BLKÖ:Palma, Karl Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Palm, Johann Philipp
Nächster>>>
Palme, Alois
Band: 21 (1870), ab Seite: 243. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 100384676, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Palma, Karl Franz|21|243|}}

Palma, Karl Franz (gelehrter Jesuit, geb. zu Rosenberg in Ungarn 18. August 1735, gest. zu Pesth 10. Februar 1787). Nach de Luca wäre Palma’s richtiger Name Palm; denn er stamme aus dem in Deutschland bekannten Palm’schen Rittergeschlechte; da es aber in Ungarn Sitte, die deutschen Namen entweder ungarisch oder lateinisch zu enden, so habe sich Palm auch Palma genannt. So de Luca. Es ist möglich, daß Palma von den deutschen Palm abstammt; gewiß ist es, daß in Ungarn eine Familie Palma, zu welcher eben Karl Franz gehört, noch existirt. Karl Franzens Neffe Joseph Franz hatte einen Sohn Alexander (geb. 1782, gest. 1849), der aus zweiter Ehe mit Maria Gelle eine Tochter Maria, in seinem Todesjahre, am 20. August 1849, geboren, hinterließ, welche noch lebt. – Karl Franz trat im Jahre 1740, 15 Jahre alt, in die Gesellschaft Jesu, beendete zu Kaschau und Wien die philosophischen und theologischen Studien und wurde dann im Lehramte verwendet. Solches versah er durch zehn Jahre im Convicte zu Tyrnau und seit 1771 in der Theresianischen Ritter-Akademie. Nach Aufhebung des Ordens wurde P. zum Hofcaplan der Erzherzogin Maria Christine ernannt, im Jahre 1776 wurde er Domherr des Capitels zu Kalocsa, bald darauf Propst des h. Paul zu Vach, im Jahre 1779 Großpropst, Weihbischof von Colophon, Sufragan zu Kalocsa und am 20. Juli 1784 Generalvicar, als welcher er zu Pesth im Alter von 52 Jahren starb. P. beschäftigte sich schon, als er an der Theresianischen Ritter-Akademie lehrte, mit geschichtlichen Arbeiten, später als Hofcaplan widmete er seine ganze Muße denselben. Er hat im Drucke herausgegeben: „Specimen Heraldicae Hungariae Regni Provinciarum Nobiliumque Scuta complectens“ (Viennae 1766, Trattner, 4°., cum fig.); – „Notitia rerum Hungaricarum ab origine ad nostram usque aetatem“, tomi 3 (Tyrnaviae 1770; neue durchges. Aufl. ebd. 1770; dritte, vom Autor durchges. u. verm. Aufl. Pesth 1785, 8°.); Gräffer schreibt darüber, „daß es bekanntlich eines der trefflichsten Compendien von classischer Latinität“ sei, ein J. N. Sch. gab darnach in deutscher Sprache einen „Vollständigen Auszug“ (Schemnitz 1790, 8°.) in einem Bändchen heraus; – „Abhandlung von Titeln und Wappen, welche Maria Theresia als apostolische Königin von Ungarn führet“ (Wien 1774, mit 2 geneal. Taf, 8°.), darin sucht P., S. 33–50, das Recht der Kaiserin auf verschiedene, ehedem von Ungarn abhängige Provinzen, insbesondere auf Galizien und Lodomerien, darzuthun; – auch gab er des Grafen Rudolph Coronini „Specimen genealogico-prognologicum ad illustrandam Habspurgo Lotharingicam Prosapiam“, das zuerst im Jahre 1770 zu Venedig erschienen war, mit zahlreichen neuen Zusätzen und bis auf seine Zeit fortgeführt (Wien 1773, 8°.; 1774, Fol., Trattner), heraus; P. sucht darin zu beweisen, daß die Geschlechter Habsburg und Lothringen eines und desselben Ursprungs sind. J. N. Stöger führt unter Palma’s Werken noch das folgende an: „De veteri instituto rei militaris“. Pars I (Kereszturi 1790), welches also dem Druckjahre 1790 zu [244] Folge nach Palma’s Tode erschienen ist: aber sowohl diesem Umstande und noch mehr dem Gegenstande nach, den das Werk behandelt, möchte diese Angabe ein Irrthum sein.

Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1855, Lex. 8°.) p. 250. – Fejér (Georgius), Historia Academiae scientiarum Pazmaniae Archi-Episcopalis ac M. Theresianae regiae literariae (Budae 1835, 4°.) p. 85. – Horányi (Alexius), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Viennae 1776, A. Loewe, 8°.) Tomus III, p. 3. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig, G. Fleischer, 8°.) Bd. X, S. 275. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) II. Bds. 1. Stück, S. 1. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 146 [nach dieser geb. am 28. August 1735, die übrigen Quellen geben übereinstimmend den 18. August an]. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Moriz Ráth, 8°.) Bd. IX, S. 88.