BLKÖ:Macquire Graf von Inniskilin, Johann Sigismund

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Macun, Iván
Band: 16 (1867), ab Seite: 222. (Quelle)
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Johann Sigismund Macquire von Inniskillen in der Wikipedia
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Macquire Graf von Inniskilin, Johann Sigismund (k. k. Feldzeugmeister und Großkreuz des Maria Theresien-Ordens, Geburtsort und Jahr unbekannt, gestorben zu Troppau 12. Jänner 1767). Von irischer altadeliger Familie. In früher Jugend bereits war er als Fähnrich in die kaiserliche Armee eingetreten und hatte sich aus den unteren Rangstufen durch seine ausgezeichneten Dienste immer höher hinauf gearbeitet. Er hatte in den Regimentern Geyer, Erasmus Stahremberg, Fürstenbusch und Onelli gedient und alle Feldzüge seiner Zeit mitgemacht. Im Warasdiner-Kreuzer [223] Regimente zeichnete er sich als Oberst desselben bei der Erstürmung der Bocchetta, bei der Einnahme von Genua und bei den dadurch veranlaßten weiteren Vorfällen durch Tapferkeit und Einsicht aus. Da er mit der Truppengattung, welche er befehligte, genau bekannt war, wurde er bei der Verfassung der Grenztruppen zu Rathe gezogen und erwarb sich bei der Organisirung derselben wesentliche Verdienste. Im Jahre 1747 wurde M. zum General-Major befördert und zugleich Inhaber des 5. Grenz-Regimentes. Zur Zeit des siebenjährigen Krieges, in welchem er seine ausgezeichnetsten Thaten vollführt hatte, war er Feldmarschall-Lieutenant. Er focht in den Schlachten bei Lobositz (1. October 1756) und bei Prag (18. Juni 1758). Nach letzterer Schlacht verfolgte Daun einen Theil des geschlagenen Preußenheeres, und zwar jenen, der nach der Lausitz zog. Die Preußen hatten sich des Passes bei Gabel versichert. Macquire erhielt Befehl, sie daraus zu vertreiben. Er bemächtigte sich nun zuerst der Stadt Niemes, ging über die Polz und bestürmte Gabel mit 20.000 Mann. Schon am dritten Tage ergab sich die Besatzung und wurde zu Kriegsgefangenen gemacht. Nun war der Weg in die Lausitz offen. M. marschirte nun gerade auf Zittau los, zerstörte im Angesichte des Feindes seine Magazine, nachdem er die zur Bedeckung derselben zurückgelassenen Bataillone angegriffen und vollständig geworfen hatte. Nun focht der Graf noch in diesem Feldzuge bei Breslau (22.–24. November und in der Schlacht bei Leuthen (5. December), in welcher er verwundet wurde. In den folgenden Jahren stand M. bei der Reichsarmee, wo er gleich in den ersten Gefechten thätig war. Nachdem unsere Armee in Sachsen Stellung gefaßt, wurde ihm die Erstürmung des Sonnensteins aufgetragen. Er bezwang die Veste nach einer dreitägigen Belagerung. Der Platz capitulirte und die Besatzung sammt ihrem Commandanten ergab sich in Kriegsgefangenschaft. Im August 1759 leitete er unter dem Prinzen von Zweybrück die Belagerung von Dresden, welche aber größere Schwierigkeiten darbot. Wohl ließ er die Stadt bombardiren, trieb den preußischen General Wunsch, der zur Unterstützung der Besatzung über Großenhain herbeigeeilt war, bis Torgau zurück, aber die Festung hielt sich noch immer. Dem General Schmettau, der darin waltete, lag an der Zerstörung der Stadt, die ja nicht seines Königs war, wenig; ja er trieb die Rücksichtslosigkeit so weit, daß er, als die Gefahr immer drohender wurde, zu seiner letzten Schutzwehr selbst die fürstliche Familie, die sich in der Stadt befand, gefährdete. Schon hatte Schmettau die Vorstädte anzünden lassen, als ihn M. noch einmal aufforderte, die unnöthigen Verwüstungen zu vermeiden und die Stadt vor völliger Zerstörung zu retten. Die Verhandlungen blieben jedoch ohne Erfolg. Die Beschießung dauerte von beiden Seiten fort. Endlich als M. Nachricht von dem nahen Entsatze der Stadt erhielt, ging er, um dieselbe zu schonen, die fürstliche Familie zu beruhigen und weiterer Gefahr zu entheben, bereitwillig auf alle Forderungen Schmettau’s ein, der nun die Stadt an M. übergab. Nach 27tägiger Belagerung wurde am 4. September 1759 zwischen Schmettau und Macquire eine ehrenvolle Capitulation abgeschlossen, welcher zufolge die Besatzung mit ihrem Gepäcke, Geschütze und ihren Cassen mit allen militärischen Ehren frei von Dresden abzog. Ungeachtet dessen fiel Schmettau [224] in Ungnade des Königs und wurde vom Heere entfernt. Macquire übernahm nun das Commando der Stadt Dresden und ließ die durch die Beschießung stark schadhaft gewordenen Werke ausbessern, da ja ein neuer Angriff in Bälde bevorstand. M. wurde nun zum Feldzeugmeister ernannt und in der 5. Promotion (vom 23. Jänner 1760) mit dem Großkreuze des Maria-Theresien-Ordens ausgezeichnet. Indessen hatte der Kampf fortgedauert und M. auch dem Gefechte bei Körbitz beigewohnt. Bald kam auch wieder Dresden an die Reihe. Am 23. Juni 1760 war ein preußisches Corps bei Landshut in Schlesien von den Kaiserlichen geschlagen worden, und Friedrich II. machte Miene, als wolle er aus Sachsen nach Schlesien ziehen; aber Daun suchte ihm zuvor zu kommen, als sich der König plötzlich wandte und vor Dresden erschien, in welcher Stadt Macquire den Befehl hatte. Am 14. Juli begann Friedrich die Beschießung der Stadt; er glaubte, die Kaiserlichen würden nach ihren bisherigen Grundsätzen der Schonung für diese Stadt, dieselbe lieber übergeben, als durch eine Beschießung dem Verderben Preis geben. Aber Friedrich irrte sich; Macquire machte es nun gerade, wie es Schmettau gemacht und setzte die Regeln der Vertheidigung allen anderen Rücksichten vor. Auch kam Daun mit der Hauptmacht an und nahm eine solche Stellung, daß seine Truppen durch die Neustadt beständig einen freien Weg in die Stadt hatten, und die Besatzung bald verstärkten, bald ablösten. Diese wieder machte häufige, und glückliche Ausfälle, welche aber den König nicht hinderten, die Beschießung fortzusetzen. Die Verwüstung in der Stadt war bereits sehr groß, nichtsdestoweniger hielt Macquire die Stadt. Fast alle Tage wütheten verheerende Feuersbrünste, veranlaßt durch das feindliche Geschützfeuer, selbst Räubereien hatten bereits begonnen, so daß M. gezwungen war, mehrere Meuterer, so auf der That getroffen worden waren, hinrichten zu taffen. Zuletzt, als die Preußen gar das Rohrwasser abgeschnitten hatten, konnte auch an ein Löschen der Feuersbrünste nicht gedacht werden, und so brannten ganze Gassen allmälig ab. Die von Macquire ausgeführten Ausfälle brachten dem Feinde großen Schaden, aber ihn noch immer nicht zum Abzuge, und ein von Daun beabsichtigter Ueberfall, der zu des Königs Kenntniß gelangt war, veranlaßte diesen nun seine Stellung zu ändern. Erst als der König die Nachricht erhielt, daß die Kaiserlichen in Schlesien am 26. Juli Glatz genommen hatten, Breslau belagern und sich demnächst mit den Russen zu vereinigen hofften, zog er von Dresden ab und eilte nach Schlesien. Nach achtzehntägiger Einschließung und zehntägiger Beschießung mußte der König, der selbst einmal in die Gefahr gerathen war, in seinem Quartier aufgehoben zu werden, seine Absicht, Dresden zur Uebergabe zu zwingen, aufgeben, und Macquire feierte in einer freilich verwüsteten Stadt, mit scharfen Patronen den Sieg. Als bald darauf der Friede geschlossen worden, erhielt M. eine andere Bestimmung, und zwar kam er als Festungscommandant nach Olmütz. Wenige Jahre später starb der Graf zu Troppau. Macquire wurde, als er zum General-Major befördert worden, Inhaber des 5. Grenz-Infanterie-Regiments (Warasdiner-Kreuzer), später erhielt er das Infanterie-Regiment Nr. 46 (heute Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen) und im Jahre 1763 das Infanterie-Regiment Nr. 35 (heute Graf Khevenhüller-Metsch). [225] In den Namensverzeichnissen der Regiments-Inhaber im österreichischen Militär-Schematismus erscheint ein Feldzeugmeister Johann Sigmund Graf Macquire als Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 35; ein Feldzeugmeister Joseph Graf Macquire als Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 46 und ein General-Major Joseph Sigismund Graf Macquire als Inhaber des 5. Grenz-Infanterie-Regiments. Das ist alles irrig, und ist für diese drei verschiedenen Personen nur ein Johann Sigismund Macquire Graf von Inniskilin zu substituiren.

Incolat für den böhmischen Grafenstand ddo. 21. Mai 1744 für Johann Sigismund Macquire Grafen von Inniskilin. – Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen, 8°.) Bd. II, S. 132. – Hirtenfeld (J.) Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 85 u. 1728. – Ritter von Rittersberg (Joh.), Historischer Militär-Almanach des 16., 17., 18. u. 19. Jahrhunderts (Prag 1823, C. W. Enders), S. 335.