BLKÖ:Merz, Jacob

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Merz
Band: 17 (1867), ab Seite: 419. (Quelle)
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Merz, Jacob[WS 1] (Maler und Kupferstecher, geb. zu Buch am Irtel im Canton Zürich 7. August 1783, gest. zu Wien 2. October 1807). Der Sohn eines armen Webers, dem der Ortspfarrer J. W. Veith, ein Freund und Kenner der Kunst, als er die Kunsttalente des Knaben erkannte, für seine Ausbildung behilflich war. Nachdem er bereits mit Fertigkeit zeichnete, kam er nach Zürich, wo er unter des tüchtigen Kupferstechers H. Lips Leitung sich in der Kupferstecherkunst vervollkommnete. Er bildete sich, um die Hand für einen festen sicheren Zug vorzubereiten, zuerst im Federzeichnen, und arbeitete Umrisse nach den besten Meistern, wie Golzius, Sadeler, Spranger u. A., dann erst begann er zu radiren und vollendete im Jahre 1800, 17 Jahre alt, das erste Werk mit dem Grabstichel, es war „Der Triumph des Amor“ nach Dominichino. So hatte er drei Jahre unter der Leitung seines Meisters zugebracht und in dieser Zeit manche schöne Arbeit, vornehmlich fleißig ausgeführte Zeichnungen in Lavisfarbe, vollendet. Da er sich durch seine Arbeiten so viel erworben, daß er, um sich weiter in seiner Kunst zu vervollkommnen, reisen konnte, begab er sich im Jahre 1802 nach Wien. Daselbst besuchte er die Akademie der bildenden Künste, und hier erwachte auch seine Vorliebe für das Bildnißmalen, das er bald mit großem Erfolge betrieb. Dabei setzte er auf der Akademie seine Studien nach der Natur auf das Eifrigste fort, vollendete auch in der ersten Zeit eine ganz vortrefflich gelungene Copie des Bildnisses der Prinzessin „Isabella d’Este“ von Tizian. Aber auch den Grabstichel vergaß er nicht und radirte mehrere Blätter für Martin Fischer’s [Bd. IV, S. 244] „Darstellung des Knochenbaues von dem menschlichen Körper“ (Wien 1806, Fol.), welche geätzt sind und durch große anatomische Genauigkeit sich auszeichnen. An dem Erzherzoge Karl fand M. einen großen Gönner, der ihn mehrere Male durch beträchtliche Geldgeschenke unterstützte. Auch begleitete M. als Zeichner eine Fürstin Grassalkovitsch auf einer Reise durch Ungarn bis an die Grenze Galiziens. Aber der Künstlerneid spielte ihm mit einem Male einen ganz argen Streich. Im November 1805 wurde er eines Tages, indem er als politischer Raisonneur denuncirt worden, aufgehoben und unter die Recruten gesteckt. Erst den Bemühungen seiner Freunde, vornehmlich aber jenen der Fürstin Schwarzenberg gelang es, ihn durch den Beweis seiner Unschuld zu retten. In Wien wurde M. auch mit dem eben damals anwesenden Bildhauer [420] Ant. Canova [Bd. II, S. 251] bekannt. für den er das für die Erzherzogin Christine bestimmte Denkmal in Umrissen radirte. Durch diese Arbeit wurde der berühmte Bildhauer Zauner auf ihn aufmerksam, und über dessen Antrag übernahm er den Stich des Denkmals auf Kaiser Joseph II., welches eben Zauner vollendet hatte[WS 2]. Es ward ihm dafür ein Honorar von Tausend Gulden ausgesetzt. Zehn Monate arbeitete er auf das Fleißigste mit der Radirnadel an diesem Blatte. Nachdem er damit fertig geworden, befiel ihn das Nervenfieber, das ihn auch schon in wenigen Tagen – im Alter von 24 Jahren – dahinraffte. Mit M. erlag ein schönes Talent, das Bedeutendes zu leisten versprach, einem frühzeitigen Tode. Die Zahl seiner radirten und gestochenen Blätter beträgt zwar nur 45 Stück, jedoch in Berücksichtigung seines frühen Todes und daß er überdieß viel malte und zeichnete, eine nicht zu kleine Zahl. Seine vorzüglichsten[WS 3] Blätter sind: „Lavater“, ganze Figur mit Hut und Stock, das Blatt (in Fol.) ist seinem Gönner, dem oberwähnten Pfarrer Veith, gewidmet, es gibt davon auch Abdrücke vor der Schrift; – „Antonio Canova“, in Folio und in Octavformat, von beiden gibt es Abdrücke vor der Schrift; – „Johannes von Müller“ (8°.); – „H. Lips“, kurz vor seiner Abreise von Zürich nach Wien, im Jahre 1802, vollendet; – „Die heilige Familie“, nach J. Heinz (Fol.); – der schon oberwähnte[WS 4]Triumph des Amor“ nach Dominichino, im ersten Drucke mit der Widmung an Erzherzog Karl, im zweiten an seine Freunde und Gönner; – „Eine Sybille“, nach Cangiasi; – „Die streitende Kirche“ (Fol.); – „Zwei Vignetten auf Lavater’s Tod; – „Das Mausoleum der Erzherzogin Marie Christine“, nach Canova’s Sculptur (gr. Fol.), es gibt davon Abdrücke in bloßem Umrisse und andere in aquatinta; – „Die Reiterstatue des Kaisers Joseph II., nach Zauner’s Standbild (gr. Royal-Qu. Fol.), radirt. Das Blatt, das nicht in den Handel kam, ist selten, Abdrücke vor der Schrift sind sehr selten. Außerdem vollendete er Köpfe nach Guido Reni, B. Bossi, Boissieux u. A., Bücherkupfer, Vignetten, Figuren u. dgl. m., in 8°., 4°. u. Fol. Von seinen Gemälden sind außer der schon erwähnten meisterhaften Copie der Isabella d’Este nach Tizian anzuführen: das „Bildniss des Malers Billweiler“; – ein anderes des „Astronomen Vegelin“; – „Ein reichgelockter Junge“; viele Bildnisse in Oel und in Miniatur, die sich im Privatbesitze befinden. Ungemein reich war des Künstlers Nachlaß, den der unermüdete Sammler R. Weigel in Leipzig erwarb. Derselbe besteht aus 471 Blättern, darunter meisterhaft gearbeitete anatomische Studien, Bildnisse berühmter Personen, Landschaften, Scenen des gemeinen Lebens u. s. w. in der mannigfachsten Weise ausgeführt, von den frühesten Versuchen beginnend und mit den in musterhafter Weise vollendeten Blättern schließend. Diese werthvolle Sammlung, einzig in ihrer Art, umfaßt drei große Foliobände. Noch sei bemerkt, daß Billweiler nach ihm mehrere Bildnisse von Wiener Künstlern geätzt habe. M. war ein Künstler in der vollen Bedeutung des Wortes. In seinen Gemälden, an denen Einige zu große Weichheit, die fast in Verschwommenheit ausartete, tadeln, bekundet sich ein mit großen Meistern vertrauter Sinn, feine Beobachtungsgabe und gutes Farbenstudium. Seine gestochenen Blätter, die [421] sich in Abdrücken vor und nach der Schrift, in Abdrucken auf weißem und farbigem Papiere, und in den verschiedensten Formaten finden, verrathen eine sichere, gewandte Hand, die jeden Gegenstand in charakteristischer Weise auszuführen verstand.

Veith (J. W.), Notizen aus dem Leben von J. Merz (Tübingen 1810, 8°., mit dem Bildnisse des Künstlers). – Bertuch (Karl), Bemerkungen auf einer Reise aus Thüringen nach Wien 1805, 2 Hefte (Weimar 1808, 8°.) Heft I, S. 102. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, Fleischmann. 8°.) Bd. IX, S. 156. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortges. von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 79. – Porträte. 1) H. Lips sc. (12°.); – 2) Merz p., H. Lips sc. (8°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Zu dieser Person gibt es Band 16, S. 252 f., einen 2. Artikel.
  2. Vorlage: hattte.
  3. Vorlage: vorzüglichlichsten.
  4. Vorlage: oberwähte.