BLKÖ:Tewele, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tewalle, Johann
Band: 44 (1882), ab Seite: 101. (Quelle)
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Tewele, Franz (Theaterdirector und Schauspieler, geb. zu Wien im Jahre 1841). Nachdem er in Wien die Unter- und Oberrealschule mit glänzendem Erfolge durchgemacht hatte, erwählte er zu seinem Lebensberufe die Technik. Aber nicht länger als vier Semester hielt er es über dem Studium derselben aus. Beseelt von dem unwiderstehlichen Drange, Schauspieler zu werden, betrat er, achtzehn Jahre alt, in Brünn zum ersten Male die Bühne. Und sein Debut fiel so glücklich aus, daß er den festen Entschluß faßte, beim Theater zu bleiben. So begann er denn seine Wanderung über verschiedene österreichische Provinzbühnen, jene von Preßburg, Oedenburg, Wiener-Neustadt, Lemberg und Graz. In letzterem Orte veranlaßte das Talent des jungen Künstlers den zu jener Zeit daselbst lebenden Dichter Karl von Holtei, sich eingehend mit dessen Ausbildung zu beschäftigen, und die Folge davon war, daß Tewele ein Engagement am königlichen Hoftheater in München erhielt, an welchem er, mit dem Schiller in den „Karlsschülern“ debutirend, durch zwei Jahre jugendliche Helden und tragische Liebhaber spielte, wie Mortimer in „Maria Stuart“, Ferdinand in „Kabale und Liebe“ u. a. 1864 wurde er von Karl Treumann für das Carl-Theater in Wien engagirt, wo er durch acht Jahre, noch unter Director Ascher, bis 1872 wirkte. Als dann Laube nach seiner Verdrängung vom Wiener Burgtheater die Leitung des mittlerweile gegründeten Stadttheaters übernahm und sich infolge dessen mit den besten Kräften der verschiedenen deutschen Bühnen versah, trat auch Tewele unter die Fahne des geschickten Dramaturgen und wurde bald eine der Stützen des Repertoires der jungen Bühne. Im Jahre 1876 begab sich Laube mit seiner Truppe zu einem Gastspielcyclus nach Pesth. Bei der enthusiastischen Aufnahme, welche die Gesellschaft daselbst fand, wurden aber zwischen der Direction und den Mitgliedern die Bande der bis dahin strammen Disciplin etwas gelockert, was zunächst bei Tewele zum Ausdrucke kam, als dieser eine ihm zugewiesene Rolle nicht spielen wollte. Durch einen Brief, der die Renitenz des Künstlers brechen sollte, brachte Laube [102] die entgegengesetzte Wirkung hervor. Tewele spielte den Gekränkten und trat mit der Direction des Carl-Theaters, das ohnehin durch das Stadttheater stark beeinträchtigt wurde und gern bereit war, eine der besten Kräfte demselben zu entziehen, in Unterhandlung. Das Resultat dieses Schrittes, der damals in den Wiener Blättern viel besprochen wurde, war, daß der Directionsrath des Stadttheaters, welcher Kenntniß erhalten hatte von den vortheilhaften Bedingungen, unter denen Tewele im Carl-Theater engagirt werden sollte, Bedenken trug, eine so tüchtige Kraft zu verlieren, und dem Künstler solche Anerbietungen machte, welche diesen endlich bestimmten, noch ferner beim Stadttheater zu verbleiben. Als aber im Jahre 1878 die Verpachtung des Carl-Theaters wieder auf die Tagesordnung kam, besann sich Tewele nicht lange und übernahm dasselbe vom 1. August 1878 auf die Dauer von zehn Jahren gegen eine jährliche Pachtsumme von 30.000 fl. Das Leopoldstädter Theater, 1847 von Director Carl erbaut, war immer eine der beliebtesten Bühnen Wiens. Nach Carl’s Tode (1854) ging es an dessen Erben über. Seit dieser Zeit bis 1878, also innerhalb vierundzwanzig Jahre, führten die Leitung dieser Bühne sechs verschiedene Directoren, und vier derselben traten unter den günstigsten Verhältnissen von ihren Posten ab. Nur zwei, Brauer und Lehmann, verstanden es nicht, aus dem sonst so einträglichen Kunstinstitute einen Erfolg zu erzielen. Nestroy, Treumann und Ascher, welch Letzterer von seinem Nachfolger Jauner sogar eine Ablösung von 150.000 fl. erhielt, zogen sich als reiche Leute vom Geschäfte zurück, und auch Jauner schlug, ungeachtet der großen Ablösung, eine ansehnliche Summe heraus. Es waren also für den neuen Unternehmer Tewele die günstigsten Aussichten. Am 10. September 1878 eröffnete er unter seiner Leitung das Carl-Theater, und zwar, so verlautete es, mit seinem einstigen Director Anton Ascher als stillem Compagnon und Berather zur Seite. Von dem System seines Vorgängers Jauner, nur die Posse und große Operette zu pflegen, abweichend, knüpfte er an die Thätigkeit Ascher’s an, die sich so vortheilhaft bewährt hatte, und war darauf bedacht, neben der Operette auch dem Conversationsstücke, dem Lustspiele und dem Einacter wieder Terrain zu verschaffen. Es gelang ihm mit diesem System auch ganz gut, denn als er mit seiner Operettentruppe im Frühjahre 1881 einen Ausflug nach Hamburg unternahm, war derselbe von einem so glänzenden Erfolge begleitet, daß ihm von Berlin, Breslau, Köln und Baden-Baden Einladungen zukamen, mit seiner Gesellschaft in genannten Städten Vorstellungen zu geben. Wie oben bemerkt, spielte Tewele auf der Münchener Hofbühne jugendliche Helden und tragische Liebhaber, in Wien aber ging er in das Fach der Bonvivants über und schwang sich in demselben zu einem der amusantesten und beliebtesten Darsteller der Residenz empor, so daß er bald eine stehende Type aller Wiener Witz- und Caricaturenblätter wurde, auf denen wir der mit Vorliebe behandelten Nase des Künstlers häufig genug begegnen.. Eine von den Wiener Journalen vielbesprochene und von den Witzblättern mit kaustischem Witze behandelte Episode im Leben des Künstlers bildet seine im Jahre 1873 ihm wohl von der Zeitungspresse angedichtete Verlobung mit der berühmten Schauspielerin Josephine Gallmeyer, welche er aber am entschiedensten dadurch widerlegt hat, [103] daß er im Jahre 1876 die Tochter eines angesehenen Wiener Kaufmanns heiratete.

Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1876, Nummer vom 24. Juni und 2. Juli, unter den „Theater-Nachrichten“. – Wiener Pikante Blätter, 1878, S. 4: „Directrice Tewele“.
Porträte und Chargen. Die Zahl der letzteren ist eine so große, daß wir uns nur auf jene beschränken müssen, in welchen Tewele die Hauptfigur bildet. Porträte. Illustrirtes Wiener Extrablatt, 1872, Nr. 4. – Kaktus (Wiener Witzblatt, gr. Fol.) 1874, Nr. 12, Zeichnung von Dombi. – Neue Illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski, kl. Fol.) 10. Februar 1878, Nr. 20, Zeichnung von F. W. (eiß). – Chargen. Auf S. 61 in der Schrift „Ein Ritt durch Wien auf dramatischem Felde. Gedichtet von Conimor. Illustrirt von Laci v. F. (recsai)“ (Leipzig 1876, Ernst Julius Günther, gr. 8°.) [Tewele als Gliedermann; den Text dazu siehe S. 56]. – Der Floh, 12. Jänner 1878, Nr. 2: „Das Ehepaar Gallmeyer und Tewele“. Von Klič. – 3. Februar 1878, Nr. 5: „Zukunftsbild im Carl-Theater“. Von Theodor Z. – 30. Mai 1880, Nr. 22: „Auf nach Prag!“ Von Theodor Z. [Tewele an der Spitze seiner Operettengesellschaft auf dem Zuge nach Prag]. – 6. Juli 1880, Nr. 23: „Wieder nichts“ [Tewele und Knaak vor dem Stadttheater, an welchem Laube mit seinen Hunden vorübergeht]. – Die Bombe, 12. Jänner 1873, Nr. 2: „Tewele“. Von Stur [Josephine Gallmeyer sitzt auf Tewele’s Nase. Unten sind Strampfer und Laube mit seinen Hunden sichtbar]. – 10. Februar 1878, Nr. 6: „Illustrirtes Theaterfeuilleton“ [Tewele, die Buska, die Gallmeyer mit Director Steiner am Arme und Jauner in verschiedenen Attituden]. – 21. November 1878, Nr. 47: „Stadthauptmann Thaisz (in Pesth) und Director Tewele“. Von Laci v. F.(recsai). – 13. Juli 1879, Nr. 28: „Cetewayo im Carl-Theater“. Von Rehbock [Tewele dem Zulukaffer gegenüber]. – Kikeriki (Wiener Witzblatt) 1874, Nr. 10: „Die Logen in der komischen Oper“. Von F. Grätz [Ascher und Tewele sitzen mit aufgespreizten Beinen, so daß sie bei den niederen Logenbrüstungen ganz sichtbar sind]. – 1874, Nr. 45: „Schad’, daß Tewele absagen ließ“ [Tewele auf der Rennbahn als reitender Jokey]. – 13. Juni 1873, Nr. 47: „Wenn der Kikeriki einmal einen Distanzgang riskirt, so weiß er schon, wie er es anstellen wird, um mit großen Schritten vorwärts zu kommen“. Von F. G rät)z. [Tewele und Ascher mit ihren langen Beinen Arm in Arm.] – Neuer Freier Kikeriki, 1873, Nr. 2: „Ein Ehehinderniß“ [Tewele und die Gallmeyer; Letztere von ihm einen Kuß verlangend, den Tewele seiner langen Nase wegen nicht geben kann]. – 31. Mai 1873, Nr. 22 : „Die Maschinenhalle des Wiener Stadttheaters“ [Laube hämmert auf Tewele’s Nase los; daneben steht Strakosch mit dem Zollstab; im Hintergrunde sieht Ed. Mauthner, auf dem Blasebalg sitzend, dieser Procedur zu]. – Brum-Brum. Humoristische Monatsrevue (Wien, 4°.) 1868, S. 69: „Tewele als Kaiser Joseph“ [in Anton Langer’s Genrebild „Der Gevatter von der Straße“, in welchem Tewele den Kaiser Joseph spielte]. – S. 72: „Kaiser Joseph auf dem Carl-Theater“. [Tewele erblickt Kaiser Joseph in Wolken und verneigt sich ehrfurchtsvoll vor ihm. Darunter steht: Schauspieler Tewele: „Seh’ ich recht? Majestät“ – Kaiser Joseph: „Ja, lieber Tewele. Ich bin es! Ich will Ihm sagen, daß Er Mich sehr gut zu porträtiren weiß! Nur in einem Punkte unterscheiden wir uns“. – Schauspieler Tewele: „Und das wäre, Majestät?“ – Kaiser Joseph: „Ich habe nämlich in Meinem ganzen Leben niemals Komödie gespielt !“] – Zeitgeist (Wiener Witzblatt, gr. 4°.) 1876, Nr. 15: „Laube in Pesth“. [Laube stellt einem Magyaren den großen Tewele und die kleine Charles vor. Unterhalb steht Laube: „Hier stelle ich Ihnen zwei der besten Mitglieder meiner Gesellschaft vor! Herrn Tewele und Frau Charles.“ Ungar: „Eb adta! bei diese zwei thät’ auch – barátom – bissel Ausgleich nicht schaden“.]