BLKÖ:Perger, Sigmund Ferdinand von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 22 (1870), ab Seite: 13. (Quelle)
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Perger, Sigmund Ferdinand von (Maler, Zeichner und Kupferstecher, geb. zu Wien 17. August 1778, gest. ebenda im Jahre 1841). Sein Vater, ein Freund der Kunst und selbst Künstler, gab ihm die erste Anleitung im Zeichnen, wozu der Knabe Talent und Liebe zeigte. Nun wurde er zur weiteren Ausbildung in die k. k. Akademie der bildenden Künste geschickt. Nachdem er dieselbe mehrere Jahre besucht, erhielt er im Jahre 1798, damals 20 Jahre alt, bereits eine Anstellung als Zeichner in der k. k. Porzellan-Manufactur, in welcher er während eines Zeitraums von 11 Jahren bedienstet blieb und viele Gefäße und Tafeln mit historischen Darstellungen schmückte. In seinem Drange nach weiterer künstlerischer Ausbildung und in der Absicht, eine Reise nach Italien zu machen, bat er, 1810, um seine Entlassung, die vortheilhaften Anträge ablehnend, welche ihm die Direction, um ihn der Anstalt noch ferner zu erhalten, gemacht hatte. Nach beendeter Kunstreise vollendete er mehrere historische Bilder, stach auch einige Blätter mit historischen Scenen, und nachdem er im Auftrage des k. k. Oberststallmeisteramtes mehrere Bildnisse von ausgezeichneten Pferden des kaiserlichen Marstalls zur Zufriedenheit ausgeführt, eine Folge derselben auch in Kupfer gestochen, erhielt er im Jahre 1817 die Stelle eines k. k. Hof-Thiermalers. Im Jahre 1825 wurde er zum zweiten Custos an der k. k. Gemäldegallerie im Belvedere ernannt, welche Stelle er bis an seinen 1841 im Alter von 63 Jahren erfolgten Tod bekleidete. P. war auf vielen Gebieten der Kunst: als Historien-, Bildniß-, Thiermaler, als Zeichner – in dieser Richtung leistete er unbedingt das Vorzüglichste – und als Kupferstecher thätig. Im Malen und Kupferstechen hatte er keinen Meister gehabt. Von seinen größeren Arbeiten in Oel sind anzuführen: „Eukles eilt mit der Nachricht des Sieges von Marathon nach Athen und bricht bei Verkündung der Botschaft sterbend zusammen“, dieses Bild war das erste, mit dem P. in der Ausstellung des Jahres 1809 vor das Publicum trat, demselben folgte im Jahre 1816: „Das Pferderennen von Kopcsán“, ein figurenreiches Bild; dann waren zu sehen in der Ausstellung des Jahres 1820: „Zwei Pferde im Kampfe“; – „Bella, Stute von englischer Race“, Umgebung, Garten und Schloß von Woltersdorf; – „Bildniss des Professors Franz von Perger“; – „Aly, Napoleon’s Schlachtpferd“; – „Bildniss des Feldmarschall-Lieutenants Radetzky“; – „Wilhelm von Albarock zwingt den König Alfred I. von England, eine seiner Töchter zur rechtmässigen Gattin sich zu wählen“; – 1824: „Die heilige Cäcilia“, nach Schäffer, Miniaturbild; – „Markgraf Leopold IV. schlägt (1125) die ihm angebotene Kaiserkrone aus“;– 1826: „Afrikanisches Pferd, von einem Tiger verfolgt“; – „Hasenjagd“; – 1828: „Ein Hohenauer Schiffsknecht“, kam in die k. k. Belvedere-Gallerie; – „Die Entführung des Ganymed“; – 1830: „Pferdestall“; – 1832: „Spielende Hengste von edler Race“; – „Pferdestall-Scene“; – „Wiener Theemädchen“; – 1834: „Homer, in Athen singend“; – 1835: Kaiser Rudolph I. an der Königstafel zu Achen und der Sänger“; – „Amor entflieht der Psyche“. Nach dieser Zeit hat P. nicht mehr ausgestellt. Das verdienstlichste Unternehmen des Künstlers ist die [14] von ihm in Verbindung mit dem Buchhändler C. Haas bewerkstelligte Herausgabe der Kunstschätze der Belvedere-Gallerie. Das Werk begann im Jahre 1820 zu erscheinen und wurde im Jahre 1833 vollendet. P. copirte für dasselbe mit großer Treue die hervorragendsten Gemälde dieser an Schätzen der Malerkunst aller Zeiten und Länder so reichen Gallerie, er führte sie anfänglich in Aquarell, später in Miniaturbildern aus und nach diesen Vorlagen wurden die Blätter von den besten Kupferstechern jener Zeit, von Blaschke, Passini, Axmann, Kovatsch, Krepp (24 Blätter) u. A. gestochen. Der Titel dieses noch heute geschätzten Kunstwerkes, von dem es auch wenige Prachtexemplare gibt, ist: „K. k. Bildergallerie im Belvedere zu Wien. Nach den Zeichnungen des k. k. Hofmalers Sigmund von Perger, in Kupfer gestochen von verschiedenen Künstlern. Mit französischem und deutschem Texte. 4 Bände in 60 Lieferungen mit 240 K. K.“ (Wien 1821–1831, schm. gr. 4°.), ursprünglicher Preis 120 Thaler, Prachtausgabe 240 Thaler, jetzt mit stark herabgesetztem Preise, aber nicht häufig. Außerdem gab er noch folgende Suiten in punctirten und radirten Blättern heraus: „Scenen aus der Vaterlandsgeschichte“, Folge von 16 Blättern in Aquatinta mit Text (Wien 1813, Qu. Fol.), davon gibt es auch eine Ausgabe mit färbigen Abdrücken; P. war zu dieser Darstellung von Scenen aus der Geschichte der Babenberger durch Freiherrn von Hormayr angeregt worden; – eine Folge von 12 Pferdebildnissen (1812); – zwei Blätter Reiter-Kampfscenen. Von seinen übrigen gestochenen und radirten Blättern sind bemerkenswerth: „Romulus und Remus, von der Wölfin genährt“ (Qu. 4°.); – „Oedipus wird am Baum gehangen“ (4].); – „Das Pferderennen von Kopcsán“, nach dem von ihm selbst gemalten Oelbilde gestochen (gr. Qu. Fol.): – „Bildniss des Kaisers Franz I. von Oesterreich“, nach Heinke (Fol.), auch erste Drucke vor der Schrift. P. war, wie aus dem Vorstehenden erhellet, ein vielseitiger Künstler, der sich in kleineren Arbeiten heimisch fühlte, und dieselben mit seltener Sorgfalt und Liebe ausführte. Aber auch als Thier-, besonders Pferdemaler leistete er Treffliches. In Müller-Klunzinger’s „Die Künstler aller Zeiten und Völker“ ist Bd. III, S. 248, sein Monogramm angegeben.

(Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1804, September Nr. 105 u. 106; 1821, Nr. 49 u. 82, und 1822, Nr. 35 u. 41. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XI, S. 105. – Raczynski[WS 1], Geschichte der neueren deutschen Kunst. Uebersetzt von Ferd. Heinr. von der Hagen (Leipzig 1836, gr. 4°.) Bd. II, S. 605. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. III, S. 165. – Oesterreichische National-Encyklopädie Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 179. – Kataloge der Jahres-Ausstellungen in der Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien, 1820, 1822, 1824, 1826, 1828, 1830, 1832, 1834 u. 1835. – Porträt. Der Künstler hat sich selbst in Oel gemalt und dieses Porträt in der Kunstausstellung vom Jahre 1820 ausgestellt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Atanazy Raczyński (Wikipedia).