BLKÖ:Lipparini, Ludovico

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lippert, Joseph
Band: 15 (1866), ab Seite: 225. (Quelle)
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Lipparini, Ludovico (Historienmaler, geb. zu Bologna 17. Februar 1800, gest. zu Venedig 19. März 1856). Schon in früher Jugend sprach sich L.’s Talent für die Kunst entschieden aus und im Alter von 25 Jahren hatte er bereits einen solchen Ruf als Künstler erlangt, daß ihn die Akademie von Bologna zum Ehrenmitgliede erwählte und daß Cardinal Giustiniani, als er durch Bologna reiste, den jungen Künstler durch einen Besuch in seinem Atelier auszeichnete. L. begab sich nun nach Venedig, wo er vornehmlich an den Werken von Jacopo Bassano, Tintoretto, Giorgione, Paul Veronese und Titian seine Studien fortsetzte und auf der dortigen Akademie an dem Professor Theodor Matteini einen theilnehmenden Freund und Förderer seines Talentes gewann. Später heirathete Lipparini auch Matteini’s einzige Tochter Anna, welche selbst eine geschickte Malerin war. Um diese Zeit malte L. außer einigen historischen Bildern – die vorzüglichsten werden weiter unten aufgezählt – zahlreiche Porträte, und war als Bildnißmaler bald so sehr gesucht, daß er in Folge mehrseitiger Einladungen sich nach Rom und Neapel begab, wo er viele Porträte, meist hochgestellter Personen, ausführte. Von Neapel begab er sich nach Florenz, wo er die Werke Fra Bartolommeo’s studirte, dann kehrte er in seine Vaterstadt Bologna zurück, welche er nach längerem Aufenthalte wieder verließ, um nach Parma zu reisen und dort an den Meisterwerken Correggio’s seine Künstlerstudien fortzusetzen. Im Jahre 1838 (8. October) wurde er Professor der Elementarzeichnung an der Akademie der schönen Künste in Venedig, welche Stelle er 19 Jahre versah, bis er am 12. Juni 1847 zum Professor der Malerei ebendaselbst ernannt wurde, und diese Stelle bis an seinen Tod bekleidete. Von seinen historischen Gemälden, deren Zahl überdieß sehr groß ist, da L. ein ungemein fleißiger Künstler war, sind anzuführen: „Johann II. Bentivoglio besucht den Maler Francia und schenkt ihm eine goldene Gnadenkette“, im Privatbesitze von Lipparini’s Freunde Michelangelo Gualandi in Bologna; – „Die schlafende Erigone“; – „Der Schwur der drei Horatier“; – „Der verwundete Philoklet“; – „Achilles ergreift nach des Petroklus Tode die Waffen“, alle gleich dem ersten im Besitze des Vorigen; – „Socrates, den Alcibiades tadelnd“, im Auftrage des Herrn v. Treves; – „Cia degli Ordelaffi lehnt die ihr von ihrem Vater angebotenen Bedingungen ab“, im Auftrage der Frau Erzherzogin-Vicekönigin; – [226] „Torquato Tasso im Gefängniss von dem Herzog Ludwig Gonzaga besucht“, für den Erzbischof Grafen Gaisruck in Mailand; – „Marino Falieri wird seines Dogenschmuckes entkleidet“; – „Der flüchtige Kain mit seiner Familie“, für Ambr. Ubaldo in Mailand; – „Das Marterthum mehrerer h. Jungfrauen“, für die St. Antonskirche in Triest; – „Der Schwur der Griechen“, für den Marchese Ala Ponzoni in Mailand; – eine „Büssende h. Magdalena“, jetzt in der Gallerie des Prinzen Bacciochi; – ein „H. Johannes“, in der Kapuzinerkirche zu Bologna; – „Paris Bordone malt Violante in Gegenwart des Palma Vecchio und Titian“; – „Vittore Pisani empfängt das heil. Abendmahl, bevor er das Commando einer Expedition gegen die Genueser übernimmt“, im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand I., jetzt in der Belvedere-Gallerie in Wien; – „Lord Byron’s Schwur am Grabe Marco Bozzaris“, zweimal, zuerst für Herrn Giacomelli in Treviso, dann für den Herzog von Braunschweig, dieses zweite Bild wird als Lipparini’s letzte Arbeit bezeichnet; – „Ein Grieche trauernd auf den Ruinen seines Vaterlandes“, für die Großfürstin Helene von Rußland; – „Die letzten Augenblicke des Dogen Marino Faliero“, für den Herzog von Bordeaux; – „Der h. Evangelist Matthäus“, für die Kirche Maria Salute in Venedig; – „Sulliotische Frauen“, im Auftrage der Gräfin Julia Somailoff; – „Der Tod Marco Bozzaris“, für Kasimir Grafen Batthyany; – „Marco Bozzaris empfiehlt seine Familie dem Erzbischof Ignazius“, im Auftrage des Fürsten Friedrich Liechtenstein; – „Ypsilanti verlässt seine Geliebte, um das Vaterland zu vertheidigen“, für den Marchese Ala Ponzoni in Mailand; – „Die Flucht. Episode aus dem griechischen Freiheitskampfe“, Eigenthum des Herrn Emanuel Ritter von Liebenberg; – „Der achtzigjährige Doge Marina Faliero erfährt aus dem Munde seiner Gemalin das Bekenntniss ihrer Schuld an seiner Verurtheilung“, Eigenthum des Grafen Beroldingen; – „Titian’s Tod“, im Auftrage des Grafen Kolowrat; – „Die Flucht der Bianca Capello“, für den Grafen Kas. Batthyany; – „Eine Episode aus dem griechischen Freiheitskampfe“, Eigenthum des Fürsten Metternich. Unter seinen Porträten, deren Zahl aber jene seiner Geschichtsbilder[WS 1] um das Dreifache, vielleicht Vierfache übersteigt, sind besonders bemerkenswerth[WS 2]: „Papst Pius VII.“, – „Leo XIII.“, – „Der Erzherzog-Vicekönig Rainer“, – „Die Erzherzogin-Gemalin“, – „Canova“, – „Die Prinzessin Elise Bacciochi“, – „Erzherzog Ferdinand Max“, – „Erzherzog Heinrich“, – „Marschall Marmont“, – „Giuseppe Barbieri“, – „Professor Basoli“, – „Fürst Liechtenstein“, – „Graf Kolowrat“, – „Thalberg “, – „Fürst Clary“, – „Cicognara“, – „Rossini“. – „Graf Lucchesi-Palli“ und viele Andere. Nicht minder ausgezeichnet, als die Stellung, welche L. als Künstler einnimmt, steht er als Mensch und Lehrer da. Er war seinen Schülern ein Freund und zweiter Vater, und wo er ein schönes Talent für Kunst entdeckte, gab er sich mit wahrer Begeisterung, ja Selbstaufopferung, dem Berufe des Lehrers hin. Aermere unterstützte er, um ihnen das Beharren auf der einmal gewählten Künstlerlaufbahn zu ermöglichen, und als Mitglied der Akademie der schönen Künste in Venedig, nahm er besonders die jungen Talente in seinen Schutz. Ueberdieß besaß L. außer seiner Kunst eine nicht ungewöhnliche Bildung und Kenntniß in anderen Wissenszweigen und stand mit mehreren Gelehrten und Männern der Wissenschaft in engerem freundschaftlichem Verkehre. Als Künstler zählt L. zu den besten der [227] neueren Zeit in Italien, wo die Kunst im Ganzen leider nicht vorwärts gegangen, sondern zurückgeblieben ist. In der Wahl seiner historischen Stoffe ist seine poetische Richtung deutlich ausgesprochen, und kommt diese, als der griechische Freiheitskampf alle Herzen bewegte, bei L. erst recht zum Durchbruche. Aus diesem Grunde und weil ihm, dem Schüler der farbenprächtigen venetianischen Schule, dadurch Gelegenheit geboten ward, sich als Colorist ersten Ranges zu zeigen, wählte er eine geraume Zeit Scenen aus dem Befreiungskampfe, war nach dieser Richtung hin auch eine Specialität, und wurde eben das, was sein Vorzug war, mit der Zeit seine Schwäche. Die Virtuosität, mit der er übrigens diese von künstlerischem Standpuncte nicht anzufechtenden Stoffe behandelte, veranlaßte von allen Seiten neue Aufträge und nicht selten mußte er ein und dasselbe Bild wiederholen, ja zum dritten Male ausführen, und eigen ist es, daß ein solches Griechenbild: „Lord Byron schwört am Grabe Marco Bozzaris“ das letzte war, das L. gemalt. Aber auch in seinen übrigen Werken, sowohl in den historischen Gemälden, wie in den Bildnissen, offenbart sich der tieffühlende Künstler, der sich nur Stoffe zum Vorwurfe nimmt, die unsere Seele auf das tiefste bewegen. Unter seinen zahlreichen Schülern sind besonders zu nennen: Bello, Carlini, Moretti und Rota, denen man auch das nach L.’s Tode erschienene lithographirte Bildniß des Meisters, das jedoch nicht in den Handel kam, verdankt, und endlich Molmenti, auf den über Lipparini’s Empfehlung die Wahl fiel, als der Herzog von Blacas einen Begleiter zu seiner Reise nach Syrien suchte. L. selbst war Mitglied der meisten Kunstakademien Italiens und als zur Förderung junger Talente die Società d’incorraggiamento begründet werden sollte, wendete er seine ganze Energie der Ausführung dieses Vorhabens zu.

Raccolta di scritti editi ed inediti di buoni autori (Treviso 1860, Andreolo-Medesin, gr. 8°.) Tomo I, p. 227: Notizie biografiche del pittore Lodovico Lipparini estese dall’ab. Filippo Draghi. – Gazzetta uffiziale di Venezia 1856, No. 79: „Commemorazione“ del medico A. Berti. – I Fiori (ein in Venedig erscheinendes Unterhaltungsblatt, gr. 8°.) 1855, Nr. 37. – L’Italia musicale (Mailänder Unterhaltungsblatt, gr. 4°.) 1856, S. 106: „Cenno necrologico“ di Carlo Barrera. – Gemme d’arti italiane (Milano, Venezia, Verona, Ripamonti-Carpano, 4°.) Anno VI (1853), im Indico No. 21, 32, 85; Anno VII (1854), p. 92; Anno VIII (1855), p. 33. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) IV. Bd. (1845), S. 360 u. 361 [mit der Abbildung des Gemäldes: „Der Tod des Markos Bozzaris“ im Holzschnitt]. – Der Fortschritt (Wiener polit. Blatt) 1860, Nr. 12, [Daselbst heißt es von Lipparini: „Lipparini hat überhaupt nie etwas anderes gemalt, als Griechenbilder, das war seine Specialität. Aber das Interesse an dem dargestellten Gegenstande ist für jetzt bereits abgeblaßt; es wucherte zu jener Zeit, wo Begeisterung für die griechische Sache sich bei jedem Gebildeten von selbst verstand, Philhellenenthum und höchste Humanität waren damals gleichbedeutend.“ Die Bemerkung über Lipparini, daß er überhaupt nie etwas anderes als Griechenbilder gemalt, widerlegt sich durch obige Lebensskizze von selbst. Thatsächlich aber erhielt L. von mehreren Seiten Bestellungen auf Scenen aus dem Griechenkampfe, die er mit Vorliebe – ein bei dem in Venedig lebenden Italiener leicht begreifliches Gefühl – und mit einer seltenen technischen Virtuosität malte.] – Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst (Beilage der [amtlichen] Wiener Zeitung, gr. 4°.) 1856, Nr. 14: Nekrolog. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) III. Jahrgang (1844), S. 288, 998; V. Jahrg. (1846), S. 596. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Franz Beck, gr. 8°.) S. 374. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, Fleischmann, 8°.) Bd. VII, [228] S. 548 [nach diesem ist L. 1803 geboren]. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. II, S. 601. – Deutsches Kunst-Blatt. Redigirt von Eggers (Berlin, 4°.) 1856, S. 129 u. 133. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXXI, p. 318. – Die Monats-Kataloge des österreichischen Kunstvereins (8°.) 1852, December Nr. 6; 1855, December Nr. 47; 1860, Jänner Nr. 13. – Porträt. Unterschrift: Lodovico Lipparini. Bello F. Carlini G. Moretti E. RottaA. Allievi riconoscenti A chi amava e stimava il loro maestro D. D. (gez.) Ant. Rotta. (lith.) Kirchmayr (Venedig. Halb-Fol., bloß 150 Exempl. und kam nicht in den Handel).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Geschichtbilder.
  2. Vorlage: bemerkenwerth.