BLKÖ:Toman, Lovro

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 245. (Quelle)
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Toman, Lovro [Lorenz] (Mitglied des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes, geb. zu Steinbühel [Kamna gorica] in Oberkrain am 10. August 1827, gest. zu Rodaun nächst Wien 15. August 1870). Das durch seine Eisennägelfabrication bekannte Dorf Steinbühel in Oberkrain zählte Lovro’s Vater zu den angesehensten Industriellen. Dieser leitete die erste Erziehung seines Lieblingssohnes zunächst im Hause, dann schickte er ihn auch in die Volksschule. Nach dem Tode des Vaters kam Lovro nach Laibach, wo er bis Ende 1847 alle lateinischen Classen beendete. Aus der Hauptstadt Krains ging er nach Gratz, von da nach Wien, um die Rechte zu studiren, und wie sehr er anfangs als Sohn des Gebirges im wüsten Treiben der Weltstadt sich unbehaglich fühlte, so sehr gewann er dieselbe lieb, als sie ihm als Brennpunkt des Wissens und als Berührungspunkt sämmtlicher Volksstämme des Kaiserstaates erschien. Noch hatte er die Studien nicht vollendet, als das denkwürdige ebenso segens- wie unheilvolle Jahr 1848 herankam, durch welches er sich in seinem ernsten Streben unterbrochen sah. Im Mai zog er in seine Heimat, und in einer Rede, welche er im Redoutensaale zu Laibach hielt, zeigte es sich bereits, wohin seine politischen Neigungen zielten. Uebrigens blieb er im Ganzen dem wüsten politischen Treiben jener Tage fern, taumelte noch im Garten der ungefährlichen Lyrik und band die in demselben gepflückten Blüten in einen Strauß, den er zur denkbar ungünstigsten Zeit, nämlich 1849, unter dem Titel: „Glasi domorodni“, d. i. Heimatsklänge, veröffentlichte. Auch schrieb er ziemlich fleißig für die in jener Zeit erschienenen slovenischen Zeitschriften. Nachdem das politische Intermezzo des Jahres 1848 vorübergerauscht war, begab er sich zur Fortsetzung seiner Studien nach Gratz. Nach Abschluß derselben trug er sich mit der Absicht, Welt und Menschen auf Reisen kennen zu lernen. Aber eine Begegnung, welche er während eines Ferienbesuches in seiner Heimat am 24. August 1850 mit Josephine Urbančic hatte, machte den ganzen Plan scheitern, denn er verliebte sich leidenschaftlich in die ebenso schöne als geistvolle junge Dame und beschloß, vorderhand in seiner Heimat zu bleiben. Im Jahre 1851 vollendete er die Rechtsstudien, 1852 erlangte er die juridische Doctorwürde, nahm Praxis bei der k. k. Finanzprocuratur in Laibach und führte am 22. September 1853 seine Josephine als Frau heim, und zwar nach Gratz, wo er sich der Advocatur widmete. Aber nur kurz war sein eheliches Glück, nach einer Frühgeburt wurde ihm noch vor Jahresfrist die geliebte Gattin am 1. Juli 1854 durch den Tod entrissen, und dies mochte wohl der nächste Grund seiner Rückkehr nach Krain gewesen sein, welche im September 1855 erfolgte. Den Plan, seiner Gattin und seine eigenen Arbeiten zu sammeln und vereint herauszugeben, ließ er unter der politischen Bewegung, in welche er sich bald darauf stürzte, und dann, wie es scheint, auch für immer fallen. Nach [246] seiner Rückkehr in die Heimat lebte er die erste Zeit, tief ergriffen von dem Verluste, der ihn getroffen, abwechselnd im Schlosse Thurn bei seinen Schwiegereltern, in Steinbühel und in Radmannsdorf. Als dann für letzteren Ort eine Advocatenstelle systemisirt wurde, erhielt er dieselbe. Damals war er noch kein Ultraslovene, sondern ein slovenischer Oesterreicher, und ich hörte nicht nur einmal aus seinem Munde die Worte: „Udje smo Austrige blage“ (wir sind Glieder der geliebten Austria); später erst wurde Toman ein Schleppträger Palacky’s, wie er vom „Figaro“ in dessen Nummer vom 19. Mai 1870 komisch genug dargestellt wird. Bis zum Jahre 1861 lag er seiner Advocatur in Radmannsdorf ob, welche er, 1865 nach Laibach übersetzt, daselbst weiter führte, später wurde er Secretär der Laibacher Handelskammer. Im Frühjahre 1861 ward er zum Deputirten für den krainischen Landtag und von diesem sodann in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes gewählt, wo er sich der Partei der Föderalisten anschloß und mehr von seiner Eitelkeit, als von innerer Ueberzeugung getrieben, sich zu Extravaganzen hinreißen ließ, deren einige wir weiter unten mittheilen werden. Gründliche politische und juridische Bildung besaß er nicht, ein Politiker aus den Zeitungen, und ein Rechtsmann aus seiner Praxis, zeigte er keine Spur von einer wissenschaftlichen Auffassung der Politik und des Rechts, auch war er wenigstens so bescheiden, eine solche Beurtheilung seines Ichs nie im Ernst zu beanspruchen. Das Um und Auf seiner politischen Ansichten drehte sich um den damals in Mode gebrachten Kreisel: Nationalität und Föderalismus, und diese beiden an sich gewiß berechtigten, in ihren äußersten Consequenzen aber unter Umständen geradezu revolutionären Themata variirte er ohne viel Aufwand von Geist und Originalität nach allen möglichen Tonarten. Adreßdebatten, in denen er gewöhnlich unter den ersten eingezeichneten Rednern sich befand, Generaldebatten über das Budget, die Debatten über die Ministerien des Innern und des Cultus und Unterrichts, gaben ihm, der sich über Alles gern selbst reden hörte – ein Vergnügen, das Andern mehr eine Qual – stets Anlaß zu oratorischen Kämpfen und wenig angemessenen politischen Excursen. Seine oratorische Begabung, welche seine politischen Freunde über alle Gebühr erhoben, war sehr gering und wurde überdies noch durch seine enorme Eitelkeit sehr beeinträchtigt. Er sprach mit lauter, polternder, kollernder Stimme, gerieth nach den ersten Sätzen schon in[WS 1] die stärkste Aufregung, so daß er sich dann nicht mehr zu beherrschen wußte und, vielleicht ohne es ernstlich zu wollen, aufreizend und verletzend redete, wodurch er sich mehr als einmal den Ordnungsruf des Präsidenten zuzog. Auch war er Schutzzöllner aus nationalen Motiven und erhob sich unter Anderem gegen den Handelsvertrag mit dem deutschen Zollverein. Wie weit er sich von seinem nichts weniger denn reifen und geläuterten Nationalitätseifer hinreißen ließ, erhellt aus der Thatsache, daß er zur Zeit, als der dalmatinische Aufruhr Gegenstand der Verhandlungen des Abgeordnetenhauses war, im Gespräche mit einem Abgeordneten aus Steiermark für das gute Recht der Bocchesen eintrat, allen Ernstes behauptend, dieselben seien gutmüthiger und humaner als die steirischen Alpenbewohner. Seine letzte parlamentarische That verübte er in Gesellschaft des damaligen Ackerbauministers [247] Petrino [Bd. XXII, S. 120], indem er vornehmlich auf dessen Anstiften an der Spitze seiner Parteigenossen mit einer schriftlichen Erklärung, gleichzeitig mit den Polen und den sogenannten Südländern, am 31. März 1870 den Austritt aus dem Abgeordnetenhause anmeldete und somit an jenem Sprengungswerke seinen entsprechenden Antheil hatte. Als Toman starb, verlor die kleine slovenische Fraction ihren Führer. Zur Vervollständigung der parlamentarischen Silhouette, welche wir von Toman im Vorstehenden gezeichnet haben, fügen wir aus seiner Thätigkeit als Volksvertreter noch einige Thaten hinzu, welche glücklicherweise nur in Phrasen bestehen und auch solche geblieben sind. Diese Blumenlese seiner parlamentarischen Knallerbsen wird genügen, um seine staatsmännische Weisheit zu stigmatisiren. Wir berichten nur Thatsachen. In der Sitzung vom 23. Juni 1862 entfuhr ihm in seiner aus Anlaß der Errichtung von Mittelschulen gehaltenen Rede folgender Satz: „Eine politische Suprematie in Oesterreich können wir dem deutschen Elemente auch in Rücksicht der Bildung nimmermehr zuerkennen“; – in einer Beseda zu Marburg am 3. August 1862 rief er: „Die Slovenen wollen sich eher unter den Trümmern von Marburg begraben lassen, als zugeben, daß diese Stadt eine deutsche sei“; worauf der Abgeordnete Baron Carneri in einem aus Wildhaus am 10. August 1862 abgesendeten Schreiben, welches die (Gratzer) Tagespost ddo. 15. August 1862, Nr. 185 als „Dr. Toman in Marburg“ betitelten Leitartikel abdruckte, dem slovenischen Schwärmer den Standpunkt klar machte; – in der Sitzung des krainischen Landtags vom 28. Jänner 1863 ließ Toman die merkwürdigen Worte fallen: „Die slovenische Nation ist berufen und befähigt, eine gleiche Stellung in der Culturgeschichte einzunehmen wie die deutsche. Die deutsche Sprache ist nicht der Schlüssel zur Bildung; die Großdomäne des deutschen Elements muß aufhören“; worauf Anton Alexander Graf Auersperg den Redner eines Besseren belehrte. Als in einer December-Sitzung des krainischen Landtages im Jahre 1866 Toman dem Staatsminister Schmerling vorwarf, daß derselbe Alles habe germanisiren wollen und dadurch die Unzufriedenheit der Völker Oesterreichs wachgerufen, und daß, wenn man heute im krainischen Landtage die von ihm und seinen Parteigenossen gestellten (auf vollständige Slovenisirung abzielenden) Anträge ablehne, dies nicht die wahren Vertreter des Landes, sondern nur die Geschöpfe Schmerling’s thun, da erhob sich im Landtage voll Entrüstung Alles wie ein Mann, und der Präsident des Hauses, der damalige Landeshauptmann Karl Freiherr von Wurzbach, trat, für die Würde des Hauses mannhaft einstehend, den Expectorationen Toman’s entgegen, ihm zurufend: „daß er den Redner ersuche, die Würde des Hauses zu wahren, da durch solche Worte die Landesvertretung verletzt werde, welche auf Grundlage des kaiserlichen Wortes hier tage; daß es im Landtage, in welchem Toman selbst sitze, keine Geschöpfe eines Ministers gebe“; worauf bei der allgemeinen Zustimmung, welche der Entgegnung des Präsidenten folgte, Toman weislich aufs Wort verzichtete; – endlich bei einem Diner, das Ministerpräsident von Beust im Februar 1867 gab, und zu welchem auch Toman geladen war, verstieg sich derselbe so weit, seinem Gastgeber angesichts der übrigen Gäste offen ins Gesicht zu sagen, daß er ihm nur [248] eine dreimonatliche Existenz als Ministerpräsident in Aussicht stelle!! Nun aber genug dieser Blumenlese. Nach dem Tode seiner ersten Frau lebte er mehrere Jahre unverehelicht. Als ihn später seine parlamentarische Laufbahn nach Wien führte, lernte er daselbst Fräulein Altmann, eine Schwester der Frau des Schauspielers Weiß vom Carl-Theater kennen und heiratete sie. Beide Ehen sind kinderlos geblieben. Dr. Toman, welcher den Sommer 1870 zu Rodaun nächst Wien zubrachte, starb auch daselbst nach längerem Leiden. Die Leiche des Verblichenen ward von Rodaun nach Laibach und von da in seinen Geburtsort Steinbühel gebracht, wo sie feierlich zur Erde bestattet wurde. Alles in Allem war Toman, was seine politische Rolle betrifft, ein Parlamentarier, wie es deren leider genug bei uns gibt, die an der Zerstörung Oesterreichs weniger aus Bewußtsein, denn aus Eitelkeit arbeiten, und die, je mehr sie inne werden, daß sich ein jahrtausendalter Bau nicht mit Phrasen zerbröckeln lasse, um so eifriger bemüht sind, auf den Kopf ihres politischen Nichts die Krone des politischen Märtyrerthums zu drücken. Unter solchen Verhältnissen baut der Parlamentarismus nicht, wie er eigentlich soll, sondern – zerstört.

Aquarellen aus den beiden Reichsstuben. Von J. J. K.(raßnigg), S. 30, 36 und 50. – Der Floh (Wiener Witz- und Spottblatt, Fol.) 1870, Nr. 17, S. 67: „Das Lied von der Toman’schen Declaration“. – Neue Freie Presse, 1870, Nr. 2148, in der „Kleinen Chronik“. – Neues Wiener Tagblatt, 1870, Nr. 226. – Der Osten (Wiener polit. Wochenblatt) 1870, Nr. 34. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 35, Local-Anzeiger, im Feuilleton: „Poetische Polemik“. – Dieselbe, 1870, Nr. 225, in der „Kleinen Chronik“. – Waldheim’s Illustrirte Zeitung (Wien, kl. Fol.) 1862, Nr. 17. – Letopis. Matice Slovcnske za 1870. – Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger und J. Malý (Prag 1872, I. L. Kober, Lex.-8°.) Bd. XI, S. 237. – Die in Klagenfurt herausgegebenen „Alpenblätter“ brachten im Jahre 1866 eine Reihe launiger Verse, von denen die an Toman gerichteten den Redner trefflich zeichnen. Der Poet beschreibt nämlich eine Beseda oder Nationalcongreß, auf dem sich alle Vollblut-Slovenen versammeln und die Rednerbühne unsicher machen, und fährt dann fort: „Hier hinauf tritt mancher Redner. Doch zuletzt aus ihrer Mitte | Klaftern Gospod Toman’s Füße | Rasch hinan mit kühnem Schritte. | Die Begeistrung lenkt die Hände | Oratorisch gleich der Zunge, | Rhythmisch stampfen seine Stiefel, | Donner rollt aus seiner Lunge, | Enthusiastisch aus dem Munde | Sieht man seine Rede qualmen. | Hört! Wie seine Slavenzähne | Das Germanenthum zermalmen, | Wie des Tapfern Heldenfäuste | Alle Deutschen niederhauen | Und mit Phantasienmörtel | In den Lüften Schlösser bauen! | Jeder Satz gleicht einem Hiebe | Wie mit einer Fuhrmannspeitsche. | Doch die Sprache, die er brauchte, | War? – Nur die gehaßte deutsche.“
Porträte. 1) Unterschrift: „Dr. L. Toman. Mitglied des österreichischen Abgeordnetenhauses“. Nach einer Photographie aus dem Verlage des Kunst- und Industrie-Comptoirs in Wien. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in Waldheim’s „Illustrirter Zeitschrift“, 1862, Nr. 17. – 2) Unterschrift: „ Dr. Lovro Toman | izbuditclj in prvi predsednik Matici slovenski. Rojen v Kamnji gorici 10 avgusta 1827 | Amol v Rođaun-u 15. avgusta 1870“. Lithographie. Monogram des Lithographen Vol44page248Monogram.png 1870. – 3) Handzeichnung eines Unbekannten mit der Unterschrift: „Solch Gecken Landsmann nennen müssen | Heißt: seine Landsmannschaft schwer büßen“. – 4) Lithographie (Prag 1861, Farske, kl. Fol.).
Chargen. 1) Im Neujahrblatt des „Floh“ 1870, im „Kartenspiel“ der Herzbube. – 2) Floh, 1870, Nr. 23: Toman auf einem sitzenden Hunde reitend, darunter: „Der Doctor Lovro Toman und – | So weiter ist bereits am Hund“. – 3) Figaro (Wiener Witz- und Spottblatt. 4°.) vom 19. Mai 1870: Toman [249] die zwei Schweifbüschel des böhmischen Löwen tragend, darüber: „Eine bescheidene Anfrage“, darunter: „So weit wird es doch nicht kommen sollen“. – 4) Humoristické Listy, d. i. Humoristische Blätter (Prag. 4°.) 1869, S. 86. Auf dem Thurme, der die Flagge Föderation zeigt und am Strande des Flusses Dualismus emporragt, schauen Pražák, Palacky, Rieger, Smolka, Toman und Bleiweis, wie Beust, von Magyaren verfolgt, herankeucht, um die Zugbrücke: historisches Recht zu erreichen (etwas dunkel). – 5) Brencelj (Laibacher Spottblatt, 4°.) II. Jahrg. (1863). Ueberschrift: „V državni zbornici“. Auf der Ministerbank: Brestl-Plener u. A. Vor ihnen im Groll sich entfernend: Toman (schlechter Holzschnitt, nur die Figuren haben carikirte Aehnlichkeit).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: in in.