BLKÖ:Gyulay von Maros-Németh und Nadaska, Albert Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Györy, Alexander
Band: 6 (1860), ab Seite: 67. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Albert Gyulay in der Wikipedia
GND-Eintrag: 136742785, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Gyulay von Maros-Németh und Nadaska, Albert Graf|6|67|}}

Gyulay von Maros-Németh und Nadaska, Albert Graf (Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Mar. Theresien-Ordens, geb. zu Ofen 12. Sept. 1766, gest. zu Pesth 27. April 1835). Sohn des Grafen GrafSamuel (I.) (s. d.). Trat im Mai 1784 als Lieutenant in das Huszaren-Regiment Kaiser Nr. 1, wurde im October 1787 Oberlieutenant im Infanterie-Regiment Alvintzy Nr. 19, bald darauf zweiter Rittmeister bei den Szekler Huszaren, und bei dem 1788 mit der Pforte ausgebrochenen Kriege gab er bereits Proben seines Muthes. Am 26. August d. J. hatten die Türken, 6000 M. stark, die Verschanzungen im Törzburger (nicht wie er in Meyer’s großem Conversations-Lexicon heißt: Störzburger) Passe angegriffen, die Schanzen erobert und den Rückzug des Corps gefährdet. Gyulay, der sich bei [68] dem zur Deckung der Grenze unter dem Feldmarschall-Lieutenant Fabris aufgestellten Armee-Corps befand, warf sich mit 3 Zügen Huszaren dem Feinde entgegen, hielt die verfolgenden Türken mehrere Stunden auf, nahm ihnen die gemachte Beute an Geschütz und Menschen ab und deckte den Rückzug der übrigen Truppen. Im Februar 1789 rückte er im Regimente seines Vaters Nr. 32 zum Hauptmann vor, zeichnete sich im Feldzuge dieses Jahres, bei der Hauptarmee unter Loudon befindlich, bei dem Sturme auf Belgrad (30. Sept.) aus, indem er freiwillig mit seiner Compagnie durch die Pallisaden eindrang, die Türken aus dem Graben vertrieb und bis in die Stadt verfolgte. G. wurde nun in der 19. Promotion (21. December 1789) mit dem Ritterkreuze des Maria Theres.-Ordens belohnt. Im Feldzuge 1793 führte G. nach der Schlacht bei Neerwinden einen nächtlichen Ueberfall auf die feindliche Nachhut aus, nahm dem Feinde mehrere Geschütze ab, machte mehrere hundert Gefangene und besetzte die Stadt Tirlemont. Im Mai 1793 wurde er Major im O’Donnel’schen Freicorps, wohnte den Belagerungen von Valenciennes (Juni), Le Quesnoy (August) und den Streifzügen des Bellegarde’schen Corps gegen Castellet, Beauvais, St. Quentin und Cambray bei. Im J. 1794 zeichnete er sich aus bei dem Angriffe auf Vaux (17. April), im Treffen bei Tournay (10. Mai); im J. 1797, in der Brigade des Generals Graf de Brieg eingetheilt, erstürmte er (19. April) das Dorf Lein und Schloß Braunfels. Noch im April d. J. wurde er 2. Oberstlieutenant im Regimente seines Vaters, im März d. f. erster Oberstlieutenant bei Kaiser-Huszaren und bald darauf Oberst im neu errichteten ungarischen Infanterie-Regimente Nr. 48. Im 1. 1799 machte G. den Feldzug in Italien mit, that sich hervor in den Gefechten bei Verona (26. März), wo er 18 Stunden dem weit überlegenen Feinde unerschütterlichen Widerstand entgegenstellte, und in der Schlacht bei Magnano (5. April), wo er auch schwer am Kopfe verwundet wurde und trepanirt werden mußte. Für sein ausgezeichnetes Verhalten wurde er Mitglied der Elisabeth Theresien-Stiftung. Es war dieß der erste Fall der Aufnahme in dieselbe eines Obersten im activen Dienste, da nur im Felde dienstuntauglich gewordene Officiere darauf Anspruch haben; auch ernannte ihn die Stadt Verona aus Dankbarkeit zum Veroneser Edelmann. Die Einkünfte der Elisabeth Theresienstiftung vertheilte er von 1813 bis an seinen Tod an vier mit mehreren Kindern belastete und dienstuntauglich gewordene Officiere, nach deren Tode aber an ihre Witwen und Kinder. Im J. 1800 wurde G. General-Major, und trat seiner geschwächten Gesundheit wegen in den Ruhestand; aber schon im nämlichen Jahre bei Errichtung der ungarischen Insurrection wurde er Districts-General jenseits der Theiß; trat 1803 wieder in die active Armee ein, wurde Feldmarschall-Lieutenant, übernahm 1809 das Commando des 8. Armee-Corps in Italien, hatte wesentlichen Antheil am Siege bei Fontana fredda (17. April) und schlug die Franzosen auf dem Monte Cerroni (30. April), so die Gefahren hemmend, welche die österreichische Armee durch Murat’s Manövers bedrohten. Als die Siege der Franzosen in Deutschland die Oesterreicher zur Räumung Italiens zwangen, behauptete er noch seine Stellung bei Tarvis durch 2 Tage (16. u. 17. Mai 1809) gegen die wiederholten [69] Angriffe des überlegenen Feindes, rettete die Magazine und bewerkstelligte bei St. Gotthard in Ungarn (2. Juni) die Vereinigung seiner Division mit der Armee des Erzherzogs Johann. Am 7. Februar 1810 erhielt er die Inhaberstelle des Infanterie-Regiments Nr. 21, ging 1811 in Pension, trat jedoch zweimal noch, aber immer auf kurze Zeit in Activität, im J. 1813 und 1815; beidesmal das Commando einer Division im Reserve-Corps übernehmend. Von 1816 bis an seinen 1835, im Alter von 69 Jahren, erfolgten Tod, lebte er in ununterbrochenem Ruhestand.

Oesterr. Militär-Zeitschrift (Wien, 8°.) Jahrg. 1836, Bd. IV. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 277 und 1733. – Oesterr. Militär-Konversations-Lexikon, Herausg. von J. Hirtenfeld (Wien 1850, gr. 8°.) Bd. II, S. 838. – J. Meyer, Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.) Bd. XIV, S. 499 [gibt das Jahr 1768 als Geburts-, 1836 (27. April) als Todesjahr an]. –