BLKÖ:Kohl Edler von Kohlenegg, Lorenz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kohl, Clemens
Band: 12 (1864), ab Seite: 289. (Quelle)
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Kohl Edler von Kohlenegg, Lorenz (k. k. Oberstlieutenant, geb. zu Wien im Jahre 1783, gest. ebenda [290] 22. Jänner 1851). Der Sohn des kais. Hof-Zeichnenmeisters (wahrscheinlich des k. k. Hofkupferstechers Clemens K. [s. d. S. 288]), zeigte er früh ein Talent für die Kunst, so daß ihn sein Vater die Akademie der bildenden Künste in Wien besuchen ließ, wo er bald einen Preis erlangte. Aber seine Neigung für den Soldatenstand war immer so vorwiegend, daß er die erste Gelegenheit benützte, den Waffenrock anzuziehen. Diese fand sich, als im Jahre 1797 das erste Wiener Freiwilligen-Aufgebot gebildet wurde, in welches Kohl, damals erst 14 Jahre, sofort eintrat. Mit der silbernen Aufgebots-Medaille ausgezeichnet, kehrte er wieder, nachdem das Corps auseinander gegangen war, zu der friedlichen Beschäftigung der Kunst zurück, besuchte wie vorher die Akademie, bis er, an diesem alltäglichen Treiben wenig Freude empfindend, seiner alten Neigung, Soldat zu werden, nachgab und als Gemeiner ex propriis am 29. Juli 1799 in das Infanterie-Regiment Minutillo Nr. 57 eintrat. Am 1. Juni 1800 wurde er Fähnrich im Regimente, kam am 1. September 1805 als Lieutenant zum Pionniercorps, in welchem er am 1. December d. J. zum Oberlieutenant befördert wurde. Am 1. Mai 1806 in gleicher Eigenschaft zum Infanterie-Regimente Nassau Nr. 29 übersetzt, kam er mit 18. Februar 1809 als solcher zum General-Quartiermeisterstabe[WS 1], wurde am 30. Mai d. J. Capitän im Infanterie-Regimente Alexander Nr. 2, in gleicher Eigenschaft mit 1. April 1812 zum Infanterie-Regimente Deutschmeister Nr. 4 übersetzt und am 1. September 1813 zum wirklichen Hauptmann im Infanterie-Regimente Don Pedro Nr. 15 befördert. Im Jahre 1827 war er der älteste Hauptmann im Regimente. seine gehoffte Beförderung zum Major scheiterte an einem Fußübel, das ihn unfähig machte, zu Pferde zu dienen; demzufolge trat K. im Jahre 1829 in den Ruhestand über, bei welcher Gelegenheit ihm der Majors-Charakter und auch im nämlichen Jahre, seiner 30jährigen ausgezeichneten Dienstzeit wegen, der Adel mit dem Prädicate von Kohlenegg verliehen wurde. Zwanzig Jahre später erfolgte seine Ernennung zum Oberstlieutenant und die Verleihung einer Zulage von jährlichen 200 fl. In dieser dienstlichen Laufbahn ist K. nach zwei Gesichtspuncten zu beurtheilen, in seiner Eigenschaft als Soldat und in jener als Künstler. Als Soldat zählte er – obgleich er es innerhalb einer 50jährigen Dienstleistung nicht weiter als zum Oberstlieutenant gebracht hat – zu den Zierden der kaiserlichen Armee. Schon im Jahre 1800 that er sich mit den Freiwilligen bei dem Sturme von Savona, später bei der Erstürmung des verschanzten Berges i due fratelli und Genua’s hervor, focht dann in den Schlachten von Marengo, im Gefechte bei Bozuolo am Mincio (25. December 1800), in welchem er am linken Fuße schwer verwundet wurde. Von 1800 bis zum Ausbruche des Feldzuges 1809 war er immer in außerordentlicher Verwendung, von welcher weiter unten Näheres folgt. Im letztgenannten Jahre trat er aber wieder in die Reihen der Vaterlandskämpfer und hat durch seine Tapferkeit, Geistesgegenwart vor dem Feinde und besondere Verwendung in den gefährlichsten Expeditionen sich so ausgezeichnet, daß er außer seinem Range zum Hauptmann befördert wurde. In der Relation über die Schlacht von Aspern steht sein Name unter den Helden des Tages. Während des Feldzuges im Jahre 1814 verrichtete K. bei dem damaligen Hauptreserve-Corpscommando zu Basel Adjutantendienste; [291] darauf dem General-Quartiermeisterstabe der Südarmee zugetheilt, betheiligte er sich in gleich ausgezeichneter Weise an allen feindlichen Vorfallenheiten im südlichen Frankreich. Im Jahre 1815 kam er nach Novara als selbstständiger Platzcommandant, wurde bald darauf erster Conventions-Commissär und Platzcommandant in Turin, welche Stadt er, mit dem St. Mauritius- und Lazarus-Orden in Brillanten geschmückt, verließ, den ihm der König Victor Emanuel für seinen mit so viel Umsicht wie Sachkenntniß verrichteten Dienst verliehen hatte. Im Jahre 1816 trat er wieder in außerordentliche Dienstleistung als provisorischer Unterdirector des lithographischen Institutes, mit dessen Errichtung bei dem in’s Leben gerufenen Kataster eben er beauftragt worden war. Im Jahre 1843 wurde Kohl nach dem 1841 erfolgten Tode des Directors Major von Scherer auf seinem Posten wieder bestätigt und bewies im Jahre 1848 seine alte soldatische Energie, indem nur dieser in den Octobertagen die Rettung des kostbaren Archivs, der Originalmappen, des Pantographen und der Handcassen zu verdanken ist. Auf künstlerischem Gebiete wie auch im Fache der Mappirung und Chartographie sind auch Kohl’s Verdienste nicht unwesentlich. Schon im Jahre 1801 wurde K. seiner besonderen Geschicklichkeit wegen zur Militärmappirung im Tiroler Hochgebirge zugetheilt. In der Folge in das Pionniercorps übersetzt, arbeitete er während der Campagne des Jahres 1805 im Hauptquartiere Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Johann bei dem General-Quartiermeisterstabe desselben, und war in den Jahren 1806–1808 bei der militärisch-topographischen Länderbeschreibung in Böhmen in Verwendung. Im Jahre 1811 wurde er zur Zeichnung von Plänen und Situationskarten an den Hof Sr. königlichen Hoheit des Herzogs Albrecht von Sachsen-Teschen commandirt und hatte, wie das Hirtenfeld’sche „Militär-Konversations-Lexikon“ berichtet, die Memoiren des Herzogs über die Feldzüge von 1792 und 1793 in den Niederlanden, welche in Handschrift in der Bibliothek Sr. kais. Hoheit des Herrn Erzherzogs Albrecht sich befinden, in französischer Sprache ausgearbeitet. Im J. 1816 begab er sich aus eigenem Antriebe nach München, um dort bei Senefelder sich mit den Grundsätzen der Lithographie bekannt zu machen und diese wichtige Erfindung bei Staatsarbeiten in Oesterreich in Anwendung zu bringen. Schon im folgenden Jahre legte er dem Hofkriegsrathe Proben seiner Studien vor. Die Wichtigkeit des neuen Verfahrens ward alsbald erkannt und die Bildung eines stabilen Katasters beschlossen, bei welchem die nöthig werdende Vervielfältigung der Originalsectionen (gemeindeweise), gleichwie die zahlreichen Katastral-Tabellen mittelst Steindruck erzeugt werden sollten. Da war es K., welcher dieses Institut ins Leben rief, im Jahre 1818 das nöthige technische Etablissement, die Ablichtung mehrerer Graveurs, Drucker und Schleifer bewerkstelligte. und auch für mehrere Anstalten in den Kronländern taugliche Leute in der neuen Kunst unterrichtete und ausbildete. Um überdieß das neue Verfahren ein Gemeingut der Sachverständigen werden zu lassen, schrieb er eine „Praktische Anleitung der Lithographie“ (Wien 1820, Schaumburg, mit 1 Tafel, 8°.), welche weite Verbreitung fand. In der Periode seines Ruhestandes unternahm er, um seinem Kunstsinne Befriedigung zu gewahren, Reisen nach Italien und Deutschland und [292] besuchte die Gallerien von Venedig, Mailand, Florenz, Bologna, Rom, Neapel und Palermo, wie jene von München, Berlin, Dresden und Hamburg. Dabei machte er sorgfältige Forschungen über die Oelmalerei. die er auch selbst ausübte. So hat er mehrere Altarbilder und für die Kirche der Wiener-Neustädter Akademie den Kreuzweg in 14 Bildern gemalt. K. starb im Alter von 68 Jahren. Den Künstler-Lexiken von Müller und Klunzinger, Tschischka u. A. ist sein Name, der doch einen Platz darin verdient, unbekannt geblieben. Nagler gedenkt seiner im VII. Bande, S. 128, als eines österreichischen Officiers, der ein lithographisches Institut in Wien leitete, in ein paar Zeilen. – Von Kohl’s Söhnen widmete sich einer der darstellenden Kunst, nachdem er früher Officier in der k. k. Armee gewesen. Als Schauspieler nahm er – zu Ehren seiner Mutter Henriette – den Pseudonym Henrion an und spielte einige Zeit in Prag. Auch hat er sich auf dramatischem Gebiete versucht und ein paar kleine Stücke geschrieben, welche aufgeführt wurden und gefielen.

Adelstands-Diplom vom 2. December 1829. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon, Herausg. von J. Hirtenfeld (Wien 1850, gr. 8°.) Bd. III, S. 566. – Erneuerte vaterländische Blätter für das Kaiserthum Oesterreich (Wien, Strauß, 4°.) Jahrg. 1818, Intelligenzblatt Nr. 72. – Oesterreichischer Soldatenfreund, Herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1851, Beilage zu Nr. 20. – Wappen. Blauer Schild mit goldenem Schildeshaupt. In letzterem ein einfacher schwarzer Adler mit offenem Schnabel, rothausgeschlagener Zunge, ausgebreiteten Flügeln und von sich gestreckten Waffen. Im blauen Felde ein Steinkohlengebirge, auf welchem in natürlicher Farbe eine Burg mit geschlossenem Thore, drei rothgedeckten Festungsthürmen, deren mittlerer dreizinniger die beiden anderen vierzinnigen überragt, sich erhebt. Der Unterbau, wie die drei Thürme, sind mit Schießscharten versehen; die Burg rechts und links von einer silbernen Lilie begleitet. Auf dem Schilde ruht ein rechtsgekehrter gekrönter Turnierhelm, aus dessen Krone zwischen zweien, Gold und blau mit gewechselten Tincturen quergetheilten Büffelhörnern, der schwarze im Schildeshaupte beschriebene Adler steht. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten blau mit Gold belegt. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: General-Quatiermeisterstabe.