BLKÖ:Lhota, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Leyva, Anton de
Band: 15 (1866), ab Seite: 60. (Quelle)
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Lhota, Anton (Maler, geb. zu Kuttenberg in Böhmen im Jahre 1814). 9. besuchte die Prager Akademie der bildenden Künste, an welcher Waldherr und Kadlik [Bd. X, S. 346] seine Lehrer waren. Als Karl Graf Chotek nach Prag mehrere Münchener Maler berief, um die Kreuzwegbilder auf dem Wege nach Petřina al fresco auszuführen, welche Kunst in Böhmen ganz in Vergessenheit gerathen war, übte sich auch L. in derselben und ging im J. 1839 nach München, um sich noch mehr darin zu vervollkommnen. Längere Zeit arbeitete nun L. für sich selbstständig, kehrte aber wieder, als im Jahre 1842, nach Kadlik’s Tode, Ruben zur Leitung der Akademie berufen und der Verein der bildenden Künste gegründet wurde, in den Verband der Akademie zurück. Im Jahre 1844 begab sich L. nach Wien, wo er einige Zeit in den dortigen Akademien Studien machte, und bei seiner Rückkehr nach Prag Corrector an der dortigen Akademie wurde, welche Stelle er bis zum J. 1854 bekleidete. In der Zwischenzeit machte er viele Reisen zu künstlerischen Zwecken, besuchte Oberitalien und Deutschland und hielt sich in Venedig, Wien, München und Berlin zum Behufe seiner Kunststudien längere Zeit auf. Zur Zeit lebt er in Prag als Künstler, mit Ausführung mannigfacher Arbeiten, vornehmlich von Altarbildern für Kirchen von Prag und der Umgebung beschäftigt. Von Lhota’s Arbeiten sind anzuführen: „Die Grablegung Christi“; – „Libussa’s Erscheinung“, nach einem Gedichte von Ebert, im Auftrage des Grafen Franz Thun gemalt; – „Die Bekehrung der heidnischen Preussen zum Christenthum durch Przemysl Ottokar II.“, großes Gemälde, im Jahre 1845 im Auftrage des Anton Veith von Libichow gemalt; eine von Weinhold in Dresden ausgeführte Lithographie dieses Gemäldes war im Jahre 1846 Prämie für die Mitglieder des Prager Kunstvereins; drei Cartons zu diesem Bilde waren in der Prager Ausstellung des Jahres 1844 zu sehen, den nämlichen Gegenstand malte L. später in stereochromischer Art noch einmal; – ein „Cyklus von Bildern aus der böhmischen Geschichte“, in großen lithographirten Blättern von Rauch in Wien herausgegeben; – „Kaiser Karl V. feiert sein Leichenbegängniss“, Eigenthum Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand; – „Hieronymus Hus auf dem Concil zu Constanz“ (1852); – „Wenzel IV. im Gefängniss“. Eigenthum des Barons Villani; – „Der Tod der H. Wenzel“, im Auftrage der böhm. Statthalterei für die Kirche in Sonnenberg; – „Kopernikus im Sterben“, Eigenthum des Barons Riese-Stallburg; – „Philippine Welser“ (400 fl.); –„Die Flucht des Königs Wenzel IV.“; –„Karl IV. in der Katharinencapelle auf dem Karlstein“ (200 fl.); – „Jaromir bei der Leiche seines Bruders Albrecht“, angekauft vom Prager Kunstverein; – „Břetislaw auf den Ruinen von Velehrad“, gleichfalls vom Kunstverein angekauft; – „Die Taufe Boriwoj’s“, gemalt auf Bestellung des Olmützer Buchhändlers Hölzl zur tausendjährigen Gedächtnißfeier der Einführung des Christenthums in Böhmen, jetzt Eigenthum des Erzbischofs von Olmütz; – „Wallenstein’s letzte Nacht“. Noch größer ist die Zahl [61] seiner Altargemälde, von denen jedoch nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil bekannt ist, weil nur ausnahmsweise das eine oder das andere in einer Ausstellung zu sehen war. Von diesen letzteren sind zu nennen: „Der H. Adalbert“, im Auftrage des Johann Grafen Kolowrat-Krakowsky für die Kirche zu Vostešić; – „Der H. Franz von Assisi“, großes Altarbild, im Auftrage des Grafen von Waldstein für die Kirche zu Knezmost; – „Der H. Procop“, im Auftrage des Fürsten Rohan für die Kirche zu Hodkowic; – „Der H. Johannes der Täufer“, – „Die H. Anna“ und „Der H. Joseph“, alle drei für die Kirche zu Kardašov Řeřice; – „Die Kreuzigung Christi“ und „Die unbefleckte Empfängniss Mariä“, beide für die Kirche zu Schönfeld; – „Die Heimsuchung Mariä“ (400 fl.), für die Kirche zu Kostomlat; – „Die vierzehn heiligen Nothhelfer“; – „Der H. Jakob“; – „Die Glorie des H. Adalbert“, und viele andere für verschiedene Landkirchen in Böhmen; vier kleinere Bilder für das Tabernakel in der Karlskirche; fünf große Altarblätter für eine Kirche bei Charkow in Rußland u. s. w. Von Lhota’s Fresken aber sind anzuführen, im Ferdinandeischen Belvedere am Hradschin: „Die Taufe Boriwoj’s im Jahre 873“; – „Der ungläubige Thomas“, – „Der Kuss des Judas“, die letzten zwei in der Laurenziuskirche auf dem Lorenzberge in Prag. Lhota’s Arbeiten, namentlich seiner ersten Zeit, beurkunden eine reiche Phantasie, große Liebe für die Geschichte seines Vaterlandes, dabei verbindet er mit einem frischen Colorit geschickte Gruppirung und im Ganzen eine correcte Zeichnung; wenn man aber den späteren Werken des Künstlers, wie ein Kritiker schreibt, den Schweiß der Muse, die nach Brot geht, ansieht, so liegt wahrlich die Schuld nicht am Künstler, sondern an der geringen Zahl derjenigen, die aus Begeisterung für die Kunst und um die Freiheit des Künstlers zu wahren, die Künstler mit Aufträgen beschäftigen.

Frankl (Ludw. Aug.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) III. Jahrgang (1844), S. 1068. – Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský i konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850, 12°.) Theil II, S. 348. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 1263. – Tagesbote aus Böhmen 1856, Nr. 121 u. 123. – Mercy’s Anzeiger (Prager Blatt) 1855, Nr. 158, 160, 161. –