BLKÖ:Meißner, Paul Traugott

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 309. (Quelle)
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Meißner, Paul Traugott (Naturforscher und Erfinder der nach ihm benannten „Meißnerischen Heizung“, geb. zu Mediasch in Siebenbürgen 23. März 1778, gest. zu Neuwaldegg bei Wien 9. Juli 1864). Ein Sohn des Mediascher Stadtchirurgen; der Vater starb bald, und der Stiefvater ließ Meißner, nachdem er die Elementarschule vollendet, im Jahre 1793 als Lehrling in eine Apotheke in Schäßburg eintreten. Daselbst zeigte sich M., überhaupt in Ausführung chemischer Operationen, sehr anstellig und gewann dadurch ganz insbesondere die Zuneigung seines Lehrherrn. Vier Jahre blieb M. in dieser Apotheke, dann entschlossen, sich ganz dem Studium der Chemie zu widmen, begab er sich im Jahre 1797 nach Wien, wo er im genannten und im folgenden Jahre die Vorträge des Freiherrn von Jacquin [Bd. X, S. 23] besuchte, und sich bald dahin entschied, die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Er setzte, diesen Gesichtspunct im Auge behaltend, seine Studien in Wien fort, und unternahm eine Reise nach Deutschland, welche er, ob Mangel der erforderlichen Geldmittel, größtentheils zu Fuß zurücklegte. Auf dieser Wanderung kam er nach Aussee in Steiermark und trat dort in der Apotheke des k. k. Salzoberamtes ein. Aber nur zwei Jahre blieb er auf diesem Posten und kehrte, dem lebhaften Wunsche seines Stiefvaters folgend, in seine Heimat zurück, wo er sofort die Leitung einer Apotheke in Kronstadt übernahm, nachdem er schon früher auf seiner Heimreise in Pesth das Diplom eines Magisters der Pharmacie erworben hatte. Mehrere Jahre lag M. in Kronstadt seinem Apothekergeschäfte ob, hatte auch mittlerweile geheirathet, im Jahre 1815 aber übersiedelte er nach Wien, wo er über Vorschlag des Freiherrn von Stifft zum Adjuncten und später zum Professor der technischen Chemie an dem eben damals neu errichteten k. k. polytechnischen Institute ernannt wurde, eine Ernennung, die um so bedeutsamer ist, als Meißner evangelischen Bekenntnisses ist. Auf diesem Posten war M. durch dreißig Jahre in der ersprießlichsten Weise thätig; im J. 1845 trat er im Alter von 67 Jahren zum Bedauern seiner Schüler, die an ihm mit aller Verehrung hingen und es seinem Nachfolger von allem Anbeginn in seinem Lehramte eben nicht leicht machten, von seiner Professur zurück, und genoß noch nahezu zwei Decennien den Ruhestand. Im Jahre 1864 starb er im Alter von 86 Jahren. Meißner zählt zu den hervorragendsten Männern seines Faches, [310] und in seinem Gebiete schriftstellerisch thätig, hat er durch seine Werke und manche Erfindungen nachhaltig gewirkt. Seine literarische Thätigkeit umfaßt folgende Werke: „Vorschläge zu einigen neuen Verbesserungen pharmaceutischer Operationen u. dgl. Apparate“ (Wien 1814, Wimmer, mit 8 K. K., gr. 8°.), bereits in Aussee, vornehmlich aber dann in Kronstadt in der Apotheke, beschäftigte sich M. mit der Verbesserung der Methoden zur Darstellung pharmaceutischer Apparate, und kurz vor seiner Berufung nach Wien veröffentlichte er im genannten Werke die Ergebnisse seiner Erfahrungen und Versuche; – „Die Aräometrie in ihrer Anwendung auf Chemie und Technik“, 2 Theile (Wien [Nürnberg, Schrag] 1816, mit 33 Tabellen u. 5 Kupfertaf., gr. 8°.), dieses Werk, in der Gegenwart für die Pharmacie von nur mehr historischer Bedeutung, war zur Zeit seines Erscheinens seiner Vollständigkeit, wie des Fleißes und der Ausdauer wegen in den darin dargestellten Untersuchungen sehr geschätzt. Es enthält eine große Anzahl von Bestimmungen des specifischen Gewichtes fester sowohl als flüssiger Körper, und in den zahlreichen Tabellen werden die Beziehungen zwischen Alkoholgehalt und dem specifischen Gewichte von verdünntem Weingeiste festgestellt. Der Fortschritt der Wissenschaft hat heute die Meißnerischen Ergebnisse von damals überflügelt, denn es gibt in der Gegenwart genauere Tabellen und zweckmäßigere Apparate zur Ermittelung des Alkoholgehaltes weingeistiger Flüssigkeiten, aber als Quellenwerk bleibt die Arbeit Meißner’s immer beachtenswerth; – „Handbuch der allgemeinen und technischen Chemie“, 5 Bände, der 2. Band in zwei, der 4. u. 5. jeder er in drei, das Ganze in zehn Abtheilungen (Wien 1819–1833, Gerold, mit K. K., gr. 8°.), auch unter dem Titel: „Anfangsgründe des chemischen Theils der Naturwissenschaft“, worin M. bereits seine eigenthümlichen Ansichten über Wärme, Licht und Elektricität niederlegte. Nach ihm ist die Wärme eine eigenthümliche unwägbare Materie, sind Licht und Elektricität Verbindungen dieses Wärmestoffes mit dem Sauerstoffe. Diese Ansichten, schon zu seiner Zeit heftig bestritten, und in der Folge von anderen Anschauungen verdrängt, sind von M. in seinem Handbuche der Chemie mit großer Consequenz und in scharfsinniger Weise durch das ganze System fortgeführt; – „Die Heilung mit erwärmter Luft, systematisch bearbeitet, und als das wohlfeilste, bequemste, der Gesundheit zuträglichste und zugleich die Feuersgefahr am meisten entfernende Mittel zur Erwärmung der Gebäude aller Art dargestellt und nachgewiesen“ (3. vermehrte und gänzlich umgearbeitete Auflage, Wien 1826, Gerold, mit 6 Tabellen und 22 Kupfertaf., gr. 8°.); es ist dieß Meißner’s bedeutendste Arbeit, der er bis in das hohe Alter mit ungebrochenem Eifer und einer des Mannes der Wissenschaft würdigen Hingebung die besten Kräfte seines Geistes widmete. M. wurde bei der praktischen Durchführung der darin ausgesprochenen Grundsätze zur Entdeckung und Feststellung neuer Ideen geführt, worin schon die Anforderungen einer der Gesundheit entsprechenden Lufterneuerung ermöglicht werden, und durch deren Anwendung er sozusagen als Gründer einer wissenschaftlich richtigen Ventilation sich darstellt; – „System der Heilkunde aus den allgemeinsten Naturgesetzen gefolgert“ (Wien 1832, Gerold, 8°.); – „Chemische Aequivalenten- oder Atomenlehre. Zum Gebrauche für Chemiker, Pharmaceuten und Techniker gemeinfasslich dargestellt“, zwei Bände (Wien 1834, Braumüller und Seidel , Lex. 8°., [311] mit Tabellen; neue Aufl. 1837, gr. 8°.); – „Neues System der Chemie. Zum Leitfaden eines geregelten Studiums dieser Wissenschaft bearbeitet“, drei Bände (Wien 1835 bis 1838, Braumüller und Seidel, gr. 8°.); jeder Band auch unter besonderem Titel, und zwar der erste: „Chemie der nicht metallischen Stoffe“ (1835, mit Tab.); der zweite: „Chemie der metallischen Stoffe“ (mit 1 lith. Taf.); der dritte: „Chemie der organischen Natur“; neue unveränderte Ausgabe des ganzen Werkes (ebd. 1841, gr. 8°.); – „Justus Liebig, Dr. der Medicin und Philosophie, Professor der Chemie zu Giessen u. s. w., analysirt“ (Frankfurt a. M. 1844, Sauerländer, gr. 8°.); – „Des alten Schulmeisters Glossen über die neuen Verfassungs-Experimente. Letzte Epistel an seine ehemaligen Schüler“ (Wien 1848, Tendler u. Comp., gr. 8°); – „Die Ventilation und Erwärmung der Kinderstube und des Krankenzimmers. Mit Berücksichtigung der Feuerwirthschaft bei kleinen Haushaltungen und dem Sparherde“ (Wien 1852, Förster, mit 30 [eingedr. lith.] Illustrationen, gr. 8°.); – „Beiträge zur Kenntniss der Cholera“ (Wien 1864, Helf, 8°.), eine Schrift, welche nicht geringe Aufmerksamkeit in ärztlichen Kreisen erregte. Meißner in seinen zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten stellt sich überall als Selbstdenker und Selbstforscher dar; seine Thätigkeit war eine befruchtende, von nützlichen Entdeckungen und Erfindungen begleitete. Was er im Gebiete der Chemie, schreibt ein Fachmann in einem dem Verewigten gewidmeten Nachrufe, gearbeitet, entdeckt und angeregt hat, kann hier nicht gezeigt und dargestellt werden, es muß genügen, auf seine selbst von den Gegnern seiner Ansichten anerkannten bahnbrechenden Arbeiten in der Aräometrie hinzudeuten. Meißner war es, der vor mehr als einem Menschenalter zuerst den innigen Zusammenhang der sogenannten Imponderabilien und ihre gegenseitigen Uebergänge mit seinem ihre große Zukunft ahnendem Auge richtig erkannt hat, einen Zusammenhang, welchen die Beobachter viel späterer Zeiten bis auf die neueste herab mehr und mehr bestätigt haben. Meißner hat die Genugthuung erlebt, daß viele seiner Sätze, die er standhaft gegen die übrige, von ihm sich abwendende Welt der Gelehrten vertheidigte, zuletzt als richtig erkannt wurden, daß selbst die gefeierte Chlortheorie seiner Gegner von einem der ersten Naturforscher unserer Zeit (Schönlein) jetzt angezweifelt wird, und daß die Epoche machenden Entdeckungen des Letztgenannten über die eigenthümliche Rolle des Sauerstoffes, welche das ganze Gebäude der herrschenden chemischen Erklärungen bedenklich erschüttern, wenn auch nicht in ihrer wörtlichen Auffassung, doch in ihren Grundanschauungen mit dem in seinem System der Chemie entwickelten, so lange vereinsamten Ansichten zahlreiche und merkwürdige Anknüpfungspuncte darbieten. Meißner, der sich des glücklichsten Familienlebens erfreute, hinterläßt außer mehreren Töchtern, deren eine an den Superintendenten Augsburgischen Bekenntnisses, Andreas Gunesch [Bd. VI, S. 34] in Wien, die zweite an den berühmten Gelehrten Adam Freiherrn von Burg [Bd. II, S. 212) verheirathet ist, einen Sohn, Karl Ludwig, dessen Verdienste die Erhebung in den erbländischen Ritterstand [siehe unten in den Quellen] zur Folge hatten.

Oesterreichische Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben. Beilage zur k. Wiener Zeitung (Wien, gr. 8°.) Jahrg. 1864., S. 1109. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1854, Nr. 554 (11. Februar), S. 107, im Artikel: „Die Heilung [312] und Erwärmung der Eisenbahnwaggons“ [daselbst auf S. 108 Meißner’s Bildniß im Holzschnitt von A. T.] – Nachruf. Von Dr. Carl Haller (L. Sommer’sche Druckerei, 8°.), Separatabdruck aus der Zeitschrift für praktische Heilkunde“. – Fremden-Blatt von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1864, Nr. 192. – Volks- und Wirthschafts-Kalender (Wien, L. Sommer, gr. 8°.) 1866, S. 40 [von Ritter von Hoffinger]. – Hermannstädter Zeitung 1864, Nr. 167. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 632. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 106. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen und New-York, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XXI, S. 31, Nr. 5. – Bildnisse. 1) Facsimile des Namenszuges: P. T. Meißner. Rud. Hoffmann 1856 (lith.). Nach einer Photographie von C. v. Jagemann (Fol., gedr. bei J. Haller in Wien); – 2) ohne Angabe des Zeichners und Lithographen (Wien, Beck, 4°.). –