BLKÖ:Pessina von Czechorod, Ignaz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pessiak
Band: 22 (1870), ab Seite: 53. (Quelle)
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Pessina von Czechorod, Ignaz (Arzt, geb. zu Kosteletz in Böhmen 1. April 1766, gest. zu Wien 24. Februar 1808). Ob er, ungeachtet des gleichlautenden Prädicates von Czechorod, derselben böhmischen Familie entstammt, welcher der im 17. Jahrhunderte durch seine große Gelehrsamkeit ausgezeichnete Johann Thomas [s. d. Qu. S. 57, Nr. 3] angehört, ist schwer zu sagen; ebenso, ob er sich des Prädicates von Czechorod selbst bediente. Hie und da erscheint er mit demselben, hie und da einfach als Pessina. Denn die Behauptung der „Oesterreichischen Annalen“ 1808, Juli. Intelligenzbl. Sp. 13, welcher zu Folge er aus des bedeutenden Historikers Geschlecht abstammen soll, ist ebenso wenig ein Beweis, als sich die Vererbung des Adels von einem Geistlichen erklären läßt. Ignaz entschied sich, nachdem er die philosophischen Studien in Prag beendet, für die Medicin und begab sich zu diesem Zwecke nach Wien. Daselbst zeichnete er sich auf dem anatomischen Theater durch eine solche Gewandtheit aus, daß ihm die Stelle des Prosectors verliehen wurde. Zugleich gab er an der Hochschule Wiederholungsstunden aus der Anatomie, während er sich selbst für das medicinische Doctorat vorbereitete, das er im Jahre 1795 erlangte. In der nächsten Zeit. 1796 und 1797, war er als Assistent des Professors Prochaska für Anatomie und Physiologie, und als anatomischer Demonstrator an dem Wiener k. k. Thierarznei-Institute thätig. Im Jahre 1798 wurde P. Professor an demselben und leitete bereits damals die Angelegenheiten der Anstalt, wenngleich er erst nach Knobloch’s Pensionirung zum wirklichen Director derselben ernannt worden. Neben der Directorstelle versah er jedoch auch die erste Professur und ging aus seiner Schule eine Reihe von tüchtigen Thierärzten hervor, welche theils vom Staate angestellt, theils in Privatdienste aufgenommen, die Veterinärkunde ungemein in Aufnahme brachten. Ein besonders wichtiges Moment seiner Thätigkeit ist die Einführung der Schafpocken-Impfung, die durch ihn begründet worden und für den Wohlstand der Viehzüchtler von großem Einflusse war. Noch bekannter und [54] selbst im Auslande verbreitet wurde sein Name durch die von ihm zuerst gegen die Viehpest angewendete eisenhaltige Salzsäure, über welche er auch eine kleine Monographie veröffentlichte, unter dem Titel: „Anleitung zur Heilung der Viehpest mittelst der eisenhaltigen Salzsäure“ (Wien 1802; Nachdruck: Leipzig und Rostock 1807 und 1811, 8°.). Bis zu seinem schon im Alter von 52 Jahren erfolgten Tode wirkte P. auf das Verdienstlichste an dem seiner Leitung anvertrauten Institute, in dessen Geschichte sein Name einen bleibenden Ehrenplatz einnehmen wird. Nach seinem Tode erst erschien seine zweite, besonders für Hyppologen wichtige Schrift: „Ueber die Erkenntniss des Pferdealters aus den Zähnen“ (Wien 1811 und 1813; neue unv. Auflage mit 9 K. K. ebd. 1824, Schaumburg u. Comp., gr. 4°.), wovon eine bildliche Zusammenstellung auf einem colorirten Royal-Folioblatte mit Zusätzen von G. Kirtland im Jahre 1822 im Weimarer Industrie-Comptoir erschienen ist. P. war in Anerkennung seiner Verdienste zum Hofthierarzte ernannt und von der kön. sächsischen ökonomischen Gesellschaft in Leipzig unter die Zahl ihrer Mitglieder aufgenommen worden.

Neue Annalen der Literatur des österreichischen Kaiserthums (Wien, Ant. Doll, 4°.) II. Jahrg. (1808), Intelligenzblatt des Monats Juli, Sp. 13. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, A. Strauß, 4°.) Jahrg. 1808, Nr. 4, S. 32. – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1830, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. II, S. 166. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 183. – Biographisch-literarisches Lexikon der Thierärzte aller Zeiten und Länder u. s. w. Gesammelt von G. W. Schrader, vervollständigt und herausgegeben von Dr. med. Eduard Hering (Stuttgart 1863, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) S. 319 [daselbst sein Bildniß im Holzschnitt nach einem von Professor Prochaska im J. 1800 gemalten Porträt]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. III, S. 444 [daselbst erscheint er als I. J. Pessina]. – In Kayser’s „Bücher-Lexikon“, Bd. IV, S. 321, erscheint der 18. Februar 1808 als P.’s Todestag.