BLKÖ:Sommaruga, Franz Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 35 (1877), ab Seite: 284. (Quelle)
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Sommaruga, Franz Freiherr (Abgeordneter des Frankfurter Parlaments, staatswissenschaftlicher Schriftsteller, geb. zu Wien am 5. März 1815). Aeltester Sohn des Vorigen [S. 276], trat er, nachdem er die juridischen Studien an der Wiener Hochschule beendet hatte, am 22. December 1835 als Auscultant beim niederösterreichischen Landrecht in den Staatsdienst, war vom Jahre 1840 an als Actuar der Gesetzgebungs-Hofcommission bis 1846 mit legislativen Arbeiten beschäftigt und wurde sodann Rath beim Mercantil- und Wechselgericht. Nachdem er sich schon früher mehrfach in Vereinen am politischen Leben betheiligt hatte, erhielt er 1848 bei Ausbruch der Bewegung mit Schmerling die Mission als Vertrauensmann an den Bundestag zu Frankfurt behufs Berathung eines Entwurfes zur deutschen Bundes-Verfassung, wurde sodann zu Eger als Deputirter des deutschen Parlaments gewählt, wo er unter den österreichischen Abgeordneten einer der hervorragenden gewesen. Hier blieb er bis Mai 1849 und setzte sich während dieser Zeit als eines der Häupter der sogenannten großdeutschen Partei der Bildung des deutschen Erbkaiserthums entgegen. Nach Vollendung des Entwurfes der deutschen Reichsverfassung nach Oesterreich zurückgekehrt, trat er als Oberlandesgerichtsrath in das Justizministerium Schmerling, nahm Antheil an der Justiz-Organisation in Ungarn und dessen Nebenländern, trat 1851 zugleich mit Schmerling aus der Stellung im Ministerium zurück und führte in Niederösterreich die Schwurgerichte ein, nach deren Aufhebung er theils bei dem Wiener Landes-, theils bei dem Handelsgerichte[WS 1] thätig war. Unter Bruck als Sectionsrath in das Finanzministerium eingetreten, wurde er von diesem mit verschiedenen finanziell-diplomatischen Unterhandlungen betraut. Nach Bruck’s Tode (1860) wurden ihm die ganzen, den neuen constitutionellen Einrichtungen entsprechenden Budget-Angelegenheiten, sowie jene der obersten Rechnungscontrole übertragen, und dienen seine Arbeiten noch gegenwärtig dem ganzen Budget- und obersten Rechnungscontrolwesen als Basis. Im Jahr 1867 wurde er unter Becke in Folge des von seiner Seite gegen die dualistische Gestaltung des Reiches erhobenen Widerspruches in den Ruhestand versetzt, in welchem er zur Stunde noch sich befindet. S. vermälte sich zu Wien am 18. Mai 1841 mit Henriette von Kleyle. Die aus dieser Ehe vorhandenen Kinder und Enkel sind aus der Stammtafel ersichtlich. Als Schriftsteller war S. mehrfach thätig. Die Titel der von ihm im Drucke erschienenen Arbeiten sind: „Oesterreichs Zukunft und dessen Stellung in Deutschland“ (Wien 1848); – „Die Grundzüge der Gerichtsverfassung für die Länder der österreichischen Monarchie“ (1849); – „Ueber Errichtung von Handelsgerichten in Oesterreich; eine Denkschrift, dem Justizministerium übergeben“ (1849); –„Die neue Wiener Börsen-Ordnung“ (1855); – „Der Ausgleich mit Ungarn, vom österreichischen Standpuncte beleuchtet“ (1867); – „Der heutige Stand der Bankfrage mit Beziehung auf die beabsichtigte Vereinbarung mit Ungarn.“, abgedruckt in den Flugblättern des Vereines für volkswirthschaftlichen Fortschritt in Wien (1868); – „Grundzüge zur Regelung der österreichischen Finanzen. Van einem praktischen Fachmanne“ (1868); – „Die Besteuerung der österreichischen Eisenbahnen“ (1875). Die vorgenannten Schriften sind meist ohne Namen des Verfassers erschienen. Im Jahre 1844 brachten die Frankl’schen „Sonntagsblätter“ die Mittheilung, daß eine von Baron Sommaruga [285] bearbeitete Criminalstatistik Oesterreichs, welche dem Grafen Taaffe zugeeignet war, der Veröffentlichung entgegensehe. Eine solche war nie erfolgt, und zwar erlag das 20 Bogen starke Manuscript dem Censurszwange. Jahrelang zogen sich die Verhandlungen über dieses Erstlingswerk Sommaruga’s, wofür Graf Taaffe sich persönlich interessirte, hin und endeten mit der Verweigerung der Druckbewilligung, während der Autor als „bedenklicher Mensch“ in die Register der Polizei eingetragen wurde. Als einige Jahre später die Censur aufgehoben wurde, waren die statistischen Daten veraltet und lag zunächst Dringenderes vor, als der Druck statistischer Werke. Franz Freiherr von Sommaruga ist mit Henriette, geborene von Kleyle, einer Tochter des erzherzoglichen Hofraths Franz Joachim Ritter von Kleyle [Bd. XII, S. 83] und Schwester Karl Ritters von Kleyle [Bd. XII, S. 85], vermält, aus welcher Ehe drei Söhne und eine Tochter [siehe die Stammtafel] entstammen. Von den Söhnen ist Guido (geb. 22. Jänner 1842) Doctor der Rechte, Hof- und Gerichtsadvocat und Gemeinderath der Stadt Wien; – Erwin[WS 2] (geb. 26. September 1844) ist Doctor der Philosophie und Adjunct für die Lehrkanzel der Chemie an der Wiener Hochschule. In seinem Fache schriftstellerisch thätig, hat er in den Sitzungsberichten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften die Abhandlungen: „Ueber die Aequivalente von Kobalt und Nickel“ und die „Analyse des Minerals Szajbelyit“ veröffentlicht; – der dritte Sohn Hugo (geb. 29. Jänner 1858) ist gleichfalls Doctor der Philosophie und hat sich der Oekonomie zugewendet. Er ist Verfasser einer Monographie „Ueber Städtereinigungssysteme“ (Halle 1874).

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) XII. Bd. (1849), Nr. 298, S. 165, im Aufsatze: „Die rechte Mitte der deutschen Nationalversammlung“. [daselbst wird Freiherr Sommaruga als „einer der geistig bedeutendsten Abgeordneten, die Oesterreich gesandt“, bezeichnet. „Betritt er die Rednerbühne“, heißt es daselbst weiter, „auch nicht häufig, so ist seine Thätigkeit außerhalb der Versammlung eine nicht geringe und in seinem Club und mehr noch in der Vermittlung der verschiedenen Parteien unter den österreichischen Abgeordneten selbst spielt er eine nicht unwichtige Rolle und entfaltet viel unterhandelnde Geschicklichkeit“.]
Porträte. 1) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners in der „Illustrirten Zeitung“ XII. Bd. (1849), S. 164. – 2) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners im Werke: „Das Jahr 1848. Geschichte der Wiener Revolution“. 1. Band von Reschauer; 2. Band von Smets (Wien 1872, Waldheim, 4°.), auf S. 369 des 1. Bandes.
In das bei S. Schmerber 1849 in Frankfurt a. M. (kl. Fol.) erschienene „Parlaments-Album“ schrieb Freiherr von Sommaruga das Folgende: „Parteistandpuncte drängen Männer häufig in Oppositionsstellung, die sich bis zum Anbruche der politischen Bewegung stets nur als Freunde und Verbündete gekannt. Das ist etwas Natürliches und worüber sich kein mit politischen Dingen Vertrauter wundern darf. – Nur die weitere Richtung, die wir leider in neuerer Zeit nicht selten beobachten konnten, daß ehrlicher Wille und redliche Gesinnung so leicht auch bei Männern bezweifelt werden konnte, die wenigstens bisher ihren Vortheil nicht zu suchen pflegten, das könnte den Vaterlandsfreund betrüben. Denn es zeigt dieß entweder von großer politischer Jugend oder von Schadhaftigkeit im Charakter der Nation. Glauben wir bisher noch an Ersteres. Die Jugend ist ja ein Fehler, den die Zeit am leichtesten gut macht. Laßt uns zu Männern werden im politischen Leben und wir werden es verstehen, einander zu bekämpfen und doch einander zu achten. Frankfurt am Jahrestage der Wiener Revolution. F. Sommaruga von Wien, Abgeordneter für Eger“. Das facsimilirte Autograph obiger [286] Stelle bildet das Blatt 60 in genanntem „Parlaments-Album“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Handesgerichte.
  2. Erwin von Sommaruga (Wikipedia).