BLKÖ:Szepessy, Johann Michael

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 42 (1880), ab Seite: 115. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Szepessy, Johann Michael|42|115|}}

Szepessy, Johann Michael (protestantischer Theolog, geb. zu Ober-Szlána (Felsö-Sajó) im Gömörer Comitate im Jahre 1751, gest. zu Szobotist am 23. März 1810). Die Schulen besuchte er zunächst in seinem Geburtsorte, dann zu Dobschan, Dömölk und Preßburg, an welch letzterem Orte er an dem Rector Johann Georg Stretsko, einem zu seiner Zeit vielgerühmten Schulmann, einen theilnehmenden väterlichen Freund fand. Hierauf begab er sich, einer alten Sitte der Evangelischen in Ungarn folgend, an eine auswärtige Universität, und zwar nach Jena, wo er sich im Studium der Theologie ausbildete. Nach seiner Heimkehr fand er an dem Superintendenten Ladislaus Perlaky [Bd. XXII, S. 30] einen wohlwollenden Gönner, der ihn zum Prediger der Gemeinde Oroszlány ordinirte. 16 Jahre lehrte er daselbst das Wort Gottes, und groß war die Trauer in der Gemeinde, als er nach Szobotist berufen wurde, um an Paul Jezowits’ Stelle zu treten, der krankheitshalber sein Predigtamt aufzugeben genöthigt war. Bald nach seiner Ankunft am Orte seiner neuen Bestimmung wurde er zum Senioratsnotar und nach dem Ableben des Seniors Andreas Latsny von Folkusháza zu dessen Nachfolger gewählt. Groß und einflußreich war die Thätigkeit, welche er als Deputirter des [116] Neutraer Seniorates bei den Verhandlungen der evangelischen Synode entfaltete, die unter Leopold II. im Jahre 1791 abgehalten wurde. Szepessy erfreute sich als Homilet eines ausgezeichneten Rufes, mehrere seiner in slovakischer Sprache gehaltenen Gelegenheitsreden, so jene aus Anlaß der Einweihung der evangelischen Kirche der königlichen Freistadt Vherska Skalica im Jahre 1797 und seine Leichenrede auf Martin Lauček [Bd. XIV, S. 212] sind im Druck erschienen. Aber noch eines Umstandes wegen ist er dauernder Erinnerung würdig: mit dem Superintendenten Martin Hamaljar [Band VII, S. 259], mit Georg Palkovics [Bd. XXI, S. 226] und Bohuslaus Tablic war er einer der Hauptgründer der slavischen literarischen Gesellschaft, welche sich im Jahre 1801 zu Preßburg constituirte. Die Zwecke derselben waren: Aufsuchung und Erhaltung aller die Aufhellung der älteren Geschichte der Slaven betreffenden Urkunden, Herausgabe nützlicher Druckschriften für die slavisch-evangelische Bevölkerung in Ungarn, Betheilung der Trivialschulen mit entsprechenden in der Muttersprache geschriebenen Druckwerken, Förderung der jungen evangelischen Theologen in Erlernung einer correcten Sprache, für deren grammatikalische Entwickelung eben damals Bernolak [Bd. I, S. 331] durch seine Grammatica slavica und später durch sein Lexicon slavicum in praktischer Richtung zu wirken begonnen hatte. Zu vorgenannten Zwecken sollte nun die Gesellschaft alljährlich sich versammeln, die betreffenden Gegenstände berathen und über die herauszugebenden Bücher sich verständigen; auch wurde die Errichtung einer Lehrkanzel für slavische Literatur ins Auge gefaßt, durch welche die Förderung und stetige Entwickelung des slavischen Idioms angebahnt werden sollte. Die Mittel zur Erhaltung dieser im Jahre 1803 zu Preßburg gegründeten Lehrkanzel stellten der Karlowitzer Metropolit der griechisch nichtunirten Kirche Stephan Stratimirovits [Band XXXIX, S. 309], Ladislaus Bartolomaeides [Bd. I, S. 168] und Gabriel Machula bei; auf dieselbe berufen wurde der oben erwähnte Georg Palkovics, welcher sie bis zum Jahre 1847 innehatte. Die Gründung dieser Lehrkanzel und einige verdienstliche Druckwerke waren die bleibenden Merkzeichen der slavischen literarischen Gesellschaft, welche sich leider schon nach wenigen Jahren ihres Bestandes auflöste, wozu wohl auch der frühzeitige Tod unseres Szepessy mag beigetragen haben. Im Jahre 1819, also neun Jahre nach seinem Hinscheiden, erschien von einem Johann Sepessy die slovakische Uebersetzung des Werkes „Der Hauslehrer“ von Ludwig Christoph Schmahling (gest. 14. September 1804) unter dem Titel: „Domowny učitel“ (Leutschau 1819, J. Werthmüller, 8°.). Vielleicht eine posthume Arbeit unseres Szepessy, der ja auch neben dem Taufnamen Michael den zweiten: Johann führt.

Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes (Wien, Anton Doll, 8°.) Jahrgang 1810 Bd. IV, S. 527, – Jungmann (Jos.), Historie literatury česke, d. i. Geschichte der čechischen Literatur (Prag 1849. F. Řiwnáč, schm. 4°.), zweite, von [[BLKÖ:Tomek, Wenzel Wladiwoj|W. W. Tomek besorgte Auflage, S. 625 unter Sepessy.