BLKÖ:Pivoda, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Piva, Giovanni
Band: 22 (1870), ab Seite: 377. (Quelle)
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Pivoda, Franz (Pianist und Tonsetzer, geb. zu Žeravice in Mähren 19. October 1824). Von früher Jugend an erhielt P. Unterricht im Gesange, der in seinem Geburtsorte sich besonderer Pflege erfreute. Im Alter von 10 Jahren kam er zu seinem Bruder Kaspar, der Lehrer in Butschowitz war und bei dem er auch Unterricht im Gesange und in der Musik erhielt. Zwei Jahre später, 1838, begab er sich nach Brünn, wo er das Gymnasium besuchte und zugleich als Vocalist bei St. Johann sang. Nun widmete er sich dem Lehramte und trat nach Ablegung der dazu erforderlichen Prüfung bei seinem Bruder als Hilfslehrer ein; aber die Musik wurde ihm bald so lieb und werth, daß er alles Andere stehen ließ und sich ihr ausschließlich widmete. Im Jahre 1844 begab er sich nach Wien, nahm bei Rotter Unterricht in der Harmonielehre, besuchte die Vorträge des Professors Drechsler, übte sich zugleich fleißig im Clavierspiele, worin ihm anfänglich sein Landsmann Anton Benda mit Rath und That an die Hand ging, später nahm er Stunden bei Halm und in den Jahren 1847 und 1848 bei Bocklet. Um diese Zeit versuchte sich P. zuerst in der Composition, zeigte einige seiner Arbeiten seinem Meister Bocklet, dessen Urtheil genug günstig lautete, um P. zur Fortsetzung im Componiren zu ermuntern. Im Sturmjahre 1848 setzte P. fleißig seine musikalischen Studien fort, in diesem Jahre aber begann auch seine nationale Richtung in der Musik. Für den čechischen Gottesdienst in Wien componirte er vierstimmige Gesänge und Chöre, welche von den čecho-slavischen Handwerkern in Wien, denen P. förmlich Gesangsunterricht ertheilte, vorgetragen wurden. Nicht mindere Thätigkeit entfaltete er in den slavischen Beseda’s als Dilettant des čechischen Theaters u. dgl. m. Im Jahre 1841 lernte P. den Meister des dramatischen Gesanges, Bassadonna, kennen, der ihn mit der Methode des italienischen Gesanges bekannt machte. Im Jahre 1853 trat er als Musiklehrer im Hause des Fürsten Khevenhüller ein und blieb auf diesem Posten bis zum Jahre 1860. In diese Zeit fällt ein großer Theil seiner Compositionen, welche aus einigen Tonstücken für das Clavier und aus deutschen und čechischen Liedern bestehen. Auch wurde er damals schon in den Kreisen des höheren Adels bekannt und in mehrere Familien als Gesangslehrer berufen. [378] In Sehnsucht nach seinem Heimatlande verließ P. im Frühlinge 1860 seine angenehme Stellung in Wien, und nachdem er noch ein Jahr in Ungarn im Hause des Grafen Crenneville Unterricht gegeben, begab er sich nach Prag, wo er seither als Lehrer und Componist fast ausschließlich nationalen Gesanges lebt. Er hat bereits eine große Anzahl Schüler, namentlich den Adelsfamilien angehörig, im Gesange ausgebildet. Die Zahl der von ihm bisher veröffentlichten Compositionen übersteigt etwas ein halbes Hundert, es sind meistens Compositionen von Gedichten čechischer Poeten oder von Volksliedern, von welch letzteren er eine Sammlung unter dem Titel: „Choix des plus belles chansons nationales de la Bohéme, transcrites pour le Pianoforte en forme de petits morceaux de salon“, Heft 1 bis 5 (Prag 1851–1863, B. Christoph und W. Kuhe) herausgegeben hat. Ein vollständiges Verzeichniß seiner čechischen Lieder-Compositionen enthält Franz Douha’s „Knihopisný slovník česko-slovenský“ (Prag 1864, I. L. Kober, 4°.), S. 176 u. 177. Von seinen deutschen Gesängen, welche in die erste Zeit seines Schaffens fallen, sind am bekanntesten die Composition des reizenden Gedichtes von Anastasius Grün: „Die Brücke“. Op. 6; – „Amaranths Waldeslieder von Oscar von Redwitz. Cyklus von sieben Liedern“, Op. 8; – „Herbstlied“, für Sopran oder Tenor; dasselbe für Alt oder Bariton, Op. 8; – „Herz und See, Gedicht von Redwitz“, für Sopran und Bariton; – „Wanderers Abendlied“, Op. 18; – „Waldlied von Tenner“, Op. 20. Von seinen Salonstücken sind anzuführen: „La belle Autrichienne. Morceau de Salon“, Op. 12; – „Fantaisie pour Piano. E-dur“, Op. 13, und „Le lever du Soleil. Pensée du Matin“, Op. 17. Noch ist zu erwähnen, daß P. zu den ersten Stiftern der Prager Künstler-Beseda gehört.

Slovník naučný, Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladislaus Rieger (Prag 1859, I. L. Kober, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 412.