BLKÖ:Stroinski, Stanislaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Strohmeyer, Albert
Band: 40 (1880), ab Seite: 80. (Quelle)
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Stroinski auch Stroński, Stanislaus (Maler, geb zu Lemberg im Jahre 1725, gest. ebenda im Jahre 1799). Der Vater, ein polnischer Edelmann, legte seinem Sohne, welcher Talent zum Malen zeigte, nichts in den Weg, als derselbe diese Kunst zum Lebensberuf wählen wollte. Zur Vervollkommnung darin ging Stanislaus nach Rom, und als er nach längerem Aufenthalte daselbst in seine Vaterstadt zurückkehrte, war er so glücklich, daß er sofort den Auftrag erhielt, für die Kirche Maria-Schnee die Fresken zu malen. Dieselben stellen Scenen aus dem Leben der h. Jungfrau dar und schließen mit Mariä Himmelfahrt ab.. Unter dem Chor malte er die auf der Orgel spielende heilige Cäcilia. Von diesen Arbeiten meldet der letzte Vers einer zu beiden Seiten der Kirchenthüren angebrachten polnischen Inschrift: „Zaczął roku 1750 skończył roku 1751“, d. i. Er begann im Jahre 1750 und endete [81] im Jahre 1751. Die Kosten derselben trug der Propst Franz Duralski. Eine zweite größere Arbeit, die Ausmalung der Lemberger Kathedrale al fresco, wurde unserem Künstler durch den Erzbischof Wenzel Hieronymus Sierakowski [Band XXXIV, S. 263] zutheil. Er vollendete diese Malereien innerhalb der Jahre 1771 und 1772 und erhielt laut des mit dem Erzbischofe und den Domherren der Metropolie am 10. Februar 1771 abgeschlossenen Vertrages ein Honorar von 13.600 fl. und für beide Jahre eine namentlich bezeichnete Menge Naturalien. Die Fresken stellen Scenen aus dem Leben der Mutter Gottes dar, und zwar den englischen Gruß, die Begegniß mit Elisabeth, die Geburt Christi, die Ankunft der heil. drei Könige, Mariä Himmelfahrt. In einer der Capellen malte er ein Allerheiligenbild, in jeder anderen das Altarblatt mit jenem Heiligen, dessen Namen dieselbe führt. Der polnische Kunstforscher Felician Łobeski [Band XV, S. 304] stellt in dem in den Quellen angegebenen „Dodatek“ die Behauptung auf, daß ein Sohn unseres Künstlers, gleichfalls Stanislaus mit Vornamen, die Fresken in der Kathedralkirche gemalt habe. Dieser Angabe aber tritt Graf Rastawiecki mit Entschiedenheit entgegen, indem er bemerkt, daß die Kirche Maria-Schnee und die Kathedrale ein und derselbe Maler Stanislaus Stroinski – einen zweiten habe es gar nicht gegeben – mit Fresken geschmückt, und daß eben dessen durch die Ausmalung der ersteren Kirche erworbener Ruhm den Erzbischof Sierakowski bewogen haben möge, diesen Künstler auch für die Ausschmückung der Kathedrale zu wählen. In Lemberg malte Stroinski noch die Stauropigionische und die Bernhardiner-Kirche aus; die in der letzteren von ihm ausgeführten Fresken werden von Kennern als sehr gelungen bezeichnet. Was aber von diesen Gemälden sich noch erhalten hat, nachdem die Räumlichkeiten des Klosters und der Kirche in späterer Zeit zu Tabakmagazinen und Kanzleien umgestaltet worden, kann Herausgeber nicht sagen. Auch sollen noch viele andere Kirchen im Lande Arbeiten unseres Künstlers besitzen. Leider finden sich nirgends nähere Nachweise darüber, ob es Altarbilder in Oel oder Wandbilder al fresco, und in welchen Kirchen überhaupt dieselben zu suchen sind. Auch bildete Stroinski tüchtige Schüler, und zwar außer seinem eigenen Sohne Anton die Maler Joseph Jazwiński [Bd. X, S. 116], Thomas Gertner [Band V, S. 163] und Joseph Chojnicki [Bd. II, S. 355]. Er mußte durch seine Arbeiten sich einiges Vermögen erworben haben, denn er besaß in Lemberg in der Zolkiewer Vorstadt zwei Häuser (Nr. 538 und 539), welche im Jahre 1857 im Besitze des Grafen Mier sich befanden. – Mit Stanislaus zugleich bildete sich dessen jüngerer Bruder Marcin (gest, zu Lemberg 1800) in Rom zum Maler au, ohne jedoch als Künstler die hohe Stufe zu erreichen, auf welche sich jener schwang. Von seinen Arbeiten sind nur die Malereien in der St. Martinskirche zu Lemberg bekannt. Die Angabe, welche Rastawiecki macht, daß Marcin Stroinski auch die Kirche Maria-Schnee ausgemalt habe, widerruft er im Nachtrage selbst. Uebrigens half Marcin seinem Bruder bei verschiedenen von diesem ausgeführten Arbeiten. – Auch Stanislaus [82] Stroinski’s Sohn Anton ging gleich seinem Vater nach Rom, um sich daselbst in der Malerkunst zu vervollkommnen. Nach seiner Rückkehr in die Heimat malte er für den Hochaltar in der Lemberger Kathedrale eine „Himmelfahrt Mariä“. Dieses Werk wurde jedoch durch Feuchtigkeit gänzlich zerstört. Dagegen zeigt ein anderes, in Lemberg noch befindliches Altarbild „Der heilige Casimir“ die große Begabung dieses Malers. Leider starb derselbe in jungen Jahren.

Der Name wird bald mit bald ohne i: Stroinski und Stroński, im letzteren Falle mit einem apostrophirten n (ń) geschrieben. Herausgeber hält sich in der Schreibweise an die Quelle Rastawiecki. – Rozmaitości, d. i. Miscellen (Lemberger Unterhaltungsblatt, 4°.) 1831, Nr. 11, S. 86: „O malarzach, którzy lub we Lwowie pracowalí, lub których dzieła tu się znajdują“, d. i. Ueber die Maler, welche entweder in Lemberg gemalt, oder deren Werke daselbst sich befinden. – Rastawiecki (Edward), Słownik malarzów polskich tudzież obcych w Polsce osiadłych lub czasowo w néj przebywających, d. i. Lexikon der polnischen Maler, wie auch der fremden, die sich in Polen bleibend niedergelassen oder aber nur einige Zeit aufgehalten haben (Warschau 1851, Orgelbrand, Lex.-8°.) Bd. II, S. 240 u. f.. Bd. III, S. 413. – Dodatek, d. i. Beilage zu der in polnischer Sprache herausgegebenen Lemberger amtlichen Zeitung (Gazeta lwowska) 1852, Nr. 32, S. 127 und Nr. 49, S. 196. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Band XVII, Seite 490 [gedenkt eines Johann Stroinski, welcher zu Ende des 18. Jahrhunderts in Lemberg als Maler thätig war. Einen Maler Johann Stroinski hat es nicht gegeben. Alles von Nagler über diesen Johann Stroinski und dessen Sohn mitgetheilte betrifft unseren Stanislaus Stroinski und dessen Sohn Anton]. –