BLKÖ:Lützow, Rudolph Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Lugnani, Joseph de
Band: 16 (1867), ab Seite: 148. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Rudolf von Lützow in der Wikipedia
GND-Eintrag: 117313629, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Lützow, Rudolph Graf|16|148|}}

Lützow, Rudolph Graf (Staatsmann, geb. zu Salzburg 4. Juli 1780, gest. 28. October 1858). Ein Sohn des k. k. General-Majors Johann Gottfried Grafen von Lützow und Antonia’s gebornen Gräfin Czernin von Chudenitz. Rudolph, der in seiner Jugend Lust zum Soldatenstande zeigte, wurde von seinem Großoheim Hieronymus Grafen Colloredo, Erzbischof von Salzburg, der sich der Kinder des Generals mit besonderer Vorliebe annahm, 1790 in die Militär-Akademie nach Wiener-Neustadt geschickt, um dort für den Soldatenstand ausgebildet zu werden. Aber diese Vorliebe für den Kriegerstand währte nicht lange, und schon nach wenigen Jahren nahm ihn der Großoheim aus der Akademie heraus. Nun sollte Rudolph Geistlicher werden, wie wenig auch sein froher heiterer Sinn mit dem Ernste des Theologen vereinbar erschien. Schon war ihm eine reiche Präbende in Aussicht gestellt, aber die Revolutionskriege, welche den Salzburger Kirchenfürsten seinem schönen Lande entführten, gaben auch den jungen Abbé der Welt wieder zurück. Graf Rudolph kam nach Wien zu seinem Oheim, dem Grafen Czernin, welcher sich des Neffen, der nun in Wien seine Studien fortsetzte, liebevoll annahm. Auf den Rath des Grafen von Rothenhann, eines nahen Verwandten der Familie, betrat Graf Rudolph die diplomatische Laufbahn und nun war die entsprechende Richtung gefunden, auf welcher alles schnell und rüstig vorwärts ging, was vorher in schleppender Unschlüssigkeit gestockt hatte. Im Jahre 1804 wurde Graf L. Attaché der kaiserlichen Principal-Commission am Reichstage zu Regensburg unter dem damaligen k. k. Commissär Clemens Wenzel Freiherrn von Hügel [Bd. IX, S. 400, in den Quellen]. Von dort kam er im Jahre 1806 als Legationssecretär nach München, wo Friedrich Graf Stadion den Gesandtschaftsposten bekleidete. Im Jahre 1808 wurde der Graf L. nach Stuttgart zur interimistischen Besorgung des Legations-Secretariats versetzt und während des Feldzuges 1809 führte ihn sein Beruf in die Nähe Sr. Majestät des Kaisers Franz I. Mit Allerh. Handbillet vom 9. October 1812 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen [149] Gesandten und bevollmächtigten Minister am Hofe zu Kopenhagen. Diese selbstständige diplomatische Stellung bekleidete der Graf in der wichtigen Epoche 1812–1814. Im letztgenannten Jahre wurde er in gleicher Eigenschaft nach Stuttgart versetzt, im Jahre 1818 zum kais. Internuntius in Constantinopel ernannt, 1821 mit der geheimen Rathswürde ausgezeichnet. Im J. 1823 ging Graf L. als Gesandter nach Turin und von dort Ende Mai 1827 als Botschafter nach Rom, welcher Posten ihm bereits im December 1825 war verliehen worden. Bis zum Jahre 1848 – durch 21 Jahre – hatte Graf L. den römischen Botschafter-Posten bekleidet. In Constantinopel befand er sich während der Schrecknisse des griechischen Aufstandes, umringt von Gefahren und den furchtbarsten Scenen. Man rühmt ihm nach, daß sein Muth und seine Menschenliebe damals manchen schönen Sieg erkämpft habe und es seinen energischen Bemühungen gelungen sei, viele Unglückliche zu retten. Als Botschafter in Rom vertrat er unter vier Päpsten, Leo XII, Pius VIII, Gregor XVI. und Pius IX. und bei drei Conclaven seinen Monarchen. Vorzügliche Anerkennung wurde seinem Verhalten gezollt bei dem Conclave, aus welchem Pius VIII. als Papst hervorging. Bei seiner umfassenden, schon von den wechselnden Systemen seiner Erziehung zuerst als Soldat, dann als Theolog und zuletzt als Diplomat bedingten vielseitigen Bildung brachte er zu seiner Stellung als Staatsmann Liebe für Kunst und Wissenschaft mit, welche ihm nicht nur die Stunden seiner Muße verschönte, sondern ihm auch sonst auf seinem einflußreichen Posten trefflich zu Statten kam. So trat er gern und leicht in Verkehr mit allen denen, die diesem Cultus sich widmeten. Alle geistigen Größen, die seinen Kreis berührten, zog er unmittelbar zu sich heran; so z. B. in Regensburg die Botaniker Duval und Hoppe; in Kopenhagen die berühmte Schriftstellerin Friderike Brun, in Stuttgart den Bildhauer Dannecker. Ueber sein Wirken nach dieser Seite hin während seines vieljährigen Aufenthaltes in Rom, wie er ausgezeichnete Leistungen zu würdigen, angehende Talente zu fördern und zu unterstützen wußte, darüber mögen noch lebende Künstler Zeugniß geben, die dieß an sich selbst zu erproben Gelegenheit gehabt haben. Die Huld seines Monarchen hatte ihn mit den Großkreuzen des St. Stephan- und Leopold-Ordens geschmückt, Papst Gregor XVI. ihn mit dem Großkreuz des St. Gregor-Ordens in Brillanten ausgezeichnet. Auch haben ihm Dänemark, Bayern, Toscana, Parma u. A. ihre Decorationen verliehen. Ueberdieß war er Ehrenbailli und Großkreuz des Johanniter-Ordens und die k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien hatte ihn schon im Jahre 1836 zum Ehrenmitgliede ernannt. In Folge der Ereignisse des Jahres 1848 war der Graf nach Oesterreich zurückgekehrt und damals, 68 Jahre alt. in den Ruhestand getreten. Einer seiner Biographen bemerkt im Hinblick auf sein staatsmännisches Wirken „dasselbe liefere einen sprechenden Beweis, daß wahre Politik den Anforderungen strenger Rechtlichkeit nicht widerspreche, im Gegentheile dieser ihre schönsten Erfolge verdanke“; und sein Nekrolog in der Salzburger Zeitung schließt mit den Worten: „Ehren und Auszeichnungen hat er gesammelt, aber keine Reichthümer. Indeß hinterließ er Kleinode, die keinem Wechsel der Geltung [150] unterliegen, sein Wirken war sein Gold und sein Andenken ist eine Perle, die ihren Glanz nicht verlieren kann“. Der Graf war seit 1824 mit Maria Ignatia, geb. Freiin von St. Just de Teulada, verwitweten Marquise von St. Laurent, Sternkreuz-Ordens- und Palastdame und Obersthofmeisterin bei Ihrer kais. Hoheit der Frau Erzherzogin Charlotte, Gemalin des Erzherzogs Ferdinand Max (jetzt Maximilian, Kaiser von Mexico) vermält, und stammen aus dieser Ehe eine Tochter Gräfin Henriette und zwei Söhne, die Grafen Karl und Victor. [Siehe den Familienstand des Grafenhauses S. 145 u. 146, in den Quellen.]

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 511; Bd. VI, Suppl. S. 542 [nach dieser geb. 4. Juni 1781]. – Salzburger Zeitung 1859, Nr. 27 u. 28, im Feuilleton (nach dieser geb. 4. Juli 1780]. – Springer (Ant.), Geschichte Oesterreichs seit dem Wiener Frieden 1809 (Leipzig 1861, S. Hirzel, gr. 8°.) Theil I, S. 371; Theil II, S. 142.