BLKÖ:Koch, Ignaz Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 12 (1864), ab Seite: 181. (Quelle)
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Koch, Ignaz Freiherr von (geheimer Cabinetssecretär der Kaiserin Maria Theresia, geb. um das Jahr 1707, gest. zu Wien 14. Februar 1763). Entstammt einer alten paderbornischen Familie, welche seit Jahrhunderten höhere [182] Bürgerwürden und ansehnliche Aemter in Diensten des dortigen Bischofs bekleidet hat. Sein Vater Georg Gottfried war bereits im Jahre 1684 Legationssecretär bei der kaiserlichen Gesandtschaft am russischen Hofe und dann noch öfter zu geheimen und wichtigen Sendungen verwendet, und für seine Verdienste mit Diplom vom Jahre 1738 in den Ritterstand erhoben worden; auch besorgte er alle Privatangelegenheiten des Prinzen Eugen, der zu ihm unbegrenztes Vertrauen hatte. Der älteste seiner Söhne, Ignaz, beendete die rechtswissenschaftlichen und politischen Studien, machte dann Reisen in’s Ausland, auf welchen er sich zu den späteren wichtigeren Sendungen vorbereitete, mit denen er betraut wurde. So bediente sich schon der Staatsminister Fürst Sinzendorf seiner zu wichtigen Expeditionen in äußeren Angelegenheiten. Als Prinz Eugen Gouverneur in den Niederlanden wurde, ward ihm Ignaz Koch als geheimer Secretär beigegeben. An der Seite Eugen’s verblieb er durch volle 16 Jahre, und bewährte sich in dieser denkwürdigen Epoche, in welcher Eugen’s Ruhm immer heller strahlte, durch seine Umsicht, Klugheit und Geschäftstüchtigkeit so sehr, daß ihn Kaiser Karl VI. zum Hofkriegsrath und in der damaligen Kriegsepoche zum Director der Feldkriegskanzlei ernannte. Auch auf diesem Posten bewahrte sich Koch durch seine Treue und Verläßlichkeit so, daß, als der zeitherige geheime Cabinetssecretär Maria Theresia’s starb, diese Koch auf diesen so wichtigen Posten berief, ihn unter Einem zum Hofrathe ernennend. Ferner versah er die damals sehr einträgliche Stelle eines Secretärs des goldenen Vließ-Ordens. Auch in seiner Stellung als geheimer Cabinetssecretär besaß und rechtfertigte K. das volle Vertrauen der Monarchin, der er über die ihr überreichten Bitt- und Denkschriften Bericht zu erstatten und diese dann mit den kaiserlichen Resolutionen an die betreffenden Behörden zu befördern hatte. Auch war es seines Amtes, der Kaiserin alles, was sie unterzeichnen sollte, vorzulegen und ihre Privatcorrespondenz zu besorgen. Sein Fleiß, sein Scharfblick und seine Geschäftskenntniß erwarben ihm immer mehr die Huld der Kaiserin, die ihn oft selbst über ihre Hausangelegenheiten, und namentlich über die inneren Landesangelegenheiten, um Rath fragte. Graf Podewils, zu jener Zeit der preußische Gesandte am kaiserlichen Hofe, schildert in einer an Friedrich den Großen gerichteten Depesche vom 19. August 1747 den Cabinetssecretär Koch folgendermaßen: „Im Umgange ist er zuvorkommend und seine Manieren sind höflich. Er besitzt Geist und Scharfsinn. Man hält ihn für einen ehrlichen, rechtlichen und wohlthätigen Mann, von einer unverbrüchlichen Verschwiegenheitstreue, und er hat sich in einem Posten Liebe erworben, der sonst immer Haß seinem Inhaber verschafft. Er ist außerordentlich devot und bringt ganze Stunden in frommen Uebungen zu“. Betreffs seiner Ernennung zum Cabinetssecretär der Kaiserin berichtet Podewils: „Die Feinde Bartenstein’s trugen viel dazu bei, ihm diesen Posten zu verschaffen, in der Hoffnung, daß sein Credit den des Staatssecretärs vermindern werde, was jedoch, wenigstens was die auswärtigen Angelegenheiten betrifft, nicht geglückt ist“. In seiner Schilderung bemerkt Podewils weiter: „Koch hat viel Einfluß bei der Kaiserin, den er mit einer großen Bescheidenheit verdeckt. Alle, welche eine Gnadenbezeugung oder eine Stelle suchen, ermangeln nicht, sich an [183] ihn zu wenden. Mehrere beklagen sich über ihn, die meisten aber sind mit ihm zufrieden. Man hat mir versichert, daß er Euerer Majestät eben so wenig wohlgeneigt sei, als der Staatssecretär“. Die Kaiserin erhob Koch für seine treuen Dienste, wie für die um ihr Haus und schon in seiner früheren Stellung als Hofkriegsrath erworbenen Verdienste, im Jahre 1748 in den erbländischen Freiherrnstand. Aus seiner Ehe mit Maria Anna Schrefl von Mannsperg (gest. 1775) hatte er zwei Söhne, Gottfried und Johann Baptist, welche beide unvermält blieben. Gottfried Freiherr von Koch war k. k. Hofrath und lebte 1780 als Privatmann im Kloster Rain in Steiermark; der zweite, Johann Baptist, welcher in der kais. Armee gedient, starb als General-Major und Maria Theresien-Ordensritter [siehe die besondere Lebensskizze].

Arneth (Alfred Ritter von), Maria Theresia’s erste Regierungsjahre (Wien 1863, Wilhelm Braumüller, gr. 8°.) Bd. I (1740–1745), S. 329–331, 335, 336, 338. – Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels vom Herren- und Ritter-Stande (Wien 1804, Wappler, 4°.) Bd. V, S. 174. – Schmutz (Carl), Historisch-topographisches Lexikon von Steiermark (Gratz 1822, Andr. Kienreich, 8°.) Theil II, S. 241 [daselbst heißt es: Ignaz Koch sei 1784 in den Freiherrnstand erhoben worden; das ist wohl ein durch Versetzung der Ziffern 8 und 4 entstandener Druckfehler, denn die Erhebung in den Freiherrnstand erfolgte 1748]. – Schlosser (F. C.), Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis zum Sturze des französischen Kaiserreichs (Heidelberg 1840, J. C. B. Mohr, 8°.) Dritte Aufl. Bd. II, S. 232 u. f. – Kneschke (Ernst Heinrich Dr.), Neues allgemeines deutsches Adels-Lexikon (Leipzig 1839, Friedrich Voigt). Bd. V, S. 174. – [[BLKÖ:Nagy, Iván|Nagy (Iván)], Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die ungarischen Familien mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Moriz Ráth, gr. 8°.) Bd. VI, S. 286 und 533. – Freiherrn-Diplom vom 17. Juli und 20. September 1748. – Wappen. Gevierteter Schild mit unten aufsteigender Spitze und mit Herzschild. Herzschild: Quergetheilt, oben in Roth ein sechseckiger goldener Stern, unten in Schwarz drei (zwei über einer) goldene Kugeln. Schild. 1 und 4: in Roth ein schwebendes silbernes ausgerundetes Kreuz; 2 und 3: in Blau auf grünem Hügel ein einwärtsgekehrter silberner Papagei. In der unten aufsteigenden goldenen Spitze schwebt ein aufwärtsgekehrter, mit Ring und Zwerchholz versehener schwarzer Anker. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich drei gekrönte Turnierhelme erheben. Die Krone des rechten einwärtsgekehrten Helms trägt das silberne Kreuz von 1 und 4. Auf dem mittleren in’s Visir gestellten sieht man zwischen zwei mit ihren Sachsen nach innen gekehrten schwarzen Adlerflügen den sechseckigen goldenen Stern. Auf der Krone des linken einwärtsgekehrten Helms, steht auf grünem Boden der silberne Papagei von 2 u. 3. Die Helmdecken sind rechts roth mit Gold, links blau, in der Mitte schwarz, beiderseits mit Silber unterlegt. Diese Wappenbeschreibung, dem Originale entnommen, ist die richtige; alle anderen und auch die von Kneschke mitgetheilte sind unrichtig.