BLKÖ:Löwenstein-Wertheim, das Fürstenhaus, Genealogie

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 15 (1866), ab Seite: 442. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Löwenstein-Wertheim in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118728857, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Löwenstein-Wertheim, das Fürstenhaus, Genealogie|15|442|}}

I. Zur Genealogie des Fürstenhauses Löwenstein. Der Ursprung der heutigen Grafen und Fürsten von Löwenstein, später Löwenstein-Wertheim, fällt in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Ein früheres Dynastengeschlecht dieses [443] Namens war um diese Zeit mit einem Grafen Ludwig erloschen, der seine Grafschaft an den Churfürsten Philipp von der Pfalz verkauft hatte. Die heutigen Fürsten Löwenstein stammen von Friedrich dem Sieghaften von der Pfalz, einem Sohne des Churfürsten Ludwig III. des Bärtigen ab. Friedrich der Sieghafte übernahm nach dem Tode seines Bruders Ludwig IV. des Sanftmüthigen die Vormundschaft über dessen noch minderjährigen Sohn Philipp den Aufrichtigen und zu gleicher Zeit die Verwaltung der Churwürde. Damit er nun nicht, wenn sein Mündel Philipp nach den Jahren fähig würde, die Regierung und die Chur selbst zu verwalten, beides abzugeben genöthigt werde, faßte er den Entschluß, sein Mündel Philipp feierlich als seinen eigenen Sohn anzunehmen, was auch im Jahre 1452 erfolgte, und that zugleich das Gelöbniß, fortan ledigen Standes zu verbleiben. Jedoch sollte ihm die Churwürde so lange er lebte nicht genommen werden. Später reute es Friedrich den Sieghaften dieses Gelöbnisses und in Folge des geschlossenen Vertrages konnte er sich mit einer ebenbürtigen Dame nicht verheirathen. Endlich fand er, um die Bedingung der Ehelosigkeit zu umgehen, den Ausweg darin, daß er im Jahre 1462 ein Fräulein von niederem Adel, Clara von Tettingen (nach Anderen Dettringen, auch Tetten), im Beisein der Bischöfe von Worms und Speyer und vieler Edelleute zur Frau nahm. Aus dieser Ehe entsprangen zwei Söhne, Friedrich von Scharfeneck und Ludwig von Scharfeneck. Friedrich wurde Domherr zu Worms und Mainz und starb im Jahre 1474. Ludwig erhielt von seinem Vater Friedrich nebst anderen Gütern die Herrschaften Scharfeneck, Meckmühl, Utzberg, Neustadt am Kocher, Weinsberg und Umstadt. Als aber Friedrich der Sieghafte im Jahre 1476 starb, zog sein Nachfolger in der Churwürde, sein ehemaliges Mündel, Churfürst Philipp der Aufrichtige, alle obgenannten Güter, mit Ausnahme von Scharfeneck, nach welchem Friedrich’s und Clara’s von Tettingen Kinder bis dahin den Namen geführt, ein und gab Ludwig dafür die Grafschaft Löwenstein, von der er und seine Nachkommen den Namen erhielten. Ludwig’s von Löwenstein Urenkel, die beiden Brüder Christoph Ludwig und Johann Theodorich, bildeten die zwei Hauptlinien des Hauses Löwenstein, ersterer die Birneburg’sche oder Lutherische, letzterer die Rochefort’sche oder Katholische Linie. Schon Johann Theodorich’s Vater Ludwig (gest. 1611) hatte nach seiner Heirath Anna’s geb. Gräfin Stolberg und Erbin der Grafschaft Wertheim, diesen Namen mit seinem Namen Löwenstein verbunden. Ueber eine von dem Fürsten Maximilian Karl getroffene Bestimmung, welcher die Rochefort’sche Linie in zwei: in die Wertheim’sche und Rochefort’sche Nebenlinie theilte; vergleiche das Nähere bei Maximilian Karl [II. Denkwürdige Sproßen des Fürstengeschlechtes Löwenstein, S. 446, Nr. 11], und über das von dem Fürsten Karl Thomas errichtete böhmische Fideicommiß, das Nähere ebenda unter Fürst Karl Thomas [S. 445, Nr. 8]. Was die Standeserhöhungen der Löwenstein betrifft, so erhielt den Reichsgrafenstand Ludwig von Scharfeneck, nachmals Löwenstein, von Kaiser Maximilian I. mit Diplom vom 27. Februar 1494[WS 1]; den Reichsfürstenstand aber der Graf Maximilian Karl, ein Enkel des berühmten Johann Theodorich mit kais. Diplom vom 3. April 1711, der auch mit kais. Rescripte ddo. Wien 6. Mai 1712 den Sitz auf der Fürstenbank der Stände des Königreichs Böhmen erhielt. Mehrere Sproßen dieses Hauses stehen zum Kaiserstaate, in welchem sie in höheren Kriegs- und Staatsdiensten gestanden, in näherer Beziehung. Derselben wird weiter unten in Kürze gedacht. [Quellen. Genealogia illustrium dominorum comitum in Loewenstein-Wertheim, etc. (Francof. 1624, 4°., mit mehreren Bildnissen). – Kremer (Christ. Jak.), Abhandlung von den Grafen von Löwenstein, älteren und mittleren Geschlechtes (München 1765, 4°.). – Klueber (Johann Ludwig), Eheliche Abstammung des Fürstenhauses Löwenstein-Wertheim von dem Churfürsten Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz und dessen Nachfolgerecht in den Stammländern des Hauses Wittelsbach, herausgegeben von K. Muelhens (Frankf. 1837, 8°.). – Allgemeines historisches Lexikon (Leipzig 1730, Thom. Fritschen’s Erben, Fol.) Bd. III, S. 221; I. Fortsetzung, S. 815. – Großes vollständiges (sogenanntes Zedler’sches, Universal-Lexikon (Halle und Leipzig, Johann Heinrich Zedler, kl. Fol.) Bd. XVIII, Sp. 241. – Hopf (Karl Dr.), Historisch-genealogischer Atlas. Seit Christi Geburt bis auf unsere Zeit [444] (Gotha 1858, Friedrich Andr. Perthes, kl. Fol.) Abtheilung I: Deutschland, S. 10 u. 11, Tafel 20 c, und S. 21. Tafel 47. – Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Privatmünzen und Medaillen. Herausg. von dem Vereine für Numismatik zu Prag (Prag 1853 u. f., 4°.) I. Abtheilung: Personenmünzen, S. 277 u. f.; Tafel XXVII, Nr. 231, und Tafel XXVII, Nr. 232. – Kneschke (Ernst Heinr.), Neues allgemeines deutsches Adels-Lexikon (Leipzig, Voigt, 8°.) Bd. V, S. 625 (mit Angabe zahlreicher genealogischer Quellen). – Almanac de Gotha (Gotha, Justus Perthes, 32°.) XXCIVme Année (1847), p. 151. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch nebst diplomatisch-statistischem Jahrbuche (Gotha, Just. Perthes, 32°.) Jahrg. XXCV (1848), S. 159; Jahrg. XCII (1855), S. 121; Jahrg. CIII (1866), S. 185.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1794.