BLKÖ:Nostitz-Rieneck, Albert Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Nosslopy, Sigmund
Band: 20 (1869), ab Seite: 390. (Quelle)
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Nostitz-Rieneck, Albert Graf[BN 1] (Staatsmann, geb. in Böhmen 23. August 1807). Ein Sohn des Grafen Johann Nepomuk (gest. 1840) aus dessen zweiter Ehe mit Antonia Gräfin Schlik. Der Graf widmete sich nach in Prag beendeten rechts- und staatswissenschaftlichen Studien dem Staatsdienste in der politischen Sphäre und trat im Jahre 1828 als Conceptspraktikant bei dem böhmischen Gubernium ein. Im Jahre 1834 wurde er unbesoldeter überzähliger Kreiscommissär und bekleidete dieses Amt bis zum Jahre 1840, in welchem er den Staatsdienst verließ, um seinem Vater in der Verwaltung der Güter zur Seite zu stehen. Im böhmischen Landtage gehörte er vor 1848 unter Leitung des Grafen Deym zur Opposition. Schon im Jahre 1842 wurde er zum Vorsitzenden im böhmischen Landesausschusse gewählt und versah diese Stelle bis zum Jahre 1861, in welchem die Umgestaltung des Ausschusses stattfand. In der Zwischenzeit wurde er im Jahre 1848 in die außerordentliche, aus 30 Mitgliedern zusammengesetzte Commission berufen, welche Graf Stadion als damaliger Gubernial-Präsident angeordnet hatte, damit diese das erforderliche Material zur Lösung der Zeitfragen bei Ertheilung neuer Institutionen zusammenstelle; auch wurde er im Mai d. J. zugleich mit Dr. Rieger von Leo Grafen Thun, damaligen Gubernial-Präsidenten, mit Vorlagen wichtiger, das Land betreffender Entschließungen an das kaiserliche Hoflager in Innsbruck entsendet. In den Jahren 1848 und 1849 wirkte er bei den Berathungen wegen Einführung der neuen politischen Organisation eifrig mit. Nicht minder war er bei den Arbeiten über die Grundentlastung thätig und wurde nach deren Beendigung zum Präsidenten-Stellvertreter des Grundentlastungsfondes ernannt. Im Jahre 1853 war er Mitglied der Commission, welche die böhmische Statthalterei zum Entwurfe eines neuen Jagdgesetzes einberufen, und im folgenden Jahre entwickelte er große Thätigkeit im Ausschusse zur Unterstützung der Armen, der in diesem Jahre zur Abwehr der eingetretenen Hungersnoth von der Statthalterei gebildet worden. Als im Jahre 1859 der italienische Krieg ausbrach, war er als Geschäftsführer im Verein zur Bildung von Freiwilligen thätig. Als dann nach beendigtem Kriege mit kais. Patent vom 5. März 1860 die Verstärkung des Reichsrathes angeordnet und unter gleichem Datum die außerordentlichen Reichsrathe einberufen wurden, fiel für Böhmen die Wahl auf den Grafen Albert, dem in dieser Versammlung auch die Stelle des Präsidenten-Stellvertreters übertragen wurde. Im verstärkten Reichsrathe [392] betheiligte sich der Graf in den Debatten über die wichtigsten Fragen und stimmte in den denkwürdigen Verhandlungen über die künftige Organisation des Reiches im Gegensatze zu der ein einheitliches Gesammtösterreich anstrebenden Minorität mit der ungarischen separatistischen Majorität. [Vergleiche zum Verständnisse des hier berührten Vorganges die Biographie von Franz Hein [Bd. VIII, S. 215 u. f.] Im Jahre 1861 wurde er von Seite des Großgrundbesitzes in den böhmischen Landtag gewählt und bald darauf zum Oberstlandmarschall von Böhmen ernannt. Im böhmischen Landtage wurde er Präsident desselben und auch in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes gewählt. Als aber in der Sitzung vom 7. November 1861 sein Gesuch um ausgedehnte Urlaubsbewilligung von dem Abgeordnetenhause verworfen wurde, legte der Graf sein Mandat nieder. Während seiner Wirksamkeit im Reichsrathe betheiligte sich der Graf nur in der Debatte über die Lehenallodialisirung. Als böhmischer Landtags-Präsident kam er mit Minister Ritter von Schmerling in Conflict, als er im Landesausschusse dem Antrage, eine Dankadresse an Se. Majestät den Kaiser für die Verleihung der Verfassung vom 26. Februar 1861 zu richten, seine Unterschrift versagte. Der aus diesem Anlasse zwischen dem Grafen und dem Minister geführte Briefwechsel kam in die Oeffentlichkeit, das von dem Ersteren bei dieser Gelegenheit beigelegte Entlassungsgesuch von seinem Amte wurde aber abgelehnt. Erst im folgenden Jahre wurde der Graf mit Allerh. Entschließung vom 21. Juli über sein Ansuchen von dem Posten des Oberstlandmarschalls von Böhmen in Gnaden enthoben, im Jahre 1867 aber neuerdings zu derselben Würde berufen. Nebenbei sei noch bemerkt, daß der Graf durch mehrere Jahre im Auftrage des Landesausschusses die Intendanz des ständischen Theaters in Prag leitete. Schon im Jahre 1861 erhielt der Graf die geheime Rathswürde, bald darauf das Comthurkreuz des Franz Joseph-Ordens, ferner ist er Ehrenritter des Johanniter-Ordens, Ehrenbürger von Prag, Stellvertreter des Generaldirectors der böhmischen Hypothekar-Landesbank, Präsident des Prager Musikconservatoriums und außerdem wirkliches und wirkendes Mitglied verschiedener Wohlthätigkeits-, Unterstützungs- und humanistischer Vereine. Der Graf, zur Zeit Chef des jüngeren Zweiges der Linie Nostitz-Rieneck, ist (seit 24. Februar 1862) mit Adele gebornen Freiin von Puteani, verwitweten Gräfin von Sweerts-Spork (geb. 26. März 1823), Sternkreuz-Ordensdame, vermält, aus welcher Ehe jedoch bisher keine männlichen Nachkommen, sondern nur eine Tochter, Gräfin Maria Antonia Gabriele (geb. 31. Jänner 1863), vorhanden ist.

Verhandlungen des österreichischen verstärkten Reichsrathes 1860. Nach den stenographischen Berichten (Wien 1860, Fr. Manz, 8°.) Bd. II, S. 390 [biographische Notiz]; S. 410 [Uebersicht seiner Thätigkeit in diesem Reichstage]. – Slovník naučný. Red. Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladisl. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 883, im Artikel über die Familie Nostitz. – Pester Lloyd (polit. Blatt) 1862, Nr. 109. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. 132; Correspondenz aus Prag; 1862, Nr. 128, im Leitartikel. – Neue freie Presse 1868, Nr. 1484, in der Rubrik: Eingesendet. – Porträt. Nach dem Leben lithogr. und herausgegeben von Ed. Kaiser. Brustbild (Wien, Kaiser’s Selbstverlag, Halb-Fol.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. Nostitz-Rieneck, Albert Graf [Bd. XX, S. 391], gestorben 25. Jänner 1871.
    Graf Albert Nostitz, † 25. Jänner 1871 (Wien 1871, Alex. Eurich, gr. 8°., 15 S.). [Bd. 28, S. 367.]