BLKÖ:Pollhammer, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 23 (1872), ab Seite: 86. (Quelle)
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Pollhammer, Joseph (lyrischer Dichter, geb. zu Aussee in der Steiermark 20. Februar 1832). Sein Vater Anton war Postmeister zu Aussee, woselbst der Sohn den Elementarunterricht erhielt; im Jahre 1840 ging er nach Gratz, wo er bis 1850 das Gymnasium beendete, worauf er die Wiener Hochschule bezog und an derselben bis 1854 dem Studium der Rechte oblag, aus welchen er alsdann die Doctorwürde erlangte. Für die Advocatur sich entscheidend, trat er in Wien bei einem Advocaten in die Praxis und arbeitete daselbst als Advocaturs- und Notariatsconcipient bis zum Jahre 1864, in welchem er die Notarsstelle zu Gföhl in Niederösterreich erhielt. In dieser Eigenschaft ist P. zur Stunde noch in Gföhl, einem, in Niederösterreich an der Poststraße von Krems nach Zwettl gelesenen Marktflecken thätig. Aber nicht diese äußeren gewöhnlichen Lebensumstände sind es, welcher wegen P. eine Stelle in diesem Werke eingeräumt wird. Seine innere Entwickelung als Poet, als welcher er zu den besten des neuen Oesterreich zählt, macht ihn bemerkenswerth. Die erste Anregung zu poetischem Schaffen erhielt er von mehreren Freunden in Gratz, in Wien, unter denen vor Allem der durch seine in Gemeinschaft mit dem Naturforscher Schmarda gemachten Reisen in weiteren Kreisen bekannt gewordene Franz Ritter von Friedau, an den Pollhammer durch engere Freundesbande geknüpft ist, erwähnenswerth erscheint. Später als P. der Studien halber nach Wien übersiedelte, lernte er den Compositeur Dessauer, den Dramatiker Mosenthal, dann die unter dem Pseudonym Ernst Ritter als Dichterin geschätzte Frau von Binzer und durch diese Zedlitz und Grillparzer kennen. Besonders dieser letztere ist es, der in seiner bekannten theilnahms- und liebevollen Weise dem jungen geistbegabten Poeten entgegenkam und ihn, nachdem er seine Arbeiten kennen gelernt, zu fernerem Schaffen ermunterte. Das erste Gedicht, mit welchem P. in die Oeffentlichkeit trat, war „St. Salvador“ aus seinem größeren epischen Gedichte „Columbus“, es war in dem von Emil Kuh 1863 herausgegebenen „Dichterbuch aus Oesterreich“ abgedruckt. Bald darauf trat P. mit einer größeren Sammlung seiner poetischen Arbeiten, einfach betitelt: „Gedichte“ (Wien und Leipzig 1863, Hartleben, 8°.) hervor, welche in zwei Abtheilungen „Naturbilder“, „Blätter der Liebe“, „Sonette“, vermischte Gedichte und das größere epische Gedicht „Columbus“ enthält. Die Aufnahme dieser Dichtungen war in Oesterreich und Deutschland eine einstimmig anerkennende. Ein österreichischer Kritiker, der selbst zu den besten Dichtern Oesterreichs zählt, nennt [87] Pollhammer’s Gedichte in unserer bedrängten bedrängenden Zeit ein „schönes Wagniß“. „Dem Dichter Franz Grillparzer gewidmet“, schreibt Lorm, „und nach dem Widmungsgedicht zu schließen, auch von Zedlitz in dessen letzten Tagen mit Gunst betrachtet, tragen sie auch in der That nur den österreichischen Sangescharakter, nur ein wenig modificirt durch die Strenge der Zeit. Die gedankenlose Gemüthlichkeit hat sich hier in eine sinnvolle Heiterkeit verwandelt. Nicht philosophischer Tiefsinn lockt des Lesers Geist an den Rand der Abgründe, in die es, „reizend, sich hinabzustürzen“, aber eine Wehmuth, von welcher jene Heiterkeit zuweilen leise umschleiert wird, zeigt deutlich genug an, daß des Dichters Sendung, auch wenn er bald beruhigt und getröstet „der Gottheit Schrift“ in den Erscheinungen preist und wenn er „frohlockt“ über die Freuden der Erde, wie es Anakreon, Horaz und Hafis gethan, eine sehr ernste Sache ist, die nicht in leerer Heiterkeit allein ihr Genügen findet. Und die Strenge der Zeit, welche den echt österreichischen Charakter dieses Dichters modificirte ohne ihn zu beeinträchtigen, spiegelt sich auch in der Strenge der Form ab. Sie hält sich getreu an die besten deutschen Muster, um welche sich sonst gerade unsere specifisch „vaterländischen“ Dichter sehr wenig gekümmert haben. Platen’s Geist lächelt endlich unseren Gauen. In den „Naturbildern“ ist fast immer sehr glücklich das Schauspiel mit der Stimmung zu gegenseitiger Symbolik verschmolzen. ... Die „Blätter der Liebe“ enthalten viel Sinniges und Zartes. ... „Das Sonnett“ hält P. bei seiner alten lobenswerthen Bestimmung fest, den Sinn in eine überraschende Spitze ausgehen zu lassen, wozu mehr Geist gehört, als viele Verskünstler sich träumen lassen. In den „vermischten Gedichten“ sammeln sich noch einmal alle Lichtseiten dieses unstreitbar sinnigen Talentes“. Diese maßvolle und doch so warme Würdigung Lorm’s spricht genug für die poetische Bedeutung Pollhammer’s. Seit dem Erscheinen der „Gedichte“ ist P. mit keiner neuen Arbeit hervorgetreten. Wohl mögen die Geschäfte seines Berufes, in welchem er sozusagen, sich einen Wirkungskreis erst schaffen mußte, ihm nicht Zeit gelassen, sowie die politischen und kriegerischen Wirren, ihm alle Lust benommen haben, an eine Veröffentlichung dessen zu denken, was er mittlerweile unbeschadet der Zeiten Ungunst geschaffen und noch immer im Pulte verschließt. Es befindet sich darunter eine Reihe poetischer Phantasien, welche demnächst unter dem Titel „Visionen“ erscheinen sollen und eine größere poetische Erzählung, welche sich in des Dichters heimatlichen Bergen abspielt, deren letzte Gesänge aber P. auf den Rath Grillparzer’s, der noch immer den bescheidenen strebenden Dichter mit väterlicher Theilnahme in seinen Arbeiten fördert, einer Umarbeitung unterzieht.

Oesterreichische Wochenschrift. Beilage der amtlichen Wiener Zeitung (Wien, gr. 8°.) 1863, Bd. I, S. 741, im Aufsatze: „Lyriker aus Oesterreich“, von Hieronymus Lorm. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1864, S. 847. – Europa (Leipzig, schm. 4°.) 1863, Nr. 32.