BLKÖ:Malfatti, Edler von Monteregio, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Malfatti, Andreas
Band: 16 (1867), ab Seite: 327. (Quelle)
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Malfatti, Edler von Monteregio, Johann (Arzt, geb, zu Lucca im Jahre 1776, nach Anderen schon 1775, gest. zu Hietzing bei Wien 12., nach Anderen 15. September 1859). Von seinen Eltern für den geistlichen Stand bestimmt, entschied er sich selbst für das Studium der Medicin, welches er an der Universität zu Bologna unter dem berühmten Professor Aloisio Galvani begann und zu Ende führte. Als 1795 der berühmte Joh. Peter Frank [Bd. IV, S. 320] nach Wien berufen wurde, um daselbst nebst der Leitung des allgemeinen Krankenhauses auch die medicinische Klinik zu übernehmen, folgte ihm Malfatti dorthin, machte in Wien die strengen Prüfungen und erlangte die Doctorwürde. Von P. Frank und dessen Sohne Joseph mit besonderer Herzlichkeit behandelt, fand der junge Italiener sich bald mehr und mehr im deutschen Elemente heimisch, bekleidete durch sieben Jahre die Stelle eines Secundararztes im Krankenhause und benützte dieselbe zu seiner höheren ärztlichen Ausbildung, während er zugleich das Studium der bis dahin ihm völlig fremden deutschen Literatur emsig betrieb. Er selbst verfaßte mehrere in deutschen und italienischen Journalen zerstreute Abhandlungen und machte in der Einleitung zu seiner [328] deutschen Uebersetzung der Scarpa’schen Abhandlung über die Klumpfüße den ersten Vorschlag zu einer Heilmethode, die später von Anderen wirklich in Ausführung gebracht worden ist. Als Peter Frank 1804 Wien verließ, gab Malfatti seine Stellung im allgemeinen Krankenhause auf und widmete sich der Privatpraxis. Im Jahre 1809 erschien sein „Entwurf einer Pathogenie“ [die Schriften folgen nach ihren Titeln weiter unten]. Ein Jahr darauf ward er Leibarzt Ihrer kön. Hoheit der Frau Erzherzogin Beatrix de Este und versah diese Stelle mit größtem Eifer durch zwanzig Jahre bis zum Tode der hohen Frau. Mehrere ehrende Einladungen, die er in dieser Zeit vom Auslande erhielt, lehnte er ab. Sein Ruf als praktischer Arzt erhob sich schnell zu einer seltenen Berühmtheit; während des Wiener Congresses vertrauten fremde Herrscher und alle Notabilitäten der Diplomatie, später auch mehrere Mitglieder des Allerh. Kaiserhauses sich seiner Behandlung an. Seine erfolgreichen Bemühungen um die Emporbringung des Heilbades zu Ischl erwarben ihm das Ehrenbürgerrecht dieses Ortes. Mit Allerh. Entschließung vom 5. Jänner 1837 wurde er in Anerkennung seiner Verdienste als praktischer Arzt, in den österreichischen Adelsstand aufgenommen und ihm das Prädicat Edler von Monteregio verliehen. Schon in seinen jüngeren Jahren hatte er eine Gesellschaft ausgewählter Aerzte wöchentlich einmal zu ärztlichen Besprechungen in seiner Wohnung versammelt, und immerdar blieb sein Lieblingsgedanke die Gründung einer medicinischen Akademie oder einer ärztlichen Gesellschaft, überhaupt eines ärztlichen Vereines, der in wissenschaftlicher Beziehung auf ein gemeinschaftliches Ziel hinwirken sollte. Endlich sah er auch diesen Wunsch erfüllt und seine Bemühungen gekrönt: die k. k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien wurde gegründet und Malfatti am 22. September 1837 zum ersten Präsidenten derselben gewählt. Die erste Sitzung, durch die Anwesenheit hoher und ausgezeichneter Gäste verherrlicht, fand am 24. März 1838 Statt, und Malfatti hielt die feierliche Antrittsrede. Als mit den vorgerückten Jahren seine Gesundheit abnahm, zog er sich gänzlich von der Ausübung des ärztlichen Berufes zurück. Aber seine Thätigkeit feierte deshalb nicht. Im Jahre 1845 erschien sein zweites größeres Werk „Studien über Anarchie und Hierarchie des Wissens, mit besonderer Beziehung auf die Medicin“; der zweite Theil, welcher die Anwendung dieser Studien auf die Pathologie umfassen sollte, blieb jedoch unvollendet. Malfatti’s letztes, 1847 veröffentlichtes schriftstellerisches Werk führte den Titel: „Neue Heilversuche“; einem derselben, welcher die Vertilgung des grauen Staares durch eine äußere Heilmethode betraf, hatte er die Beobachtung an sich selbst zu Grunde gelegt. Später beschäftigte er sich auch mit Agricultur, und seine Abhandlung über die Kartoffelkrankheit fand große Anerkennung. In fortwährend inniger Beziehung mit den verdienstvollsten Gelehrten und Künstlern, feierte er noch am 22. October 1850 sein 50jähriges Doctorjubiläum und verlebte seine letzten Jahre in philosophischer Ruhe auf der von ihm angelegten und nach ihm benannten reizenden Villa bei Hietzing, wo er, 84 Jahre alt, einem organischen Herzleiden erlag. Die Titel der von M. herausgegebenen Druckschriften sind: „Chirurgische Abhandlung über die angeborenen [329] krummen Füsse der Kinder und über die Art, diese Ungestaltheit zu verbessern. Aus dem Italienischen des Antonio Scarpa übersetzt und mit einer Vorrede von Malfatti“ (Wien 1804, Volke, mit 5 K. K., gr. 4°.); – „Entwurf einer Pathogenie aus der Evolution und Revolution des Lebens“ (Wien 1809, Beck, gr. 8°.); – Studien über Anarchie und Hierarchie des Wissens mit besonderer Beziehung auf die Medicin“ (Leipzig 1845, Brockhaus, mit 2 lith. Tafeln, gr. 8°.); – „Neue Heilversuche. I. Gelungene Vertilgung des grauen Staares durch eine neue äussere Heilmethode. II. Häufige Entstehung des schwarzen Staares aus dem Raphagra. Erkenntniss und Behandlung dieser so wie anderer (ebenso oft verkannter) Krankheiten der Schädel-Suturen“ (Wien 1847, Mechitar. Congr., gr. 8°.). Nicht groß ist die Zahl von Malfatti’s Schriften, aber sie fanden in der gelehrten Welt gerechte Würdigung. Beim Erscheinen des Entwurfes der Pathogenie fand der gelehrte Hausverstand, wie einer von M.’s Biographen schreibt, dabei seine Rechnung nicht ganz, denn es galt Eine Ordnung der Dinge, in der man sich nicht sogleich orientiren konnte. Erst zehn bis fünfzehn Jahre später that die Scham was die gelehrte Ueberzeugung gleich Anfangs hätte thun sollen. Was seine Stellung als praktischer Arzt betrifft, so erfreute er sich in der Residenz eines bedeutenden Rufes, namentlich zur Zeit des Wiener Congresses wurde er in die hohen und höchsten Kreise gerufen, wobei ihm wohl im Verkehr mit denselben, die Grazie des Umganges sehr zu Statten kam. Er bediente sich bei Behandlung der Kranken auch des Magnetismus, hatte deßhalb einen langwierigen Proceß und ward ihm das strengste Verbot, sich dessen als Heilkraft ferner zu bedienen. Bei der Art und Weise, wie er sich dessen bediente, ist die Engherzigkeit auf maßgebender Seite, die dem gelehrten Fachmanne, dessen Gediegenheit im Charakter eine Bürgschaft gegen jeden Mißbrauch leistet, das verbietet, was eben unter ihrer Aegyde durch ihn zunächst untersucht werden sollte, doppelt zu bedauern. M. unterhielt einen bedeutenden Verkehr mit den hervorragendsten Fachgenossen seiner Zeit, und Männer wie Franz Baader, Schelling, Oken, Hufeland und Troxler zählten zu seinen gelehrten Freunden. Eine Kränkung – wenn Rücksichtslosigkeit der Zunft eine solche sein kann – widerfuhr ihm im hohen Alter. Obwohl er eine europäische Notabilität war, erfuhr er doch den Mangel gelehrter Pietät. Sein Doctorjubiläum ging von dieser Seite unbegrüßt vorüber. Das Fest wurde nur von einer Elite seiner Verehrer veranstaltet und gefeiert. Die Festgabe war ein kunstvoll gearbeiteter silberner Becher, der sich bescheiden als „Laetitiae tessera anni Laureae quinquagesimi“ ankündigte, während die weiteren Worte: „Nec Academia, nec Medicorum societas sed grati sequaces“ epigrammisch einfach sagten, von wannen die Gabe kam.

Adels-Diplom vom 10. April 1837. – Wanderer (Wiener politisches Blatt) 1850, Nr. 522, im Feuilleton. – Wiener Zeitung, Jahrgang 1859, Nr. 230, S. 3934, Nr. 258: Nekrolog. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien, 8°.) Bd. III, S. 543. – Oesterreichischer Courier (Allgem. Theater-Zeitung) von Ad. Bäuerle, Jahrg. 1849, Nr. 134 u. 135, S. 540: „Sonnet an Malfatti von Z. Werner, zum ersten Male abgedruckt“. – Wappen. Blauer, Schild, aus dessen Fußrand ein grüner, üppig belaubter Hügel sich erhebt; auf demselben steht in natürlicher Steinfarbe ein Haus mit rothem Dache. Ueber demselben schwebt ein goldener, mit dem Kopfe gegen eine aus dem rechten Oberwinkel hervorstrahlende goldene Sonne [330] gewendeter Adler mit ausgeschlagener rother Zunge, welcher in seinen Klauen den Stab des Aesculap in seiner natürlichen Gestalt wagerecht unter sich trägt. Auf dem Schilde ruht ein gekrönter rechtsgekehrter Turnierhelm, aus dessen Krone zwischen zwei offenen, mit den Sachsen gegeneinander gekehrten blauen Adlerflügeln ein dem im Schilde bezeichneten ähnlicher Stab des Aesculap pfahlweise gestellt ist. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten blau, mit Gold belegt.