BLKÖ:Ujházy von Budamér, Paul Alexander

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ujházy, Ladislaus
Band: 48 (1883), ab Seite: 282. (Quelle)
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Ujházy v. Budamér, Paul Alexander (k. k. Major, geb. zu Holló-Lomnitz am 8. März 1767, gefallen auf dem Felde der Ehre für das Vaterland bei Verona am 5. April 1799). Ein Sohn Johann Daniel Ujházy’s aus dessen Ehe mit Anna Rosina geborenen [283] Pulszky, genoß er eine sorgfältige Erziehung im Elternhause und trat 1785, achtzehn Jahre alt, als Cadet in das Infanterie-Regiment Graf Pellegrini ein. Nach wenigen Monaten kam er auf seine Bitte zur königlich ungarischen Leibgarde, in welcher er zwei Jahre als Lieutenant diente. Im October 1787 wurde er als Unterlieutenant bei Alvinczy-Infanterie eingetheilt. Die erste Feuerprobe bestand er bei Gemappe am 6. November 1792. Drei Grenadier-Compagnien hielten das in diesem Dorfe errichtete Retranchement besetzt. Die Franzosen rückten mit einer starken Colonne Infanterie, mit Cavallerie und sechs Kanonen gegen die Kaiserlichen. Die Lage der Besatzung gegenüber dieser Uebermacht wurde immer kritischer, und zwar um so mehr, als die Munition schon auszugehen begann. Da übernahm Ujházy das Commando der zweiten Grenadier-Compagnie, deren Hauptmann Baron Lieeuwen bereits gefallen war. Mit dem Bajonnet rückte er so rasch und entschlossen auf den Feind los, daß dieser trotz der schon errungenen Vortheile zu schwanken und vor dem unaufhaltsam auf ihn eindringenden Angreifer zu weichen begann. Bald war der Feind mit großem Verluste geworfen. Ujházy wurde für seine Waffenthat zum Oberlieutenant befördert. Im April 1796 führte er eine Truppe von 500 Freiwilligen gegen die feindliche Schanze bei Montenotte. Nur eine schwere Verwundung verhinderte ihn an der Erreichung seiner Absicht. Er wurde nach Brescia gebracht. Als dann diese Stadt in den Besitz der Franzosen kam, war der verwundete Ujházy nahe daran, gefangen genommen zu werden, aber er entkam durch Verkleidung. Während seines Aufenthaltes in Brescia hatte er jedoch vielfach Gelegenheit gefunden, die Lage der Stadt, sowie die Stärke und Aufstellung des Feindes auszukundschaften. Als er nun genesen zur kaiserlichen Armee zurückkehrte, entwarf er einen Plan zur Ueberrumpelung Brescias, wo damals das französische Hauptquartier war, und legte ihn dem kaiserlichen Obercommando vor. Der Plan wurde angenommen und Ujházy zum Führer jener Colonne ernannt, welche unter Commando des Obersten Klenau am 30. Juli die Ueberrumpelung ausführen sollte. Der Angriff gelang aufs glänzendste. Stadt Brescia fiel in die Hände der Kaiserlichen und mit ihr zugleich wurden 3 Generäle, über 120 Stabs- und Oberofficiere und 700 Mann gefangen genommen, dabei viele Munitionswagen, Cassen, Vorräthe und mehrere Spitäler mit 3000 Kranken erbeutet. Der Verlust der Unserigen betrug 2 Todte, 8 Verwundete. Ujházy ward aus Anlaß dieses so erfolgreichen Unternehmens in der Armee rühmlichst bekannt. Neuerdings zeichnete er sich in der Schlacht bei Caldiero, am 12. November 1796, aus. Als er die dominirenden Höhen bei Collignuola vom Feinde genommen sah, erkannte er sogleich, daß, wenn derselbe sich in dieser überlegenen Stellung behaupte, die Schlacht für die Kaiserlichen verloren sei. Da eilte er rasch ins Gefecht, führte die Truppen an die entsprechenden Punkte, feuerte sie unablässig zu Kampf und Ausdauer an, placirte das Geschütz auf das vortheilhafteste, schickte noch den schon stürmenden Franzosen eine Division Croaten über Collignuola in den Rücken und hatte bald die Genugthuung, die Früchte seiner trefflichen Dispositionen zu sehen, da der völlig in Unordnung gebrachte Feind allseitig zur Flucht sich wandte und der Sieg des [284] Tages den Unseren zufiel. Für seine Waffenthat avancirte Ujházy zum Hauptmann. Als es galt, in den Besitz der noch von den Franzosen besetzten Festungen Legnago und Verona zu gelangen, erbot er sich aus freien Stücken, das Terrain des Etschflusses und beide Festungen aufzunehmen, Lage und Stellung des Feindes auszukundschaften und dann den Plan zur Erstürmung von Verona zu entwerfen. In den letzten Tagen des December begab er sich in Verkleidung mitten unter die Feinde und nahm mit größter Genauigkeit Alles in Augenschein, was zu seinen Zwecken diente. Sein Entwurf fand auch die volle Billigung des Armeecommandos, allein bald daraus folgende Zwischenfälle ließen denselben nicht zur Ausführung kommen. Mit Beginn des Jahres 1797 wurde der Uebergang über die Etsch beschlossen. Am 8. Jänner kam es an den Ufern der Fratta zu einem heftigen Gefechte, in dem die Unseren siegten, welche dann über letztgenannten Fluß setzten. Und wieder hatte Ujházy nicht unwesentlich zu diesem Siege beigetragen. Nun galt es, den zurückgeworfenen Feind aus allen Orten, wo er festen Posto gefaßt, zu werfen. General Hohenzollern befehligte die fünf Bataillons starke Avantgarde. Sie waren in vier Colonnen eingetheilt, mit deren Aufstellung Ujházy betraut ward. Die Führung der ersten übernahm er selbst. Auf den 9. Jänner Nachmittag 4 Uhr war der Angriff festgesetzt, und der Feind wurde auf allen Punkten geschlagen und weit zurückgeworfen. Die weitere Verfolgung mußte wegen Einbruchs der Nacht aufgegeben werden, aber der Feind hatte 3 Geschütze, 18 Officiere und 200 Gefangene verloren. Nun sollte der Uebergang über die Etsch ins Werk gesetzt werden, und Ujházy wurde mit den nöthigen Vorbereitungen beauftragt. General Augereau deckte feindlicherseits mit seiner 10.000 Mann starken Division die Ufer des Etschflusses. Bei Angiari fand Ujházy den einzigen durch einen Damm geschützten Punkt, wo er die Möglichkeit sah, seinen Plan durchzuführen. In wahrhaft genialer Weise traf er alle Anordnungen, und unter heftigem Kampfe, der aber auf allen Punkten zu unseren Gunsten ausfiel, ging der Uebergang am 14. Jänner glücklich von Statten. Am folgenden Tage in der Frühe überfiel er dann bei Castellano mit einigen Uhlanen ein feindliches Infanterie- und Cavallerie-Piquet von etwa 150 Mann und zwang es, das Gewehr zu strecken, dabei einen mit wichtigen Papieren beladenen und dem General Bonaparte gehörigen Rüstwagen erbeutend. Für diese Waffenthaten rückte er zum Major vor. In dem am 16. Jänner folgenden Treffen bei San Giorgio, in welchem Feldmarschall-Lieutenant Provera eine Niederlage erlitt, gerieth Major Ujházy, der tapfer mitgefochten hatte, schwer verwundet in feindliche Gefangenschaft. In drei Wochen wurde er durch einen französischen Chirurgen so weit hergestellt, daß er dann, nach Verona gebracht werden konnte. Drei Pferde hatte er bei diesen Kämpfen unter dem Leibe verloren, drei andere waren mit seinem Reitknecht in Gefangenschaft gerathen und seine ganze Bagage war in den Besitz des Feindes gefallen. Genesen und ausgewechselt begab er sich über Leoben nach Wien, wo er am 21. April 1798 eintraf. Während seines Aufenthaltes daselbst bewarb er sich um den Maria Theresien-Orden, in seiner Eingabe von den Generalen Wurmser und Alvinczy auf das kräftigste unterstützt. Von Wien aus besuchte er seine [285] Heimat und kehrte von da nach Italien zurück, wo er in Padua, als Major dem General-Quartiermeisterstabe zugetheilt, verblieb. Bald aber begannen die Feindseligkeiten von Neuem. Bei Legnago kam es am 26. März 1799 zu einem blutigen Treffen, in welchem die Franzosen 2000 Todte, darunter den General Vignette, zählten. Außerdem wurden 8 Kanonen, 3 Haubitzen und 32 Munitionskarren erbeutet. Wieder hatte sich Ujházy im Kampfe so hervorgethan, daß ihn General Kray im Armeebefehl hoch belobte. Dann focht er am 30. März in der siegreichen Schlacht bei Verona und am 5. April in jener auf den Feldern von Verona, in der letzteren aber fand er bei dem Sturme, den General St. Julien auf das Castel Azan unternahm, den herrlichen Soldatentod. Die Nachricht hiervon wurde in der Armee mit allgemeiner Trauer aufgenommen. Da Ujházy auf der Wahlstatt gefallen war, konnte seine Leiche nicht gleich aufgefunden werden. Da ließ ein reicher, ihm befreundeter Veroneser Edelmann, Namens Valsecchi, das Schlachtfeld sorgfältig absuchen, die gefundene Hülle des Helden in der Kirche San Luca zu Verona beisetzen und dem Freunde ein schönes Denkmal mit lateinischen Distichen aufrichten, welche in dem in den Quellen genannten Werke mitgetheilt sind. Als im nächstfolgenden Jahre 1800 das Regiment Alvinczy, in welchem Major Ujházy gedient hatte, nach Verona kam, wo damals das Hauptquartier sich befand, veranstaltete das Officiercorps dem zu früh hingeschiedenen Kameraden und Helden eine Todtenfeier, zu welcher ein Armeebefehl die Einladung enthält, worin des „mit Auszeichnung vor dem Feinde gebliebenen Majors von Ujházy“ in rühmlichster Weise gedacht wird. Der Mutter und den Brüdern des Verewigten wurde im Auftrage des Feldzeugmeisters Barons Alvinczy durch einen eigens deshalb abgesandten Hauptmann die Nachricht von dem ehrenvollen für Ujházy abgehaltenen Trauerfeste nach Budamér überbracht und in der Capelle daselbst dem Helden ein Denkmal aus Marmor errichtet, welches die Inschrift Valsecchi’s und darunter die Worte enthält: Veri. nominis. Heroi. filio. fratri. | Dignae. quae. perennet. Valsechii. amicitiae. | Mater, fratresque. acerbe, lugentes. poss. | Anno Domini. MDCCC.

Melzer (Jacob). Biographien berühmter Zipser (Kaschau 1833, Ellinger, 8°.) S. 245–263: „Paul Alexander Ujházy von Budamér“.