BLKÖ:Reuter, Jacob

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 25 (1873), ab Seite: 363. (Quelle)
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Reuter, Jacob (Techniker, geb. zu Isdebnik in Galizien 22. Mai 1800, gest. zu Wien 17. September 1863). Sein Vater war fürstlich Czartoryskischer Güterverwalter. Vater und Mutter waren Deutsche, und wenn er von ihnen deutsche Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit ererbte, so gab ihm, wie sein Nekrolog treffend bemerkt, sein Geburtsland jene Lebhaftigkeit des Temperamentes mit auf den Lebensweg, welche den Söhnen Polens eigen. Reuter beendete im Jahre 1815 die lateinischen Schulen am Lemberger Gymnasium und besuchte nach seiner im Jahre 1816 erfolgten Uebersiedlung nach Wien in diesem sowie in dem folgenden Jahre die Realschule zu St. Anna. Die Jahre 1818–1823 waren dem Studium am k. k. polytechnischen Institute gewidmet, woselbst sich Reuter tüchtige Kenntnisse in der gesammten reinen Mathematik, Maschinenlehre, praktischen Geometrie, der allgemeinen und speciellen Chemie und in der Physik aneignete. Nebstdem hörte er an der Universität den Curs über Landwirthschaftslehre. Am 1. December 1823 wurde Reutter Assistent der Technologie unter Professor Altmütter und verblieb in dieser Stellung bis zum 1. Juni 1827, wo er dem Professor Meißner als Assistent der Lehrkanzel für allgemeine technische Chemie beigegeben wurde. In den Jahren 1830 bis 1840 wirkte er als supplirender Professor der Waarenkunde, der Zoologie und Mineralogie am polytechnischen Institute, welches Lehramt er nach seiner im letztgenannten Jahre stattgefundenen definitiven Ernennung zum ordentlichen Professor bis zum 22. October 1847 fortführte. In dieser letztgenannten Zeitperiode führte R. die Leitung der drei österreichischen Gewerbe-Ausstellungen von 1835, 1839 und 1845. Seine umfassende Waarenkenntniß, sein geläuterter Geschmack, rascher und sicherer[WS 1] Ueberblick, wie nicht minder seine zähe Ausdauer und ungewöhnliche Thatkraft ließen ihn diese schwierige Aufgabe in tüchtigster Weise lösen. Für seine mühe- und opfervolle Thätigkeit bei den ersterwähnten beiden Ausstellungen ward ihm die allerhöchste Anerkennung zu Theil; im Jahre 1845 aber wurde er durch die Verleihung des Titels eines k. k. Rathes ausgezeichnet. Ueberdieß wurde ihm von Seite der Aussteller ein Ehrengeschenk, bestehend in einem prachtvollen silbernen [364] Pokale, nach einer Zeichnung von von der Nüll und Eduard Engerth, mit Beihilfe Adam Rammelmayer’s von Joseph Glanz ausgeführt, überreicht. Durch diese erfolgreiche Wirksamkeit hatte R. den Ruf einer Specialität und Autorität in Ausstellungsangelegenheiten erworben und wurde er daher von Seite der Staatsverwaltung wiederholt als Berichterstatter zu den französischen und als kaiserlicher Commissär zu anderen außerösterreichischen Ausstellungen abgeordnet; ferner nach Mainz im Jahre 1842, nach Berlin im Jahre 1844, nach München im Jahre 1854. Für die österreichische Industrie bei all’ diesen Anlässen mit gewohnter Gewissenhaftigkeit wirkend, benützte Reuter die günstige Gelegenheit, mit einer großen Anzahl technischer Celebritäten in Verbindung zu treten. Zu Anfang des Jahres 1837 erhielt R. die Mission, im technische» Cabinete Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand zu wirken, mit der Aufgabe, dem Monarchen abwechselnd mit dem nachmaligen Hofrathe Ritter von Burg die neuesten Erzeugnisse der Industrie vorzuweisen und zur Anschaffung für das Cabinet zu empfehlen. Im Jahre 1847 wurde Reuter zum ersten Custos des k. k. technischen Cabinets ernannt, welche Stellung er bis 1861 bekleidete, um von da ab als Vorstand der vereinigten technischen Sammlungen des Institutes und als Professor der mechanischen Technologie einen neuen Wirkungskreis zu betreten. Die Lehrkanzel der mechanischen Technologie, welche er bis zu seinem Ableben innehatte, nahm alle seine Kräfte auch über die festgesetzten Vorlesestunden vollständig in Anspruch, umsomehr, als R. bemüht war, seinen Schülern auch außer den vorgeschriebenen Unterrichtstagen dadurch Belehrung zu bieten, daß er mit ihnen Ausflüge zum Studium der Fabriks-Etablissements Wiens und der Umgebung unternahm. Nachdem die Studirenden der Technik ihn früher zum Protector ihres Gesang- und Kranken-Vereins erwählt hatten, gaben sie ihren Gefühlen für den verehrten Lehrer noch durch eine zu Ende des Schuljahres 1862 ihm überreichte Dankadresse den lebhaftesten Ausdruck. Neben dieser amtlichen Thätigkeit entwickelte aber R. eine andere, nicht minder wichtige und einflußreiche. Alle Zeit, die ihm sein Lehrberuf übrig ließ, widmete R. seinem Lieblingskinde, dem niederösterreichischen Gewerbe-Vereine, an dessen Wiege er gestanden. Er hat den Verein nicht nur mit in’s Leben gerufen, sondern auch seit der Gründung desselben durch acht Jahre als erster Secretär dessen Geschäfte geleitet; nicht minder wirkte er später als Mitglied des Vereins und betheiligte sich stets bei der Verhandlung der zahlreichen, in demselben erörterten wichtigen Fragen. Die Archive und Druckschriften des Vereins geben oft genug Zeugniß von Reuter’s schaffendem Geiste, seine Wirksamkeit ging weit hinaus über die engen Grenzen der Theorie; sie erstreckte sich über das große Gebiet des praktischen Gewerbelebens, welches viele seiner Fortschritte dem nimmerruhenden Feuereifer Reuter’s zu danken hat. Darunter sind besonders hervorzuheben seine mit Erfolg gekrönten Bemühungen zur Vervollkommnung der Construction von Sicherheits-Schlössern und insbesondere sein Wirken zur Hebung der Flachs- und Hanfcultur und Industrie; für diesen letzteren, der Bodencultur wie dem Gewerbebetriebe gleich wichtigen Theil der Volkswirthschaft war Reuter unablässig und vornehmlich in den Sommermonaten 1860 im Banate mit wahrhaft apostolischem [365] Eifer thätig. Sich nicht allein mit wirkungsvollen Standreden für die Einführung einer rationellen Bereitungsmethode begnügend, zog er selbst hinaus in die flachs- und hanfbauenden Provinzen, um alle Welt zu der von ihm als richtig anerkannten Lehre zu bekehren. Der neu aufgetauchten, ebenfalls Ackerbau und Industrie berührenden Fabrication von Papier aus Maisstroh widmete er, namentlich in dem letzten Jahre seines Lebens die größte Aufmerksamkeit. Im Vereine mit dem Director der k. k. Staatsdruckerei und der k. k. Papierfabrik zu Schlöglmühle, seinem Freunde, dem Hofrath Ritter von Auer, pflog er die eingehendsten Erhebungen und unternahm die umfassendsten Versuche. Und ebenso günstige als überraschende Resultate waren die Frucht dieser vereinten Bemühungen. Die vielen und hervorragenden Verdienste Reuter’s um die Industrie im Allgemeinen und den niederösterreichischen Gewerbe-Verein insbesondere veranlaßten den Letzteren im Jahre 1857 auf Spoerlin’s Antrag, Reuter die höchste, ihm zu Gebote stehende Auszeichnung, die große goldene Medaille zu verleihen. Andere Auszeichnungen wurden ihm von jenen Regierungen, bei deren Ausstellungen R. als kaiserlicher Commissär accreditirt war; so verlieh ihm der Großherzog von Hessen das Ritterkreuz I. Classe des Ludwig-Ordens, der König von Preußen den rothen Adler-Orden III. Classe und der König von Bayern das Ritterkreuz des Verdienst-Ordens der bayerischen Krone. Die Ausstellung in München bot, wie s. Z. die Wiener, den österreichischen Theilnehmern neuen Anlaß, ihrem wackeren Vertreter durch eine reiche Ehrengabe zu danken. Und als anläßlich seines Ablebens der österreichische Gewerbe-Verein des Verblichenen in ehrenvollster Weise gedachte, wurde durch einen Beschluß der Versammlung der Verwaltungsrath des Vereins ermächtigt, das Andenken Reuter’s durch Aufstellung seiner Büste oder seines Bildnisses in den Localitäten des Vereins, als dem Schauplatze seiner verdienstvollen Thätigkeit, zu ehren und späteren Generationen zu überliefern. R. ruht auf dem Schmelzer Friedhofe in seiner Familiengruft bestattet.

Zimmermann (Carl), Jacob Reuter. Ein Nekrolog, in der Monats-Versammlung des niederösterreichischen Gewerbe-Vereine vom 20. October 1863 vorgetragen (Wien 1863, Gerold, 8°.). – Der Satellit. Conversationsblatt zur Kronstädter Zeitung (Kronstadt, 4°.) XVII. Jahrg. (1856), Nr. 41: „Ein volkswirthschaftlicher Apostel“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1863, Nr. 257. – Porträte. 1) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges J. Reuter. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen (8°., sehr ähnlich); – 2) Lithogr. von Eybl (kl. Fol., Wien, Leykam[WS 2]).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: sicherrer.
  2. Vorlage: Leykum.