BLKÖ:Gallo, Martius Mastrilly Don

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 73. (Quelle)
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Gallo, Martius Mastrilly Don (Staatsmann, geb. zu Palermo 1753, gest. ?). Von adeliger aber armer Familie, kam er jung nach Neapel und schwang sich durch sein geschmeidiges schlaues Benehmen zu den höchsten Würden empor. 1790 wurde er ausersehen, die Prinzessin Maria Theresia, des Erzh. Franz Braut, nach Wien zu geleiten. In den J. 1790–97 verweilte er als neapolitanischer Gesandter am kaiserl. Hofe zu Wen und spielte, als Napoleon Wien bedrohte, eine wichtige diplomat. Rolle. Der König von Neapel hatte Napoleon gegenüber für Oesterreich die Vermittler-Rolle übernommen, und G. ging in seines Souveräns Auftrag, doch mit österreichischer Vollmacht versehen, nach Judenburg in des Usurpators Hauptquartier, um daselbst zu unterhandeln. In Leoben unterzeichnete G. am 18. April 1797 die Friedens-Präliminarien und ging mit neuen Vollmachten und Instructionen in Gesellschaft der Grafen Cobenzl und Merveldt nach Udine ab, wo Napoleon am 27. Sept. eintraf. Am 17. Oct. 1797 wurde auf dem Schlosse Campo Formio der gleichnamige Friede zwischen Oesterreich und der französischen Republik abgeschlossen, auf welchem G. als erster Bevollmächtigter sich unterzeichnete. Ein namhaftes Geschenk und der goldene Vließorden waren die Belohnungen, welche G. 1798 für seine verderblichen Rathschläge erhielt. G. ging nun nach Neapel und entwickelte daselbst eine große Thätigkeit, sich in der Periode 1799–1815 nach den Umständen immer jener Partei nähernd und anschließend, die eben an der Spitze stand. Als er aber am 25. Juli 1820 neuerdings zum Botschafter in Wien ernannt wurde, mußte er schon in Klagenfurt, wohin er am 28. August gekommen war, umkehren, da man sich seinen Besuch in der Residenz verbat. Nicht mehr Glück hatte er später als Begleiter des Königs Ferdinand auf dessen Reise zum Congresse nach Laibach, wo G. in Mantua, dann in Görz aufgehalten, an letzterem Orte sogar unter Polizeiaufsicht gestellt wurde. Nur mit Mühe gelang es ihm nach Laibach zu kommen, wo er trotz der Bemühungen seines Königs nicht zum Congresse zugelassen und am 31. Jänner mit einem [74] kön. Handschreiben nach Neapel geschickt wurde, um dasselbe dem Prinz-Regenten einzuhändigen. Die Mahnungen zum Frieden, welche jenes Schreiben enthielt, waren vergeblich gewesen, der Krieg brach aus, die Oesterreicher rückten in’s neapolitanische Gebiet, die kön. Gewalt wurde wieder hergestellt, Gallo trat aber vom Schauplatz der öffentlichen Thätigkeit in’s Privatleben zurück, aus welchem er nicht mehr auftauchte, so daß sogar sein Todesjahr unbekannt ist. Näheren Bericht über seine verderbliche Thätigkeit namentlich in der Katastrophe des Jahres 1797 gibt Stramberg in dem unten angegebenen Aufsatze.

Coletta (Pietro), Storia del reame di Napoli dal 1734 sino al 1825 (Capolago 1834). – Rabbe, Boisjolin etc., Biographie universelle et portative des Contemporains. – Schlosser (F. C.), Geschichte des 18. und des 19. Jahrhunderts bis zum Sturze des französ. Kaiserreichs (Heidelberg 1844, Mohr) (3. Auflage) VI. Bd. S. 22, 36, 583, 604. VII. Bd. S. 1044. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allg. Encyklopädie der Wissenschaften u. Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 53. Thl. S. 210. Artikel von Stramberg.