BLKÖ:Grünne Graf von Pinchard, Philipp Ferdinand Wilhelm

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 396. (Quelle)
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Grünne Graf von Pinchard, Philipp Ferdinand Wilhelm (General der Cavallerie und Ritter des Mar. Theresien-Ordens, geb. zu Dresden 15. Mai 1762, gest. zu Wien 26. Jänn. 1854). Ein Sohn des 1779 als Feldmarschall-Lieutenant verstorbenen Grafen Ferdinand. Nach vollendeter Erziehung trat G. im Febr. 1782 als Unterlieutenant in’s Kür.-Reg. Nr. 3, in welchem er am 27. Mai 1786 zum Oberlieutenant vorrückte. Im Türkenkriege war er Rittmeister im Dragoner-Regim. Toscana Nr. 7 und zwei Jahre später Major im 1. Dragoner-Regiment. Im April 1794 ernannte ihn Kaiser Franz zum Flügel-Adjutanten, dann wurde er General-Adjutant des Feldzeugmeister Grafen Clerfayt, am 9. Febr. 1795 Oberstlieutenant und in gleicher Eigenschaft beim General der Cavallerie Grafen Wurmser verwendet. In der Affaire bei Mannheim (18. Oct. 1795) zeichnete er sich durch Eifer und Entschlossenheit aus. Während des Feldzuges 1796 und 1797 wurde G. General-Adjutant beim Erzh. Karl und rückte 28. Oct. 1797 zum Obersten vor. Am 1. Jän. 1798 wurde G. als Oberst zum Dragoner-Regiment Nr. 7, damals Kaiser Franz, übersetzt, im Jänn. 1799 dem Erzh. Palatin Joseph auf seiner Reise nach St. Petersburg beigegeben. Nach beendeter Mission kam er zur Armee nach Deutschland und war es G., der, nachdem Korsakow seinen Rückzug aus der Schweiz antrat, mit einigen Escadronen seines Regiments von Stockach herbeieilte und durch die Wegnahme von Petershausen (30. Sept. 1799) den Feind zurückwarf. Am 6. März 1800 zum General-Major ernannt, blieb er als Brigadier bei der Armee. Als am 1. Mai d. J. der Feind den Uebergang über den Rhein zwischen Schaffhausen und Stein eröffnete, erhielt G. von dem bei Bregenz stehenden Feldmarschall-Lieutenant Fürsten Reuß die Weisung, mit 6 Bataillonen und 5 Escadronen dessen rechte Flanke zu decken und den Feind so lange aufzuhalten, bis Fürst Reuß die Möglichkeit gewonnen haben würde, die Gegend von Bregenz zu verlassen, und die Pässe von Tyrol zu erreichen. Dieses Auftrages hatte sich G. in den Tagen des 8.–12. Mai in so musterhafter Weise entledigt, daß der Einfall des Feindes in die Stadt Kempten vereitelt und dadurch die Erhaltung der Tyroler Pässe gesichert wurde. In der Schlacht bei Hohenlinden commandirte G. die Regimenter Erzh. Ferdinand-Hußaren und Hohenzollern-Kürassiere und schloß am 15. Dec. zu Steier im Namen des Erzh. Karl die dem Lunneviller Frieden vorausgehende Demarkations- und Waffenstillstands-Uebereinkunft mit dem französ. General Lahorie ab. Für sein Verhalten vor Kempten wurde er in der 66. Promotion (18. Aug. 1801) mit dem Ritterkreuze des Mar. Theresien-Ordens ausgezeichnet. Nach dem Frieden von Lunneville kam G. als Brigadier nach Kaschau, später nach Hradisch. Als im Jahre 1804 die Reformen in den österr. Armee-Institutionen begannen, wurde G. den Berathungen beigezogen und Vorstand des Bureaus des Kriegsministers. Im J. 1805 wurde er Referent des obersten Chefs des Kriegswesens, 1806 Inhaber des Uhl.-Reg. Nr. 3 und 1808 Feldmarschall-Lieutenant in seiner Verwendung, im J. 1809 General-Adjutant und Chef des Ministerialbureaus der Armee. Seine Thätigkeit in diesen Tagen ehrt der kaiserl. Prinz in seiner Relation der Schlachttage des J. 1809 mit den Worten: „daß Feldmarschall-Lieutenant [397] Graf Grünne ihm (dem Prinzen) in den gefahrvollen Tagen mit großer Aufopferung beigestanden habe und er sich verpflichtet sehe, ihm die höchste Zufriedenheit öffentlich zu bezeugen“. Als Erzh. Karl im J. 1809 aus aller Wirksamkeit im öffentlichen Dienste zurücktrat, wurde G. zur Dienstleistung bei dem Kriegsminister Grafen Joseph Colloredo nach Pesth berufen. Der Mißbrauch einer vertraulichen Aeußerung über den Verlauf der letzten Kriegsereignisse, den ein leichtfertiger Freund verschuldete, gab Anlaß zu seiner Pensionirung. Der Erzh. Karl erbat sich ihn aber von Kaiser Franz zum Obersthofmeister. Neben der Oberleitung des erzherzogl. Hofstaates blieb G. auch den mehrfältigen literarischen Arbeiten, wozu der Erzherzog seine Muße benützte, nicht fern, insbesondere so weit solche militärische Gegenstände umfaßten und so weit es auf Anordnung und Feile ankam. Von ihm selbst verfaßt sind: „Die Relationen der Schlachten bei Aspern, Wagram und im Jahre 1809“ (o. O., Wien 1809[WS 1], Geistinger, mit Plan und Kupfer, 4°.). Dieses traute Verhältniß blieb standhaft bis zum J. 1847, des Erzherzogs Todesjahr; Graf Grünne trat nun völlig in den Ruhestand. Während dieser Dienstzeit bei dem Erzherzog wurde G. am 2. Nov. 1827 General der Cavallerie, 1836 wirkl. geh. Rath, und bei seinem Uebertritte in den Ruhestand, 1847, erhielt er das Großkreuz des Leopold-Ordens. Er starb im Greisenalter von 92 Jahren und die entseelte Hülle wurde seinem ausdrücklichen Wunsche gemäß auf dem Militär-Friedhofe in Wien beigesetzt. Aus seiner Ehe mit Rosalie Freiin von Felz stammt Graf Karl Ludwig (siehe den Vorigen).

Wiener (amtliche) Zeitung 1854, Nr. 32. – Allgemeine Zeitung. Beilage 1854, Anfangs Februar. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär- Marien-Theresien-Orden (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 689 und 1744. – Desselben: Oestr. Militär-Kalender auf das J. 1854 (Wien, Gerold, 8°.) V. Jahrg. S. 113. – Oestr. Militär-Konvers.-Lexikon. Herausgeg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851 u. f.) II. Bd. S. 804. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835) VI. Bd. und Suppl. S. 466. – Grazer Zeitung. 1854, Anfangs Februar. – Oestr. Zeitung. 1854, Ende Jänner [im Feuilleton]. – Brünner Zeitung 1854, Anfangs Februar.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1800.