BLKÖ:Krolmus, Wenzel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kroll, Karl
Band: 13 (1865), ab Seite: 244. (Quelle)
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Krolmus, Wenzel (Alterthumsforscher, geb. zu Březinka, einem Dorfe im Jungbunzlauer Kreise, um das Jahr 1785, gest. zu Prag 24. October 1861). Es ist vor der Hand nicht möglich, des Pfarrers Krolmus Geburtstag und Jahr mit Bestimmtheit anzugeben; als ersterer werden der 11. und 14. Februar, der 25. und 27. September, als letzteres die Jahre 1785, 1787 und 1789 bezeichnet. Erst der Taufschein kann Gewißheit geben. Sein Vater war ein armer Schullehrer und der Sohn betrat ziemlich spät – 16 Jahre alt, kam er in die Normalschule – die Studienlaufbahn. Das Gymnasium besuchte er an zwei Orten, bei den Piaristen in Weißwasser und dann in Böhmisch-Leipa; die philosophischen Studien – damals drei Jahrgänge – hörte er an der Prager Hochschule und dann im Piaristen-Collegium zu Brüx; die Theologie beendete er aber im bischöflichen Seminar zu Leitmeritz und erhielt am 11. August 1815 – also nachdem er schon im dreißigsten Lebensjahre stand – die Priesterweihe. Zu [245] Anfang des Jahres 1818 wurde er Caplan zu Neulissa, wo er die Agende in’s Böhmische übersetzte und nach derselben die kirchliche Liturgie unter den Akatholiken einzuführen begann. Deßhalb beim Consistorium verklagt, wurde er im folgenden Jahre nach Mscheno übersetzt. Nun überwarf er sich mit dem Leitmeritzer Consistorium und wurde in Folge dessen mit siebentägiger Klosterhaft bestraft. Im Jahre 1823 kam er als Caplan nach Mscheno, wurde aber noch in selbem Jahre Exposit in Křeseyn, wo er durch mehrere Jahre verblieb, bis er im Jahre 1832 die Pfarrei zu Zwikowič erhielt. Als Pfarrer kam er mit seinem Kirchenpatron, dem als Archäologen und landwirthschaftlichen Schriftsteller bekannten Gutsbesitzer Mathias Kalina Ritter von Jäthenstein [Bd. X, S. 391], mit dem er übrigens vorher gemeinschaftlich archäologische Studien betrieben hatte, in Streitigkeiten, welche zuletzt den Ausgang nahmen, daß K. in voller Manneskraft sein Pfarramt niederlegte. Dieß geschah im Jahre 1840, und K. zog sich nun nach Prag in’s Privatleben zurück, dort bis an seinen Tod sich ganz seinen archäologischen Forschungen und literarischen Arbeiten hingebend. Krolmus ist einer der ersten und eifrigsten Sammler čechischer Volkslieder, Volksspiele, Bräuche, Sagen und Märchen. Als praktischer Archäolog besitzt er gleichfalls nicht geringe Verdienste. Besonders bearbeitete er die heidnische Epoche. Im Aufgraben von Heidengräbern kam ihm Niemand gleich. Eine glückliche Combination und ein nicht zu ermüdender Eifer paarten sich bei ihm mit einem seltenen Finderglück. Mehr als fünfzig heidnische Opferplätze und mehrere Tausend von Heidengräbern dürfte K. entdeckt und aufgegraben haben. Wohl unterstützte das böhmische Museum den emsigen Forscher bei seinen Ausgrabungen. Aber die nicht reichen Mittel dieses Instituts gestatteten keine ausgiebige Unterstützung, und so war K. in den meisten Fällen auf sich selbst angewiesen und griff, um die Auflagen kostspieliger Taglöhner zu ersparen, nicht selten selbst zum Spaten. Noch in seinen letzten Jahren, als ihn schon körperliche Leiden heimsuchten und ihm das Arbeiten erschwerten, machte er noch immer seine archäologischen Ausflüge, von denen er in der Zeitschrift Pamatky archaeologické regelmäßig Bericht erstattet, und wenn er nicht mehr selbst graben konnte, so leitete er an den von ihm bezeichneten Stätten die Ausgrabungen. Seit Jahren war K. und vornehmlich auf dem Gebiete der heimischen Alterthumskunde als Schriftsteller thätig. Seine im Drucke erschienenen Schriften, einige Gelegenheitsgedichte, welche der „Lumír“ aufzählt, ausgenommen, sind in chronologischer Folge: „Světlo života. Kniha modlici i t. d.“, d. i. Das Licht des Lebens. Gebetbuch (Prag 1830), auf diesem Buche schreibt er seinen Namen mit G. (Grolmus); – „Obrana pravdy katolické čili směz mezi katolíkem a nekatolíkem“, d. i. Die Vertheidigung des katholischen Glaubens oder Unterschied zwischen dem Katholiken und Nichtkatholiken (ebd. 1843); – „Hrad Hora Hvězda jinak Střemelice v Kouřímsku“, d. i. Die Burg Sternberg, sonst Střemelin im Kaurczymer Kreise (ebd. 1844); – „Památnosti tvrze pustě na Hoře Krásné u Vožice vyobrazené v Taborsku z podoknutou slavností národni Slamnika a Fidlovačky u Prahy“, d. i. Denkwürdigkeiten der öden Veste auf Schönberg (richtiger Schellenberg) bei Vozic. Mit einem Anhange über die Prager Volksfeste Strohsak und Fidlowacka (ebd. 1844); – „Staročeské pověsti, [246] zpěvy, hry, obyčeje, slavnosti a nápěvy s ohledem na bájesloví českoslovanské“, d. i. Altböhmische Sagen, Gesänge, Spiele, Gebräuche, Feste und Melodien, mit Berücksichtigung der čechisch-slavischen Mythologie, Heft 1–15 (Prag, das erste Heft im Jahre 1845); diese culturhistorische Sammelschrift, welche K. unter dem Anagramm seines Namens Sumlork (Krolmus rückwärts gelesen) herausgab, bildet sein Hauptwerk. Es ist lange noch nicht abgeschlossen und befinden sich in seinem Nachlasse massenhafte Materialien zu Fortsetzungen, deren weitere Herausgabe nur durch seinen Tod unterbrochen wurde; – „Kronika všech povodní, suchých a mokrých, ourodných a neourodných let o králoství Českém od příchodu našich předků .... až do letošní povodně“, d. i. Chronik aller Ueberschwemmungen, aller fruchtbaren und unfruchtbaren Jahre, aller Hungersnöthen, Seuchen und anderer Schäden im Königreiche Böhmen (Prag 1845); – „Popis památky stoleté o založení ústava a příchodu slečen Anglických do Prahy s přibíhem řádu Karmelitanského“, d. i. Beschreibung des hundertjährigen Gedächtnißtages der Gründung des Stiftes der englischen Fräulein und deren Ankunft in Prag. Mit einem Anhange über die Karmeliterinen (Prag 1857); – „Příchod slova Páňa od východu na západ z Jerusalema na Levý Hradec nad Vltavou do Čech“, d. i. Die Ankunft des Wortes Gottes von Ost nach West, aus Jerusalem nach Lewy Hradeč an der Moldau in Böhmen (Prag 1853); – „Poslední božistě Černoboha s runami na Skalsku“, d. i. Ueber die unterirdische Opferstatte des Černobog zu Skalsko im Bunzlauer Kreise (Prag 1856); diese Abhandlung war die letzte selbstständig erschienene Schrift des Pfarrers K. Wenn K. dieselbe Sorgfalt bei der Kritik seiner Arbeiten angewendet hätte, welche er bei dem Aufsuchen derselben bekundete, so würde er als Archäolog Böhmens einzig dastehen; seine eigenen Landsleute aber machen ihm Mangel der Kritik, ja noch mehr zum Vorwurfe, indem sie sagen, daß er sogar manches selbst interpolirte. Immerhin sichern ihm aber als nationalen Schriftsteller sein so ergiebiger Sammlerfleiß und seine Volksthümlichkeit, die ihn bei seinen beschwerlichen Nachgrabungen nicht wenig förderte, ein bleibendes Andenken. K. war auch ein großer Freund der Musik und förderte als solcher vornehmlich den nationalen Gesang, wodurch er sich auch eine mehrwöchentliche Haft zuzog. Im Jahre 1848 nämlich versammelte er öfter seine Freunde bei sich, die dann ihre nationalen Lieder ertönen ließen, daß sie weit und breit erschallten. Als er nun einmal mit seinen Freunden seiner Gesangsschwärmerei zu sehr die Zügel schießen ließ, wurde er, da zu jener Zeit über Prag der Belagerungszustand verhängt war, in Haft genommen. Als sich aber bei der Untersuchung weiter gegen ihn nichts vorfand, wurde er nach einigen Wochen Haft freigelassen. Eine dichtgedrängte Menschenmenge folgte seinem Sarge, dem die Abzeichen des priesterlichen Standes fehlten und der dem letzten Willen des Verblichenen zu Folge auf dem Wyssehrader Friedhöfe an der Seite seines Freundes Hanka beigesetzt wurde. Im Juni vorigen Jahres (1864) meldeten die Journale, daß sich zu Březinka und in der Umgegend ein Comité gebildet habe, welches dafür Sorge tragen wollte, daß an dem Geburtshause des verdienten Archäologen eine Gedenktafel angebracht werde.

Lumír, belletristický týdenník, d. i. Lumir, ein belletristisches Wochenblatt. Redigirt [247] von Ferd. B. Mikovec (Prag, gr. 8°.) Jahrgang 1861, Nr. 44, S. 1047: Nekrolog von J. N. Mayr [bemerkt, daß sein Geburtsdatum bald mit dem 27. September 1785, bald mit dem 11. Februar 1787 angegeben wird, gest. 24. October 1861]. – Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský i konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850, Pospišil, 12°.) Theil II, S. 301[nach diesem geb. 14. Februar 1787]. – Čas, d. i. die Zeit (in Prag erscheinendes čechisches Parteiblatt, Fol.) 1861, Nr. 253 u. 255: „Vacslav Krolmus“ [im Feuilleton; nach diesem geboren 14. Februar 1787]. – Národní listy, d. i. National-Zeitung (in Prag erscheinendes čechisches Parteiblatt, Fol.) 1861, Nr. 294, 298, 301 u. 305 [im Feuilleton; nach dieser geb. 25. September 1789]. – Památky archaeologické a místopisné, d. i. Archäologische und topographische Denkwürdigkeiten. Redigirt von Karl Wladisl. Zap (Prag, 4°.) Bd. I (1855), S. 90: „Kněze Krolmusa archaeologické pátrání a výtěžky v letě 1853“, d. i. Des Pfarrers Krolmus archäologische Forschungen und Ausflüge im Jahre 1853; Bd. II (1857), S. 230 [seine archäologischen Ausflüge im J. 1856]; Bd. III (1859), S. 42 [seine archäologischen Ausflüge im Jahre 1857]; Bd. IV (1860), S. 45 [dieselben im Jahre 1859]; Bd. IV, Abthlg. 2 (1861), S. 182: „Památka kněze Vácslava Krolmusa“, d. i. Erinnerung an Wenzel Krolmus [nach diesen geb. 14. Februar 1787, gest. 23. October 1861]. – Jungmann (Jos.), Historie literatury česká, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, Říwnáč, 4°.) Zweite, von W. W. Tomek besorgte Ausgabe, S. 389, Nr. 456; S. 438, Nr. 990; S. 443, Nr. 1032 u. 1034; S. 450, Nr. 108; S. 496, Nr. 1866; S. 519, Nr. 2286; S. 588 [nach Jungmann ist K. am 14. Februar 1787 geboren]. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 1018 [nach diesem geb. 14. Februar 1787, gest. 24. October 1861]. – Slavische Jahrbücher, herausgegeben von Jordan (Leipzig, Lex. 8°.) Jahrg. 1845, S. 352. – Prager Zeitung 1861, Nr. 254 [nach dieser geb. 25. September 1789]. – Wiener Zeitung (amtliches Blatt, gr. 4°.) Jahrg. 1861, Nr. 251, S. 3903: „Pfarrer Krolmus“, von Ferdinand Mikowec [nach dieser Mittheilung wäre K. am 27. September 1785 geboren und am 25. October 1861 gestorben]; – dieselbe, Nr. 254, S. 3953 [weitere Mittheilungen über Krolmus. Daselbst heißt es: „Die Angaben über den Todestag des Pfarrers Ad. Krolmus stimmen nicht und müssen erst aus dessen Papieren rectificirt werden. Eine Quelle nennt als dessen Geburtstag den 27. September 1785, die andere den 11. Februar 1787 und beide standen mit Krolmus selbst im Rapport“. Das Wort Todestag oben ist unrichtig und soll statt dessen Geburtstag stehen]; – dieselbe 1864, Nr. 150. – Bohemia (Prager polit. belletrist. Localblatt, 4°.) 1861, Beilage zu Nr. 253, S. 2393 [nach dieser geb. 25. September 1789]; – dieselbe, Beilage zu Nr. 255, S. 2422: „Leichenbegängniß des Pfarrers Krolmus“. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) 1861, Nr. 957 (2. November), in der „Todtenschau“ [daselbst wird der 24. October 1861 als sein Todestag angegeben].