BLKÖ:Guzmics, Isidor

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Gverin, Franz
Band: 6 (1860), ab Seite: 52. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 117591637, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Guzmics, Isidor|6|52|}}

Guzmics, Isidor (theolog. Schriftsteller, geb. zu Vámos-Család im Oedenburger Comitate 7. April 1786, gest. 1. Sept. 1839). Den ersten Unterricht ertheilte ihm der Bruder seiner Mutter, Joseph Buday, und die Schriften eines vaterländischen Poeten, des Franz Faludi (IV, Bd. S. 141), die er bereits als Knabe las, äußerten nebst der ihn umgebenden Natur nachhaltige Wirkung auf seine Seele. Die Elemente der lateinischen Sprache lernte er in der Schule von Alsó-Lendva, dann besuchte er die Schulen in Güns, Steinamanger, die Humanitätsclassen in Oedenburg, wo Paul Horváth sein Lehrer war. Am 28. October 1805 trat er in den Orden der Benedictiner, aber schon im folgenden Jahre wieder aus, um sich der Oekonomie zu widmen. Reuig kehrte er aber am 10. November 1806 in den Kreis der Brüder, die er verlassen, zurück. 1808 hörte er in Raab die Physik, 1809 und 1810 ertheilte er selbst Unterricht an der Raaber Mittelschule. 1812 wurde er zur Vollendung des theologischen Studiums nach Pesth geschickt. Hier lernte er die Classiker der Deutschen und die vaterländische Literatur kennen. 1814 bildete er mit mehreren Freunden einen wissenschaftlichen Verein, der sich mit literarischen Arbeiten, theils in Original, theils in Uebersetzung, beschäftigte; jedoch veröffentlichte der Verein nur zwei Romane, von deren einer (Miteusz) ein Originalwerk des Guzmics war. Auch hat er in dieser Zeit mit Franz Pap von Bilke ein Lustspiel geschrieben und hatte Antheil am „Nemzeti Plutarkus“, d. i. National-Plutarch, und an der Uebersetzung des Hübner’schen Lexikons. Nachdem er noch die theologische Doctorswürde erlangt, kehrte er in das Kloster am Pannonberge zurück und trug daselbst [53] die Dogmatik vor. In seinen Mußestunden beschäftigte er sich mit literarischen Arbeiten. Außer zahlreichen, in den Zeitschriften Ungarns zerstreuten kleineren Artikeln hat er auch längere Abhandlungen geschrieben, von denen die im 8. Bande der „Tudománios Gyüjtemény“, d. i. wissenschaftliche Sammlungen 1822, erschienene „A nyelv hármas befolyásáról, az ember emberitésébe, nemzetesitésébe és hazafiusitásába“, d. i. Ueber ben dreifachen Einfluß der Sprache: durch Erweckung des menschlichen, nationalen und patriotischen Gefühles im Menschen, das größte Aufsehen erregt hat. Seine selbstständigen Werke sind: „A keresztényeknek vallásbeli egyesülésökről: levelek az evang. ker. tolerancziának védelmezőjéhez“, d. i. Ueber die Religionseinheit der Christen: Briefe an den Vertheidiger der evang. christl. Toleranz (Pesth 1822); – „A kath. anyaszentegyháznak hitbeli tanitása a magyarországi protestansokhoz“, d. i. Die Glaubenslehre der kath. Kirche; an die ungarischen Protestanten (Pesth 1822); – „A vallásegyesülés ideájának, és a romai katholikus és protestans keresztények közt fenálló unio vizsgáltatása“, d. i. Prüfung der Idee der Religionsvereinigung und der zwischen den röm. kath. und protest. Christen bestehenden Union (Raab 1824); – „Theokritosz maradványai“, d. i. Bruchstücke des Theokritos, in Hexametern (Raab 1824); – „A romai kath. és protestans keresztények közt fenálló unionak másodszori vizsgáltatása“, d. i. Zweite Prüfung der zwischen den röm. kath. und protest. Christen bestehenden Union (Raab 1826); – „Theologia christiana fundamentalis et Theologia dogmatica“, 4 Bände (Raab 1828 und 1829). Seine von der Akademie gekrönte Uebersetzung des Oedipus von Sophokles und der Iphigenia von Euripides zeigen, wie er es verstand, den Geist der hellenischen Sprache der seines eigenen Volkes anzueignen. Zu bedauern ist, daß seine Uebersetzung des Anakreon verloren gegangen. Am 17. November 1830 ernannte ihn die ungar. Akademie zum Provinzialmitglied der philologischen Section, 1838 zu ihrem Ehrenmitgliede. Von 1832 bis an seinen Tod (1839) redigirte er das „Egyházi tár“, d. i. Das Kirchen-Magazin, und begann damit eine neue Epoche in der kirchlichen Literatur Ungarns. 1832 wurde er zum Abten von Bakonybél ernannt. Daselbst ließ er für 150 Kinder ein Wohnhaus bauen, und dieselben in den für ihr Alter entsprechenden Gegenständen unterrichten, durch persönliche Aufsicht und Vertheilung von Prämien, die er selbst vornahm, förderte er diese seine Schöpfung, und noch 1837 gründete er eine Musik- und Singschule. Der Tod, der ihn im Alter von 53 Jahren, zu früh der Kirche, der Wissenschaft und seiner Gemeinde, entriß, unterbrach auch die Vollendung seines Werkes: „Az erkölcsi világ történeti rajza“, d. i. Geschichtliche Beschreibung der moralischen Welt, an dem er seit vielen Jahren gearbeitet hatte.

Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich) S. 166. – Magyar Sajtó (Pesther polit. Blatt. Folio) III. Jahrg. (1857) Nr. 93: „Guzmics Isidor bakonybéli apát, s. m. akademiai tag végóról“.