BLKÖ:Holtei, Luise von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 241. (Quelle)
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Holtei, Luise von (dramatische Künstlerin, geb. zu Wien 1. December 1800, gest. zu Berlin 28. Jänner 1825). Eine geborne Rogée, lebte bis zum achten Jahre in Wien, kam alsdann nach Berlin und ging aus innerer Neigung zur Bühne, welche sie, von der [242] berühmten Bethmann gebildet, im Jahre 1814 in den Lustspielen „Jak Spleen“ und „Welche ist die Braut?“ zum ersten Male betrat. 1820 verließ sie Krankheit halber das Theater, vermälte sich 4. Februar 1821 mit Karl von Holtei, den sie auf dem Haustheater des Grafen Herberstein zu Grafenort kennen gelernt hatte, betrat aber im Mai 1821 wieder in Breslau die Bühne, auf der sie zwei Jahre hindurch der Liebling des Publikums war. Der im Leben Holtei’s erwähnte Seiltänzerscandal veranlaßte sie, die Breslauer Bühne zu verlassen, worauf sie in Begleitung ihres Gatten eine Kunstreise antrat und in Prag, Wien, Brünn, Hamburg mit dem schönsten Erfolge gastirte und auch in Berlin auftrat, wo sie sehr gefiel, aber schon nach kurzer Wirksamkeit einem Leiden erlag, welches seit ihrer ersten Krankheit ihre Gesundheit unterwühlt hatte und sie so in der Blüthe ihrer Jahre tödtete. „Blumen auf das Grab der Schauspielerin Luise von Holtei geborne Rogée“ (Berlin 1828, Vereinsbuchhandlung) ist der Titel einer Sammlung von Dichtungen, worin der hinterbliebene Gatte das Andenken der geliebten Gattin und vorzüglichen Künstlerin feiert. Der erste Theil, den er „Anklänge aus Leben, Liebe und Tod“ nennt, enthält 51 Gedichte von Holtei; der zweite, unter dem Titel: „Freundesgaben“, Trauerlieder von verschiedenen Poeten. Luise von Holtei war eine Zierde der deutschen Bühne, als Asla in „König Yngurd“. Gurli in „Die Indianer in England“. Melitta in „Sappho“, Margaretha in Iffland’s „Hagestolzen“, Marianne in Goethe’s „Geschwistern“ und Käthchen von Heilbronn in dem gleichnamigen Stücke von Kleist, war sie unübertroffen. Ihr Kunsttalent, verbunden mit ihrer anmuthigen Persönlichkeit, hatten ihr allgemein Achtung und Liebe erworben. Tiefes Gefühl, weibliche Innigkeit und ein anspruchsloser unbefangener Sinn, alles Eigenschaften, welche sie auch als Gattin und Mutter auszeichneten, verliehen der Darstellung ihrer Rollen, in deren Geist sie übrigens tief eindrang, einen unnennbaren Zauber. Müllner, der Dichter der „Schuld“, der eben der Erste in dem 14jährigen Mädchen das große Talent für die Kunst erkannt, hatte über Luise den Ausspruch gethan: „Die kleine Rogée dürfte dereinst so groß enden, wie die Wolff und Schröder“. Nur der Tod hat die Verwirklichung dieser Worte vereitelt.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt, 8°.) III. Jahrg. S. 1310. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Sect. 10. Thl. S. 104.– Porträt. Lithogr. (Leipzig, Hentze, Fol.).