BLKÖ:Punto, Johann Wenzel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pund, Franz
Band: 24 (1872), ab Seite: 81. (Quelle)
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Punto, Johann Wenzel (Waldhorn-Virtuos und Componist, geb. zu Žechužicz im Časlauer Kreise Böhmens im Jahre 1748, gest. zu Prag 16. Februar 1803). Sein eigentlicher Name war Johann Stich, den er dann italienisirte und sich als Punto einen bedeutenden Ruhm erwarb. Den ersten Unterricht im Gesange und in der Instrumentalmusik erhielt er in seinem Geburtsorte, wo sein Grundherr Johann Joseph Graf Thun auf den talentvollen Jungen aufmerksam wurde und ihn zu sich nach Prag nahm, wo er sich auf dem selbstgewählten Instrumente zur Virtuosität ausbildete. Daselbst war der Waldhornist Joseph Matiegka sein Lehrer, nun schickte ihn der Graf nach München zu dem berühmten Waldhornisten Sfindelarz und später nach Dresden, wo Anton Hampel und Karl Haudek seine Lehrer waren. Von Dresden kehrte Punto nach Prag zu seinem Gönner zurück, blieb daselbst drei Jahre, endlich aber von der Begierde, sich mit [82] seiner Kunst vor der Welt zu zeigen, getrieben, entwich er heimlich von Prag und trat nun als Virtuose Punto in den großen Städten Deutschlands, Ungarns, Italiens, Spaniens, Englands und Frankreichs auf. Bald galt er als der erste Künstler auf dem Waldhorn. Nun trat er in die Dienste des Fürstbischofs von Würzburg, an dessen Hofe er einige Jahre blieb. Von da ging er nach Paris und wurde mit der Zusicherung einer lebenslänglichen Pension Concertmeister bei dem Grafen von Artois, nachmaligen König Karl X. von Frankreich. In Paris befand sich P. noch zu Beginn der Revolution, dann ging er wieder auf Kunstreisen, besuchte Wien, wo er am 11. April 1800 ein Concert im Burgtheater gab, worin er mit Beethoven die von diesem für ihn componirte Sonate in F-dur für Horn und Clavier vortrug. Im folgenden Jahre gab er zwei Concerte im Theater an der Wien. Nach 33jähriger Abwesenheit besuchte er sein Vaterland Böhmen, wo er ebenfalls im National-Theater concertirte und mehrere eigene Compositionen vortrug. Als er darauf nach einem neuerlichen Kunstausfluge nach Paris von dort nach Prag zurückkehrte, erkrankte er daselbst im Herbste 1802 und erlag nach mehrmonatlicher Krankheit im Alter von 56 Jahren seinem Leiden. P. hat auch Mehreres für sein Instrument componirt, und zwar Concerte, Quartetten, Solo’s, Sonaten und andere Stücke, von denen folgende im Stiche erschienene bekannt sind: „III Quintetti à Corno 2do, Ob. o Fl., V., A. et B.“ (Paris, Leduc); – „VI Quartetti à Corno 2do, V. A. et B.“, Op. 1, 2, 3 (Paris, bei Sieber); – „XII petits Trios à 3 Corni“ (ebd.); – „XXIV petits Duos à 2 Corni“ (ebd. 1793); – „Duos d’Airs à 2 Cors“ (ebd. 1793); – „Concerto p. Corno primo in Es“ (ebd. 1793); – „III Quatuors favor. de l’Auteur p. Fl., V., A. et B.“. Op. 18 (ebd. 1796); – „Concerto p. Corno 2do“, Nr. 5 (Paris 1797, Pleyel); – „Concerto p. Corno 2do in D“, Nr. 6 (ebd. 1797); – „Concerto p. Corno 2do in F“, Nr. 7 (ebd. 1798); – „Etude pour le Cor“ (ebd. 1798, Leduc); – „Concerto p. Corno prinicp. av. accomp. à gr. Orchestre“ (ebd. 1800); – „XX Trios à 3 Cors“ (ebd. 1800); – „VIII Duos à 2 Cors“ (ebd. 1800); – „Etude ou Exercice journalier: Ouvrage periodique p. le Cor“ (ebd. 1800); – „VI Trios p. Fl. ou 2 V. et B.“ (ebd.); – „III Quintuors p. Cor., Fl. ou Hautb. V., A. et B.“ (1800); – „III Duos p. Cor et Basson“ (1802); – „Sextuor p. Cor., Clar., Basson, V., A. et C. B.“, Op. 34 (1802). Die Berühmtheit seines Namens hat bei Veröffentlichung einiger Tonstücke Anlaß zu Unfügen gegeben. So sind in Paris zwei Hornconcerte aus E als seine ersten Werke im Stiche herausgegeben worden, deren erstes von Karl Stamitz im Jahre 1770 für den Primhornisten Schön geschrieben, das zweite aber eine Composition des Capellmeisters Sterkel ist. Punto verwandelte später die Primapassagen des ersten Concerts für das Corno secondo und ließ es getrost unter seinem Namen stechen. Ebenso sind in den bereits angeführten „VI Quartetti à Corno 2do“, welche bei Sieber in Paris erschienen sind, zwei aus F von Rosetti, eines aus D von Jos. Michel und eines aus E von Dimmler. Ob es mit den übrigen, oben angeführten, unter seinem Namen erschienenen Compositionen ein ähnliches Bewandtniß hat, kann ich nicht sagen. Auch sei noch bemerkt, daß er eine Hornschule [83] seines Meisters Anton Jos. Hampel verbessert und unter dem Titel: „Methode pour apprendre facilement les Elemens des premier et second Cor aux jeunes Eleves ... composée par Hampel et perfectionnée par Punto“ in Paris bei Leduc im Jahre 1798 herausgegeben hat. Punto spielte auch vortrefflich die Violine. Er zählte zu den größten Künstlern seines Instrumentes, in Paris erregte sein Spiel 1778 Enthusiasmus. Hanslick bemerkt: „keine Nation hatte ihm einen ebenbürtigen Rivalen auf seinem Instrumente entgegenzustellen“. Der Cisterzienser des Stiftes Ossek, Joachim Cron, verherrlichte sein Andenken durch das Distichon: „Omne tluit punctum Punto, cui Musa bohema | Ut plausit viro, sic morienti gemit“. P. wurde auf dem Kleinseitner Friedhofe beerdigt und ihm daselbst ein Denkmal gesetzt.

Gerber (Ernst Ludw.), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, Kühnel, Lex. 8°.) Bd. IV, Sp. 281, unter Stich [nach diesem geb. zu Tetschen um das Jahr 1755]. – Dlabacz (Gottfried Johann), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, G. Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 209 u. f., unter dem Namen Stich. – Hanslick (Eduard), Geschichte des Concertwesens in Wien (Wien 1869, Braumüller, gr. 8°.) S. 118 u. 253. – Porträt. Cochin 1782 pinx., S. C. Miger sc. (12°.).