BLKÖ:Thurn-Valsassina, Johann Ambros

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 45 (1882), ab Seite: 108. (Quelle)
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28. Johann Ambros (geb. zu Lack in Krain 4. December 1537, gest. 14. September 1621), ein Sohn des Hauptmanns von Triest Anton von Thurn und Ursulas von Edlingen und Bruder des Achaz [S. 98, Nr. 1] und Jobst Joseph [S. 106, Nr. 27] des berühmten „Türkenschreckens“. Johann Ambros wurde von Kaiser Ferdinand I. als Edelknabe in dessen Hofstaat aufgenommen. Neben den ritterlichen Uebungen pflegte er vornehmlich die Sprachen, so daß er außer seinen heimischen, der slovenischen und deutschen, auch die lateinische, italienische und böhmische geläufig sprach. Dann studirte er die Rechte und lernte auf Reisen die Monarchie, ferner Italien, Frankreich, Spanien und Polen kennen. Von Erzherzog Karl, der ihm sein volles Vertrauen zuwandte, zum geheimen Rathe, später zum Hofmarschall und Landeshauptmann von Krain ernannt, erhielt er von demselben auch für sich und seine Nachkommen das Erblandhofmeisteramt für dieses Land. Im Jahre 1582 begleitete er den Erzherzog auf den Reichstag in Augsburg, um daselbst Hilfe gegen die Türken zu erwirken. Noch auf seinem Todtenbette 1590 ernannte der Erzherzog ihn zum Obersthofmeister seiner minderjährigen Kinder. In welchem Vertrauensverhältnisse Johann Ambros zum erzherzoglichen Hofe in Gratz stand, erfahren wir aus Hurter’s „Geschichte Kaiser Ferdinands II.“, in deren erstem Bande die Briefe mitgetheilt sind, welche [109] Erzherzog Karl, Erzherzogin Anna, Erzherzogin Marie, Karls Gemalin und Ferdinands Mutter, Herzog Wilhelm von Bayern in der Zeit von 1580 bis 1620 an Johann Ambros und dessen Gattin gerichtet haben. Diese Schriftstücke, welche im Bleiburger Archive aufbewahrt werden, gewähren einen tiefen Blick in die damaligen Hof- und Staatsverhältnisse und zeigen, wie viel Johann Ambros bei Hofe galt Er wurde wiederholt von Erzherzog Karl zu geheimen Berathungen berufen, so am 12. Juni 1588 aus Laxenburg nach Bruck zu einer auf den 2. Juli anberaumten geheimen Conferenz. Nachdem sich Thurn 1597 vom Hofe zurückgezogen hatte, suchte Erzherzog Ferdinand am 3. October 1606 bei ihm Auskünfte über die Absichten des kaiserlichen Hofes in Prag in Bezug auf die Uebertragung der Nachfolge in Böhmen und Ungarn auf die Habsburgische Linie in Spanien. Johann Ambros ist auch der eigentliche Begründer des umfassenden Grundbesitzes seines Hauses, der freilich später durch Kinderreichthum der Nachfolger sehr geschmälert wurde. So erhielt er für ein Darlehen von 30.000 fl. an den Erzherzog Ferdinand für dessen Bruder Karl, als dieser als Bischof nach Breslau gehen sollte, den Anspruch auf Radmannsdorf, wenn die Summe nicht innerhalb eines Jahres rückerstattet sei. Und Radmannsdorf verblieb Thurn. 1584 erwarb er das Amt Kappel, 1585 das Amt Stein in Kärnthen, 1601 kaufte er von dem Erzherzoge Bleiburg um 80.000 fl. und lebte daselbst bis zu seinem im hohen Alter von 84 Jahren erfolgten Tode. Seine Kinder Ambros und Margarethe starben beide vor den Eltern, so daß er, als er am 24. Februar 1618 sein Testament machte, kinderlos war. Auch überlebte er seine Gattin Salome, eine geborene Schlik, welche am 18. Juli 1617 das Zeitliche segnete. Testamentarisch errichtete er ein Fideicommiß[WS 1]: Achaz’ Sohn Johann Ludwig erhielt die Herrschaft Bleiburg, die Herrschaft Radmannsdorf in Oberkrain aber sein Neffe mit der Bedingung, daß, wenn dessen Mannesstamm ausginge, dieselbe an erstere Linie zurückfalle, während Bleiburg nach dem Aussterben der beiderseitigen männlichen Descendenten an die böhmische Linie der Grafen von Thurn übergehen sollte, welch letztere aber mittlerweile auch erloschen ist, denn die Fürsten Thurn-Taxis in Böhmen können im Testamente nicht gemeint sein. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Fideicomiß.