herkules und Omphale“, nach Cars geätzt und mit den: Grabstichel ausgef.; – „Die unterirdische Höhle bei Ostrow in Mähren“, großes Blatt in Aquat.; – „Bildniss des Correggio“, in Aquat.; – „Bildniss des Grafen Czernitscheff“; – „des Grafen Magnis“; – „Die Ehebrecherin“, nach Füger, sehr großes Blatt in Aquat.; – „Bildniss des Grafen Wrbna“; – „Piramus und Thisbe“, nach C. Lebruns Zeichnung; – „Die Erweckung des Lazarus“, nach Lesueurs Zeichnung; beide Blätter radirt; – „Der Tod Mariens“, nach Saraceno; – „Bildniss des Graten Sinzendorf“, in Rembrandts Manier rad.: – „Kaiser Franz von der Weisheit und Gerechtigkeit geführt, empfängt die Huldigung seines Volkes“, Aquatinta; – „Die Grablegung“, nach Schidone, für die große Ausgabe des Pariser Museums. Von seinen Zeichnungen und Gouachen sind zu nennen: Fünfzig Schweizer-Ansichten; – Ueber 30 Ansichten englischer Gegenden; – Vierzehn Ansichten von Schönhof in Böhmen (en gouache); – Ansichten aus den Karpathen mit vielen Costume-Bildern. Diese erstand Baron Mednyanski von der Witwe des Künstlers und sie erschienen 1826 bei Hartleben in Pesth, nachdem schon früher als Vorläufer dieser Arbeit die „Malerische Reise auf dem Waagflusse in Ungarn, gezeichnet von Fischer, geätzt von Schlotterbeck“ (Wien 1818, Strauß, 16 Blätter) herausgekommen war. Seine landschaftl. Oelbilder befinden sich im Besitze der Fürsten Eßterházy und Lubomirski, des Grafen Magnis, der Gräfin Wrbna u. A. Die Gallerie der Prager Kunstfreunde besitzt seine „Gewitterlandschaft“, auf Holz; die Belvedere-Gallerie die „Ansicht von Wien mit der Donau von der Anhöhe hinter Heiligenstadt aufgenommen“, auf Leinwand. Auch hat F. zu Brzezina in Galizien die Capelle sammt der Gruft für den Grafen Mniszek im edlen griechischen Style nach eigenem Entwurfe ausgeführt. F.’s Arbeiten sind nicht alle gleich in der Ausführung, an einzelnen ist Flüchtigkeit zu bemerken; doch aber sind seine Leistungen lange nicht gehörig gewürdigt, und ist seinen trefflichen Arbeiten erst nach seinem Tode die Aufmerksamkeit, welche sie verdienen, geschenkt worden.

(Hormayrs) Archiv für Geschichte, Statistik, Liter. und Kunst (Wien, 4°.) 1824, S. 827 [mit Angabe seiner landschaftlichen Oelbilder]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8°.) IV. Bd. S. 349 [der von Nagler ebenda S. 352 aufgeführte Kupferstecher: Johann Fischer aus Wien – über dessen Lebensverhältnisse Nagler nichts erfahren zu können bemerkt – ist nach den mitgetheilten Kupferstichen mit diesem Joseph eine und dieselbe Person]. – Müller (Fr.)[WS 1], Die Künstler aller Zeiten u. Völker (Stuttgart 1857, Ebner und Seubert, Lex. 8°.) II. Bd. S. 64 [mit Abbildung der drei Monogramme, mit denen er seine Bilder zu bezeichnen pflegte]. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835) II. Bd. S. 144. – Porträt. Unterschrift: J. Fischer, Seiner k. k. May. Kammer Kupferstecher. Am rechten unteren Rande des Medaillons: Ipse fec. 1794.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Müller (Franz).