BLKÖ:Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 360. (Quelle)
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Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf (Staatsmann, k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Coburg 4. August 1813). Ein Sohn des Grafen Emanuel [s. d. S. 368] aus dessen Ehe mit Sophie Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Graf Alexander trat im Alter von 16 Jahren als Cadet in das Infanterie-Regiment Nr. 49, wurde in sehr kurzer Zeit Officier, machte rasch die subalternen Officiers-Chargen bei Schwarzenberg-Uhlanen und Coburg-Huszaren durch, und wurde im Jahre 1836, damals 23 Jahre alt, bereits Rittmeister bei Kaiser Nikolaus-, und im Jahre 1844, damals 31 Jahre alt, Major bei Coburg- und dann bei Großfürst Alexander-Huszaren. Bei Beginn des ersten Feldzuges gegen Piemont im Jahre 1848 stand sein Regiment fern vom Kriegsschauplatze stationirt, der Graf aber eilte in Person dahin und nahm [361] so noch an den letzten siegreichen Begebenheiten Theil. Von Italien kam der Graf in das Hauptquartier des Feldmarschalls Fürsten Windisch-Grätz nach Wien, und wurde am 13. November desselben Jahres zum Adjutanten Sr. Majestät des Kaisers ernannt, erbat sich aber die Erlaubniß, in dieser Anstellung den eben gegen die ungarischen Rebellen eröffneten Feldzug mitmachen zu dürfen, welche ihm auch gewährt wurde. Schon bei Parendorf am 16. December erwarb er sich durch sein ausgezeichnetes Verhalten die Ehre, unter den Helden des Tages genannt zu werden. Wenige Tage darnach wurde er zum Oberstlieutenant befördert. In der darauffolgenden Winter-Campagne gab er noch zu öfteren Malen Beweise seines ritterlichen Muthes; am 22. April 1849 wurde er zum Obersten beim 5. Chevauxlegers-Regimente Fürst Liechtenstein befördert. Bei Eröffnung des Sommerfeldzuges 1849 stand sein Regiment vor Komorn. Am 2. Juli hatte die Cavallerie-Brigade Simbschen, bei welcher das Regiment des Grafen sich befand, sich bald nach Anbeginn des Kampfes aus der vorgeschobenen Stellung im Kessel vor dem Donaubrückenkopfe gegen die rückwärts gelegenen Anhöhen zurückgezogen. Bald darauf fuhr eine feindliche Cavallerie-Batterie unter Bedeckung mehrerer Huszaren-Divisionen in die rechte Flanke auf, und nachdem sie ihr Feuer auf unsere Cavallerie-Batterie eröffnet, zwang sie dieselbe sammt der Bedeckung – eine Division Kaiser-Uhlanen – etwas zurückzuweichen. Kaum hatte Oberst Graf Mensdorff dieß bemerkt, als er, ohne erst Befehl abzuwarten, seine zwei Divisionen nach dem bedrohten Puncte hin dirigirte und im Vorrücken zwei Treffen formiren ließ. Der im zweiten Treffen stehenden zweiten Majors-Division befahl er, als Reserve zu folgen, mit der anderen wollte er, da ihm dieser Augenblick geeignet erschien, die feindliche Batterie nehmen. Zu diesem Zwecke führte er das erste Treffen – die Oberstlieutenant-Division – längs eines durch einen Erdrand gedeckten Pfades bis auf etwa dreihundert Schritte vor der in Thätigkeit stehenden feindlichen Batterie vorbei, dann aber links einschwenkend, stellte er sich einer links neben der Batterie aufgestellten feindlichen Huszaren-Division gegenüber, gab den Seinen sofort Befehl zum Einhauen, und warf die feindlichen Reiter, ungeachtet des entschlossenen Widerstandes, den sie zu leisten versuchten, über den Haufen. Die nachrückenden Chevauxlegers konnten nun die Batterie, welche nach einigen abgefeuerten Kartätschenschüssen schleunigst abgefahren war, verfolgen und einholen, und aus der Mitte der sie umringenden und tapfer vertheidigenden Huszaren fünf Geschütze sammt ebenso vielen Munitionskarren erobern. Nun warf sich das zweite Reiter-Regiment der Brigade – Kaiser-Uhlanen auf die noch nicht angegriffene feindliche Huszaren-Division, trieb sie in die Flucht und erbeutete die sechste Kanone sammt dem Munitionskarren. Für den Feind war der Verlust dieser Batterie sehr empfindlich, er war in Folge dessen auf diesem Theile des Schlachtfeldes für längere Zeit zur Unthätigkeit gezwungen, und General Benedek konnte nun leichter den Weinberg bei Ó-Szöny besetzen und weitere Vorbereitungen zum Vorrücken gegen den Ort treffen. Ebenso zeichnete sich der Graf durch seine Bravour in der Attaque aus, welche der General-Major Baron Simbschen am Abende desselben Tages von seiner [362] Cavallerie ausführen ließ, dann vor Szöreg am 5. und bei Temesvár am 9. August. Als bei Szöreg die Division Bechtold von zwei und einer halben Batterie unterstützt längs des Dammes und an diesem gestützt, gegen die feindliche Reiterei auf Szent-Iván vorrückte, war Graf M. zur Deckung des Rückens mit vier Schwadronen seines Regiments dießseits des Dammes aufgestellt. Der Raum zwischen dem Damme und der sich rechtsziehenden Division Bechtold vergrößerte sich aber mit jedem Augenblicke, so daß daselbst die fünfzehn Geschütze nicht mehr hinreichten, ihn zu decken, und der Feind, diesen Umstand sofort benützend, sich mit drei Huszaren-Regimentern auf die Geschütze warf, und längs des Dammes ein viertes Regiment vorrücken ließ, um diesen Angriff mit gehörigem Nachdruck auszuführen. Wenn es den feindlichen Regimentern gelang, durchzubrechen, so waren unsere fünfzehn Cavallerie-Geschütze verloren. Graf M., der diese Lage überschaute, übersetzte mit seinen Schwadronen rasch den hohen Damm, und attaquirte mit seinen Reitern so entschieden und kräftig, daß die feindlichen Huszaren geworfen, verfolgt und in ihrer Absicht, unsere Cavallerie-Division abzuschneiden, gehindert wurden. Obwohl es nicht geringe Schwierigkeiten macht, mit größeren Cavalleriemassen einen Damm zu übersetzen, so hat doch der Graf in diesem Falle bewiesen, daß eine mit Umsicht geführte tapfere Reitertruppe sich auch durch ein solches Hinderniß nicht zurückhalten lasse. In der 157. Promotion – vom 26. März 1850 – wurde der Graf für seine Waffenthaten, insbesondere für seine Reiterattaque in der Schlacht bei Komorn, mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im November d. J. wurde der Graf zum General-Major befördert, und in den nächstfolgenden Friedensjahren zu diplomatischen Sendungen und staatsmännischen Dienstposten verwendet. So erhielt er zunächst aus Anlaß des schleswig-holsteinischen Krieges eine diplomatische Mission und ging dann auf längere Zeit als russischer Gesandter an den kaiserlichen Hof nach St. Petersburg. Als aber die orientalische Verwickelung den Frieden Europa’s zu trüben begann, trat M. als Brigadier in seine militärische Sphäre zurück. Darauf wurde er commandirender General im Banat, begleitete im Jahre 1856 den Erzherzog Maximilian nach Paris, wurde in Folge des October-Diploms kaiserlicher Commissär für die serbische Wojwodschaft, und im Jahre 1862 Statthalter und commandirender General in Galizien. Auf diesem Posten blieb der Graf, bis er als Nachfolger des Grafen Rechberg mit Allerh. Handschreiben vom 27. October 1864 als Minister des Aeußern in das Ministerium Schmerling berufen wurde. Auf diesem Posten verblieb der Graf bis zur Berufung Beust’s an seine Stelle, welche schon wenige Monate nach dem Unglücklichen Kriege mit Preußen im Jahre 1866 erfolgte. Was seine politische Stellung als Minister des Aeußern innerhalb der Zeit vom October 1864 bis November 1866 betrifft, so zeichnet sie ein Publicist mit folgenden Worten: „Als Anhänger Schmerling’s kam der Graf in’s Amt, aber er blieb auf seinem Posten auch nach Schmerling’s Fall. Ein Anhänger der Verfassungspolitik, blieb er Minister, auch als Graf Belcredi eintrat. Er soll die Sistirung der Verfassung widerrathen haben, aber die Verfassung wurde sistirt und er blieb im Amte. Er soll den Krieg widerrathen haben, aber [363] der Krieg brach aus und er blieb Minister. Er soll die Abtretung Venetiens an Frankreich nicht gebilligt haben, aber die Cession erfolgte und er blieb im Amte. Er soll Benedek’s Strategie bekämpft haben, aber Benedek verfolgte seinen Plan und der Graf blieb im Amte. Er soll die Ernennung des Grafen Gołuchowski zum Statthalter von Galizien nicht gewünscht haben, aber die Ernennung erfolgte und Graf M. blieb im Amte. Wer weiß, um wie viel mehr diese Reihe von Widersprüchen noch fortgesetzt werden könnte; doch die Probe genügt zur Veranschaulichung, daß im Grafen M. uns ein Staatsmann gegenüberstand, der die Selbstverläugnung so weit trieb, daß die Politik, die er machte, bisweilen ganz aufhörte, seine Politik zu sein. Die Verhältnisse des Grafen, sein Reichthum und seine bis an den Königshof von Großbritannien sich anlehnende aristokratische Stellung schließen den Gedanken, als hätte Eigennutz oder Ehrsucht den Grafen Mensdorff an sein Portefeuille gefesselt, ganz und gar aus, sowie denn auch die für die Persönlichkeit charakteristische Thatsache, daß Graf Mensdorff sogar dem jüngeren Collegen, dem Grafen Belcredi, die Präsidentschaft im Ministerium – diesem mit Allerh. Handschreiben vom 27. Juli 1865 übertragen – überließ, jeden Verdacht, als wäre Herrschsucht oder Eitelkeit bei ihm eine Triebfeder gewesen, niederschlägt.“ Der Graf, der zur Zeit keine active Stellung im Staatsdienste inne hat, ist seit 1. März 1858 Feldmarschall-Lieutenant, und wurde im Jahre 1865 Inhaber des 9. Uhlanen-Regiments, desselben, dessen Oberst und Commandant er im Jahre 1849 gewesen, und mit dem er sich vor Komorn, wie oben erzählt wurde, das Maria Theresienkreuz erkämpfte. Schließlich sei noch bemerkt, daß der Graf auch als militärischer Schriftsteller debutirte, und zwar mit der Schrift: „Im Sommerfeldzuger 1849“ (Wien 1865, Gerold, gr. 8°.), welche ein Separatabdruck aus Streffleur’s „Oesterreichischer militärischer Zeitschrift“ ist. Den Familienstand des Grafen macht die genealogische Tafel ersichtlich.

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1864, Nr. 1115. – Constitutionelle Volks-Zeitung (Wien, kl. Fol.) I. Jahrgang (1865), Nr. 93; „Graf Mensdorff“ [mit Porträt im Holzschnitt]. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 1695 u. 1754. – Die Böhmische Westbahn (Pilsner Blatt, 4°.) 1864, Nr. 88. – Neue freie Presse (Wiener politisches Blatt) 1864, Nr. 62: „Graf Mensdorff-Pouilly“; 1866, Nr. 787; „Graf Mensdorff und Graf Eßterházy“; – dieselbe 1864, Nr. 58 u. 59, 64; 1865, Nr. 258, 365 [unter den Correspondenzen und kleineren Notizen]. – Presse (Wiener Blatt) 1864, Nr. 298 u. 359; 1866, Nr. 309. – Porträt. Facsimile des Namenszuges: Alexander Graf Mensdorff-Pouilly, k. k. General-Major. Kriehuber 1854 (Höfelich’s Witwe, Lithogr., Halb-Fol.)