BLKÖ:Leslie, die Grafen

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 13. (Quelle)
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Walter Leslie (1607–1667) in der Wikipedia
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Leslie, die Grafen (Adelsgeschlecht). Ein altes schottisches Geschlecht, das von einem aus Ungarn nach Schottland eingewanderten Edelmanne gegründet worden sein soll. Es führt seinen Ursprung bis in das 11. Jahrhundert zurück. Ein Sproß dieses Geschlechtes, Walther Graf Leslie, hatte aus religiösen Gründen – er war Katholik – in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sein Vaterland Schottland verlassen und war nach Steiermark gekommen, wo er ansehnliche Güter erkaufte und seinen bleibenden Aufenthalt nahm. Die genaue Abstammung dieses Walther, der in den Genealogien einfach für einen Sohn Johann’s Baron von Balquhane bezeichnet wird, ist nicht zu ermitteln, denn das Geschlecht der Leslie in Schottland war schon zu jener Zeit in viele Linien getheilt. Walther nahm unter Kaiser Ferdinand II. Kriegsdienste, wurde im Jahre 1634 Oberstwachtmeister und spielte in Wallenstein’s Ermordung eine thätige Rolle. Er erhielt in Anerkennung der geleisteten Dienste ein Regiment und noch andere Gnadenbezeigungen. Der Kaiser Ferdinand III. verlieh L. die Grafenwürde, erhob ihn darauf zum Feldmarschall, geheimen Rath und Gouverneur über die slavonischen und petrinischen Grenzen. Graf Walther hatte auch mehrere Gesandtschaften vertreten, u. a. nach Rom und im Jahre 1665 nach Constantinopel, von welch letzterer sein Prediger Tafferner im Jahre 1667 eine Beschreibung in lateinischer Sprache herausgegeben hat. L. erhielt anläßlich dieser letzteren Gesandtschaft den Orden des goldenen Vließes. Graf Walther war mit Anna Franziska Fürstin von Dietrichstein vermält, hatte jedoch aus dieser Ehe keine Nachkommen. In seinem in der böhmischen Landtafel eingetragenen Testamente setzte er zunächst seine Bruderssöhne Jacob, Patrik und Alexander mit deren männlichen Nachkommen, für den Fall ihres Abganges aber den Mannsstamm des Fürsten Maximilian von Dietrichstein zum Nachfolger im Fideicommiß ein. In [14] der That trat Walther’s Neffe Jacob das Erbe an. Graf Jacob hatte sich auch von den unteren Rangesstufen bis zum kaiserlichen Feldmarschall emporgeschwungen und war zuletzt Kriegspräsident von Inner-Oesterreich. Wie nun das Zedler’sche „Universal-Lexikon“ (XVI, 478) und das „Allgemeine historische Lexikon“ (Leipzig, Thom. Fritschens Erben, gr. Fol.) Bd. III, S. 156 (recte 158) melden, besaß dieser Jacob Graf Leslie aus seiner Ehe mit Maria Theresia Fürstin Liechtenstein gleichfalls keine Kinder. Nach den genannten zwei Werken stammen die Nachkommen des Grafenhauses Leslie von einem Jacob Ernst Grafen L., der im Jahre 1722 kaiserlicher geheimer Rath und auch mit einer Fürstin Liechtenstein, mit Maria Josepha, Tochter des Maximilian Jacob Fürsten Liechtenstein, verwitweten Gräfin Hohenembs, vermält war, aus welcher Ehe die beiden Söhne Joseph und Karl stammen. Der Laibacher Bischof Wilhelm war aber ein Bruder des Grafen Jacob Ernst. (Anders stellt Kneschke dieß dar. Nach ihm war Graf Jacob nicht kinderlos, sondern aus seiner Ehe mit Maria Theresia Fürstin von Liechtenstein stammen zwei Söhne, Wilhelm und Johann Ernst.) Wilhelm war im Jahre 1716 Bischof von Waitzen, im Jahre 1718 Bischof von Laibach und starb als solcher im Jahre 1727 im Alter von 70 Jahren. Graf Johann Ernst aber war inner-österreichischer Hofkammer-Präsident, seit 1722 k. k. geheimer Rath, und dessen Söhne Joseph und Karl pflanzten das Geschlecht fort. Mit Anton Grafen Leslie, der am 22. Februar 1802 starb, erlosch dieses Geschlecht im Mannsstamme. Die Besitzungen desselben bestanden damals aus Ober-Pettau, Bäreneck an der Mur, Rohitsch, Straß, Ehrenhausen, Platzerhof, Burgsthal, Gälter, Verschnick in der Breitenau und einem Hause sammt Garten in Gratz. Als mit dem Grafen Anton L. die männliche Descendenz der obgenannten drei Brüder Jacob, Patrik und Alexander von Leslie erloschen war, befand sich von dem Maximilian Fürst Dietrichstein’schen Mannsstamme nur noch der Graf Moriz Dietrichstein (gest. 1864) am Leben, der aber seines hohen Alters wegen das Fideicommiß nicht ansprach. Dagegen sind in den steiermärkischen Grafen Lamberg und Attems Nachkommen von Schwestern des letzten Fideicommißbesitzers, eines Abkömmlings des zweiten Neffen des Fideicommißstifters, nämlich des Patrik Leslie Baron von Balquhane vorhanden. Nun aber machten auf das Fideicommiß auch mehrere Leslie’s aus Schottland Ansprüche, welche dem Vernehmen nach ihre Abstammung von eben demselben Patrik L. ableiten. Die demselben in gleichem Grade verwandten Prätendenten würden hiernach anscheinend das Fideicommißvermögen unter sich zu theilen haben. So stand die Sachlage im Jahre 1860. Ueberdieß ist die Familie der Leslie’s weit verbreitet, es gab und gibt deren in Schweden, Rußland, und in neuerer Zeit erst standen mehrere dieses Geschlechtes in der königlich preußischen Armee.

Schmutz (Carl), Historisch topographisches Lexikon von Steyermark (Gratz 1822, Andr. Kienreich, Theil II, S. 416. – Großes vollständiges (sogenanntes Zedler’sches) Universal-Lexikon (Halle und Leipzig, J. H. Zedler, kl. Fol.) Bd. XVI, Sp. 475 bis 482. – Allgemeines historisches Lexikon (Leipzig 1731, Thom. Fritschens Erben, Fol.) Theil III, S. 156 (recte 158). – Bohemia (Prager Blatt, 4°.) 1860, S. 676. – Kneschke (Ernst Heinrich Prof. Dr.), Neues allgemeines deutsches Adels-Lexikon [15] (Leipzig 1859, Friedr. Voigt, 8°.) Bd. V, S. 481. – Mosel (Ign. Fr. v.), Geschichte der k. k. Hofbibliothek zu Wien (Wien 1835, Beck, 8°.) S. 81, 82 u. 83 [gibt Nachricht über den fast erfolglos gebliebenen Versuch des Grafen Walther L., während seiner Gesandtschaft in Constantinopel, einiges von der dort befindlichen Corvinischen Bibliothek für die k. Hofbibliothek anzukaufen oder abzuschreiben].