BLKÖ:Pessina von Czechorod, Wenzel Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 22 (1870), ab Seite: 54. (Quelle)
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Pessina von Czechorod, Wenzel Michael (Domherr in Prag und geistlicher Schriftsteller, geb. zu Neuhradek in Böhmen 13. September 1782, gest. zu Prag 7. Mai 1859). In čechischen Werken erscheint der Name mit einem oben mit dem Häckchen bezeichneten š geschrieben. Die Gymnasial- und Humanitätsclassen besuchte Wenzel Michael in Königgrätz, die Philosophie und Theologie hörte er an der Prager Hochschule. Am 28. August 1807 erhielt er die Priesterweihe, dann ging er als Caplan in die Seelsorge nach Polna, wo er bis zum Jahre 1814 blieb und dort auch einige Zeit als Administrator der Dechantei wirkte. Am 11. December 1814 wurde er Pfarrer zu Kruczemburg, von wo er am 1. April 1819 auf die bessere Pfarre nach Blučin in Mähren übersetzt wurde, wo er zugleich die Schuloberaufsicht der Dechantei Auspitz zu besorgen hatte. Im Jahre 1832 als Domherr und čechischer Prediger an die St. Veiter Metropolitankirche im Prager Schlosse berufen, versah er diese Stelle bis an seinen Tod, indem er in der Zwischenzeit noch zum Consistorialrathe, zum ersten Custos der St. Veiter Kirche und infulirten Canonicus ernannt wurde. Am 13. September 1857 beging er unter der größten Theilnahme der Bewohner Prags in festlicher Weise seine Secundiz, welcher der Cardinal Erzbischof Fürst Schwarzenberg, der Bischof von Königgrätz [55] Dr. Hanl, das ganze Domcapitel von St. Veit, viele Prälaten und Priester von Nah und Fern, der Statthaltereirath Graf Wratislaw als Vertreter der Regierung, Bürgermeister Dr. Wanka und viele andere Personen aus allen Ständen beiwohnten. Unter den zahlreichen Festgaben wurde ihm ein prachtvoller Ornat von Sr. Majestät dem Kaiser Ferdinand, ein Kelch von der Nepomucäischen Häredität aus Mähren, eine goldene Halskette von dem Bischofe von St. Pölten, glänzend ausgestattete Glückwunsch-Adressen von dem Prager Stadtrathe, dem Prager Katholiken-Vereine, von der Gemeinde seines Geburtsortes Neuhradek u. s. w. überreicht. P. war als Priester ein Muster seines Standes, er förderte die nationale kirchliche und literarische Entwickelung seines Heimatlandes, zu deren Stützen in erster Reihe er gezählt wurde. Von früher Zeit her unterhielt er einen regen freundschaftlichen Verkehr mit den Vertretern dieser Richtung, u. A. mit Ziegler, Sedlaczek, Kinsky, Pospisil, Frau Rettig, und weckte, vornehmlich während seines Aufenthaltes in Mähren, den Sinn für die vaterländische Sprache und ihre Schriften in den seiner priesterlichen Thätigkeit anvertrauten Kreisen. Seine national-patriotische Gesinnung beurkundet sich in seinem Wahlspruche: „Bože zachovej nám krále“, der Himmel erhalte uns den „König“, den uns der „Časopis“ 1856, im 1. Hefte, mittheilt. Nach seiner Berufung auf die Domherrnstelle in Prag übertrug ihm das Consistorium die Redaction der die Interessen der katholischen Geistlichkeit vertretenden čechischen Zeitschrift „Časopis pro kat. duchovenstvo“, welche er durch 15 Jahre, von 1832 bis 1847, mit Umsicht und Eifer führte; auch besorgte er bis zum Jahre 1857 die Leitung der von dem Priester Anton Hanykiř [Bd. VII, S. 342] gegründeten Nepomucäischen Häredität mit solchem Erfolge, daß sich über seine Anregung zahlreiche Zweigvereine in den übrigen böhmischen, mährischen, slovenischen Diöcesen bildeten und die Verbreitung nützlicher wohlfeiler Schriften in čechischer Sprache, worin ein Hauptzweck dieses Vereines besteht, um viele Tausende sich vermehrte. Eine nicht geringere Wirksamkeit entfaltete er als Obmann der mährisch-schlesischen Landwirthschafts-Gesellschaft, des böhmischen Museums, des Vereins zur Hebung und Förderung der Kirchenmusik und vieler humanistischer Vereine, wie jener für Unterstützung und Unterricht der Blinden, Taubstummen u. dgl. m., welche er bei jeder Gelegenheit mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln unterstützte; er gehörte zu den ersten Gründern der „Matice česka“, der Nepomucäischen Häredität, des Vereins der hh. Cyrill und Method; in mehreren Städten Böhmens und Mährens gründete er Bibliotheken oder half sie gründen, und in der St. Veiter Metropolitankirche führte er die alten Adventsandachten und Kirchengesänge wieder ein. Ein anderes und nicht das kleinste Verdienst erwarb er sich um die Restauration der Prager Metropolitankirche, welche Idee er lange, bevor Jemand daran dachte, und zwar noch als Landpfarrer gefaßt, mit unerschütterlicher Consequenz gepflegt und im Stillen vorbereitet hatte, bis sich ihm endlich die Gelegenheit darbot, mit derselben hervorzutreten, worauf er seinen Eifer verdoppelte und Alles daran setzte, dieses Lieblingsproject seines Lebens zur Ausführung zu bringen, was ihm denn auch in glänzendster Weise gelang. Als Schriftsteller auf kirchlichem Gebiete [56] war er nicht minder thätig. In seiner Jugend veröffentlichte er kleinere Aufsätze, Gedichte und sonstige Artikel in den damaligen čechischen Blättern, später gab er mehrere selbstständige Werke heraus, darunter: „Vánoční kázaní ...“, d. i. Weihnachtspredigt (Prag 1839, 8°.); – „Kázaní na den jmena P. Marie“, d. i. Predigt am Marientage (ebd. 1839, 8°.); – „Kapitola hlavního chrámu sv. Víta za časů sv. Jana Nep.“, d. i. Das Capitel der Metropolitankirche St. Veit zur Zeit des h. Johannes Nepomuk (ebd. 1840, 8°.); – „Hrob sv. tři bratří v. Rejno-Koline“, d. i. Das Grab der h. drei Könige zu Cöln am Rhein (ebd. 1844, 8°.); – „Život a pocta P. Marie“, d. i. Leben und Verehrung der h. Maria (ebd. 1841), Uebersetzung eines deutschen Andachtsbuches von Silbert; – „Zdrávas María“, d. i. Ave Maria (ebd. 1841), auch nach dem Deutschen von Silbert; – „Život sv. Ludmily“ d. i. Leben der h. Ludmilla (ebd. 1850, 8°.); – „Obět mše svaté“, d. i. Andacht der h. Messe (ebd. 1850, 8°.); – „Svěceni na biskupství v církví katólické“, d. i. Die Bischofweihe in der katholischen Kirche (ebd. 1850, 8°.); – „Popsání hlav. chrámu sv. Vita“, d. i. Beschreibung der St. Veiter Domkirche (ebd. 1854, 8°.); – „Pišne o pouti k starobylému kostelu sv. Klimenta“, d. i. Kirchweihgesänge der alten St. Clemenskirche (ebd. 1857); – „Život sv. Jana Nep.“, d. i. Leben des h. Johann Nepomuk (ebd. 1857); in deutscher Sprache veröffentlichte er: „Biographien der hh. Landespatrone, deren hh. Leiber im Prager Dome verehrt werden“ (Prag 1857, 4°., mit Bildern), und zwar das Leben der h. Ludmilla in 7 Nummern, des h. Wenzel in 16 Nrn., des h. Veit in 13 Nrn., des h. Adalbert in 31 Nrn. und des h. Sigmund in 9 Nrn.; besorgte die Redaction der Festschrift: „Hlasy duchovenstva k. Ferd. i M. Anně“, d. i. Stimmen der Geistlichkeit zu Kaiser Ferdinand I. und Maria Anna (ebd. 1856), und die Ausgabe der Schrift: „Rorate nebo rádostné spěve adventní“, d. i. Rorate oder freudige Adventgesänge (ebd. 1839). So viele Verdienste fanden auch höchsten Ortes und von Seite seiner Mitbürger mehrfache Würdigung: bei Gelegenheit seiner priesterlichen Jubelfeier im Jahre 1857 erhielt er den Orden der eisernen Krone 3. Classe und mit Diplom vom 15. März 1858 den Ritterstand mit Wappen und Prädicat, welche schon zwei Jahrhunderte früher sein Namensträger Johann Thomas Pessina von Czechorod [s. in d. Qu. folg. S., Nr. 3] geführt hatte; früher schon, u. zw. im Jahre 1837, hatte ihn Kaiser Nikolaus I. mit einem Brillantringe beschenkt; die Städte Königgrätz und Polna hatten ihm ihre Ehrenbürger-Diplome geschickt und die Prager Universität ihm im Jahre 1848 die theologische Doctorwürde verliehen. Ein paar Jahre nach seinem im Alter von 77 Jahren erfolgten Tode bildete sich ein Comité, das sich zur Aufgabe stellte, ihm, „da er bei seiner unablässigen Wohlthätigkeit nur wenig hinterlassen“, aus Beiträgen seiner Freunde und Verehrer ein würdiges Grabdenkmal zu setzen.

Slovník naučný, Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 284, Nr. 3. – Jungmann (J.), Historie literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, Říwnáč, 4°.) Zweite, von W. W. Tomek besorgte Ausgabe, S. 609. – Neue Zeit (Olmützer polit. Blatt) 1857, Nr. 212. – Bohemia (Prager polit. und Unterhaltungsblatt, 4°.) 1861, Nr. 74, S. 689.