BLKÖ:Thewrewk von Ponori, Emil

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 211. (Quelle)
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Thewrewk von Ponori, Emil (ungarischer Sprachforscher, geb. in Ungarn, Ort und Jahr seiner Geburt unbekannt), Zeitgenoß. Ein Sohn des ungarischen Schriftstellers Joseph Thewrewk [siehe folgende Lebensskizze] aus dessen Ehe mit Maria Ax. Ueber seinen Lebens- und Bildungsgang fehlen uns alle Nachrichten. Er befindet sich im besten Mannesalter und zählt zur Zeit zu den ersten Sprachgelehrten Ungarns. Frühzeitig verlegte er sich auf linguistische Studien, und sein Werk: „P. Vergilii Maronis Aeneidos liber secundus. Iskolák számára“, d. i. Das zweite Buch der Aeneide von Virgil, zum Schulgebrauch (Pesth 1863, Heckenast, 8°.) dürfte seine erste selbständige durch den Druck veröffentlichte sprachwissenschaftliche Arbeit sein, während er schon ein Jahr früher „Józsa. Költemények“, d. i. Jószsa. Gedichte (Pesth 1862, Kilian, 8°., 246 S.) herausgab. Im Jahre 1874 kam er als Professor der classischen Philologie an die Budapesther Universität, an Stelle Emerich Szepessy’s [Bd. XLII, S. 111], welchen der alten Zeit und Schule angehörigen Piaristen man in eigenthümlicher Weise, um ihn so zu sagen zum Rücktritte zu zwingen, denuncirt hatte, wie uns das Eingesendet in der „Neuen Freien Presse“ 1873, Nr. 1998, belehrt. Emil Thewrewk zählt zu den Matadoren der heutigen ungarischen Sprachforschung und hat sich nach dem Urtheile von Fachmännern durch seine formvollendeten Uebersetzungen griechischer Dichter, sowie durch seine durchaus selbständigen, auf der Höhe wissenschaftlicher Forschung stehenden Commentare griechischer und lateinischer Classiker besondere Verdienste erworben. Vor Allen hat er es verstanden, in der Hermeneutik und Kritik die strengwissenschaftliche Methode in Ungarn einzubürgern und durch gründlichen Unterricht und anregenden persönlichen Verkehr belehrend und befruchtend auf die jüngeren Philologen zu wirken. Mit Otto Hóman und Anton Bartal gemeinschaftlich inaugurirte er [212] so zu sagen die neue philologische Aera in Ungarn. Auf linguistischem Gebiete schriftstellerisch ungemein thätig, gab er schon 1859 eine Uebersetzung des griechischen Dichters Bion heraus, welcher nun in kürzeren und längeren Zeiträumen jene des ersten und sechsten Gesanges der „Ilias“ von Homer (1862 und 1863), einzelner Theile der griechischen Anthologie (1863, 1874, 1877) und der „Germania“ des Tacitus folgten; gemeinschaftlich mit Professor Gust. Heinrich begründete er im Jahre 1877 das philologische Organ „Egyetemes philologiai közlöny“, d. i. Allgemeine sprachwissenschaftliche Zeitschrift, worin er das Interesse und die Bedürfnisse des größeren Publicums berücksichtigend, die Ergebnisse der Wissenschaft der Schule und jüngeren Generation zu vermitteln sucht. Mit einer Anzahl begabter Mitarbeiter sich umgebend, läßt er mit seinem mitredigirenden Collegen die griechische und lateinische, die ungarische und deutsche, die französische und theilweise auch orientalische Sprachen und Literaturen darin durchforschen und behandeln. Insbesondere jene Gymnasial- und Realschullehrer, welche die classischen und modernen Sprachen unterrichten, werden durch diese Zeitschrift mit dem Stande der sprachwissenschaftlichen Forschungen des Auslandes bekannt gemacht und zu eigenen selbständigen Studien und Forschungen angeregt. Von Thewrewk’s eigenen darin mitgetheilten Arbeiten verzeichnen wir: „Anmerkungen zu Dr. Ignaz Barna’s Uebersetzung von Sulpicius’ Satire“ [Bd. I, 1877, 1. Heft]; – „Der ungarische Nominativ“ [ebd., 2., 5. und 6. Heft); – „Denkrede auf Friedrich Ritschl“ [ebd., 3. und 4. Heft]; – „Wann schrieb Bercsényi seine Ode: An die Ungarn?“ [ebd., 3. und 4. Heft]; – „Ein zweiter Anakreon“ [ebd. 7. Heft]; – „Der Festus Codex der Corvina“ [Bd. II, 1878, 1. Heft]; –Horatii carmina“ [ebd., 8. Heft]; – „Variae lectiones“ [Bd. III, 1879, 1., 2., 3., 5. und 6. Heft] – „Das Leydener Register der dies aegyptiaci“ [ebd., 2. Heft]. Die philologische Gesellschaft Ungarns, als deren Organ das vorbenannte „Egyetemes philologiai közlöny“ anzusehen ist, hat, vor Allem auf Hebung des classischen Unterrichtes in den Mittelschulen bedacht, einen Ausschuß, in welchem sich neben A. Bartal und G. Szarvas auch Emil Thewrewk befindet, mit der Abfassung einer Realencyklopädie des classischen[WS 1] Alterthums betraut, welche, auf Grund von Lübken’s Encyklopädie aufgebaut, auch die allerneuesten Forschungen verwerthen soll, mit steter Berücksichtigung und Angabe der in Ungarn befindlichen Ueberreste des classischen Alterthums und der einschlägigen ungarischen Fachliteratur. Die darauf bezüglichen Arbeiten, wenn nicht bereits beendet, sind doch sicher schon ihrem Abschlusse nahe. Als die ungarische Akademie der Wissenschaften einen Preis ausschrieb für den Nachweis des Richtigen und Unrichtigen in der Sprachneuerung, überhaupt des richtigen Sprachgebrauchs, unterzog sich auch Thewrewk dieser Aufgabe und erhielt zugleich mit Alexander Imre den Preis; auch wurden von der sprachwissenschaftlichen Commission der Akademie seine „Principien des richtigen ungarischen Sprachgebrauchs“ herausgegeben. Außer den vorerwähnten linguistischen Arbeiten sind noch zu erwähnen seine Mittheilungen in „Magyar Nyelvőr“, d. i. Der ungarische Sprachwart, einer im Auftrage der sprachwissenschaftlichen Commission der ungarischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen [213] und von Gabriel Szarvas redigirten Monatschrift, welche von Thewrewk die linguistischen Erörterungen enthält: „talan. telen“ [Bd. VII, 1878, 5. Heft]; – „Latab“ [ebd., 6. Heft]; – „Alatt“ [ebd., 7. Heft]; – „Das mit dem Suffix-i gebildete Adjectiv“ [Bd. VIII, 1879, 8. Heft]. Für Paul Hunfalvy’s „Literarische Berichte aus Ungarn“ schrieb er in deutscher Sprache die Abhandlung: „Der Festus Pauli Codex der Corvina“, der auch in Hunfalvy’s „Nyelvtudományi közlemények“ [Bd. XIV, 1878], sowie im Sonderabdrucke erschienen ist. Er zählt zu den fleißigsten Mitgliedern der philologischen Gesellschaft, in welcher er bereits mehrere Vorträge gehalten hat, so über die Geschichte des Idylls, über die griechische Anthologie, eine Uebersetzung des Decimus Laberius, kritische Beiträge zur lateinischen Anthologie, über griechische und römische Geldrechnung u. dgl. m. Thewrewk ist correspondirendes Mitglied der sprachwissenschaftlichen Classe der königlich ungarischen Akademie der Wissenschaften und Prüfungscommissär der Mittelschullehrer-Prüfungscommission für classische Philologie, Ueber Veranlassung und Inhalt einer von E. Abel an Emil Thewrewk gerichteten und im Druck erschienenen „Epistola“ ist dem Herausgeber dieses Lexikons nichts Näheres bekannt.

Nagy (Iván). Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, M. Ráth, gr. 8°.) Bd. XI, S. 145.
Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namenszuges „Ponori Thewrewk Emil“. Joh. Sonnenleiter sc. (4°.), schöner Stahlstich.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: classichen.