BLKÖ:Wertheimer, Eduard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wertheimer, Gustav
Band: 55 (1887), ab Seite: 121. (Quelle)
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Wertheimer, Eduard (Geschichtsforscher, geb. zu Budapesth am 2. Juni 1848). Das Gymnasium besuchte er in seiner Vaterstadt, die Universitätsstudien betrieb er in Wien und Berlin. Nach seiner Rückkehr aus letzterer Stadt trat er in das Wiener Institut für österreichische Geschichtsforschung, welches Theodor Sickel leitet, und dessen diplomirtes Mitglied er ist. Dem Lehrfache sich widmend, wurde er 1876 Docent für neuere Geschichte an der Klausenburger Universität und schon im folgenden Jahre wirklicher Professor der Geschichte an der Hermannstädter Rechtsakademie. Während dieser Zeit unternahm er Reisen nach Budapesth, Wien, Berlin, Paris und London, um in den Archiven dieser Städte Studien zur neueren Geschichte zu machen. Als dann die Hermannstädter Rechtsakademie aufgelöst wurde, kam er 1886 an die Klausenburger [122] Universität, an welcher er zur Zeit sein Lehramt ausübt. In seinem Fache schriftstellerisch thätig, hat er theils selbständig, theils in historischen Sammelwerken und Zeitschriften bisher sowohl in deutscher als ungarischer Sprache Vieles herausgegeben, und zwar selbstständig: „Geschichte Oesterreichs und Ungarns im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Nach ungedruckten Quellen“ I. Band (Leipzig 1844, Duncker und Humblot, gr. 8°.), auch ungarisch erschienen (Budapesth bei Mor. Ráth); einen Angriff aus dies Werk erwiderte er mit der nicht im Buchhandel herausgekommenen Broschüre: „Gegen Herrn Fournier. Eine Antikritik“ (1885); in dem von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (in Wien) herausgegebenen Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen: „Zur Geschichte des Türkenkrieges Maximilians II. 1565 und 1566“ [1875]; – „Zwei Schilderungen des Wiener Hofes“ [1880]; – „Berichte des Grafen Friedrich Lothar Stadion 1807–1809“ [1881]; – „Die Heirat der Erzherzogin Maria Luise mit Napoleon I.“ [1882]; – „Erzherzog Karl als Präsident des Hofkriegsrathes“ [1884]; – „Erzherzog Karl und die zweite Coalition 1798–1801“ [1885]; in der von Sybel’schen Zeitschrift für Geschichte: „Heiratsverhandlungen zwischen Elisabeth von England und Erzherzog Karl von Oesterreich 1559–1561“ [neue Folge, Bd. IV]; auch ungarisch in den Abhandlungen der ungarischen Akademie der Wissenschaften 1875; in den von Paul Hunfalvy herausgegebenen literarischen Berichten aus Ungarn (unter später verändertem Titel: Ungarische Revue): „Oesterreich und Elisabeth von England 1563 bis 1568° [II. Jahrg, 1878, S. 214 u. f.; auch ungarisch in den Schriften der Akademie, Bd. VIII und im Sonderabdruck]; – „Palatin Erzherzog Josephs Gedanken zur Regenerirung Ungarns und Oesterreichs im Jahre 1810. Nach ungedruckten Papieren des Erzherzogs“ [Bd. V, 1881, S. 343 u. f.; auch ungarisch im Budapesti Szemle 1881]; – „Hermannstadt in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts. Mit Benützung ungedruckter Quellen“ [Bd. V, 1881, S. 721 u. f., und 825 u. f.; auch ungarisch in der historischen Zeitschrift Századok]; – „Beziehungen Napoleons I. zu Ungarn. Auf Grundlage ungedruckter Quellen“ [Bd. VII, 1883, S. 325 u. f.; auch ungarisch im Budapesti Szemle 1883]; in den in ungarischer Sprache erscheinenden Abhandlungen der ungarischen Akademie historischer Classe: „A terveszett négyes szövetség 1787–1790“, d. i. Die Quadrupelallianz (zwischen Oesterreich, Rußland, Frankreich und Spanien) 1787 bis 1790 [1880]; – „Franczia ország magatartása II. József czászárnak II. Frygyes porosz királyai történet találkozásaival szemben“, d. i. Frankreichs Verhalten gegenüber der Begegnung Kaiser Josephs II. mit König Friedrich II. Auf Grund unedirter Documente [1843 auch im Separatabdruck herausgegeben]; in der Zeitschrift Századok, d. i. Die Jahrhunderte: „Velenczci diplomaczia“, d. i. Venedigs Diplomatie im 16, und 17. Jahrhundert [1877, 2. Heft]; – „Magyarország viszonyai a 16. és 17. században“, d. i. Ungarns Beziehungen im 16, und 17. Jahrhundert [1875]; in der Revue historique: „Documents inédits sur Marie Antoinette [1884]. Außer diesen größeren [123] historischen Arbeiten veröffentlichte Wertheimer eine Reihe von Artikeln nach ungedruckten Quellen in der Wiener Neuen Freien Presse, wie: „Ungedruckte Briefe Napoleons I.“ [im Feuilleton vom 27. Juli 1881 und 12. und 14. Juli 1883]; – „Etiquettestreitigkeiten aus der diplomatischen Welt“ [1882]; – „Aus dem Leben einer Wiener Dichterin (Gabriele Baumberg, Gattin des ungarischen Dichters Bacsányi)“ [1884]“; – „Der Herzog von Reichstadt“ [Nr. vom 19. Juli 1884]; – „Zur Halsbandgeschichte“ [Nr. vom 23. April 1884]; – „Zur Geschichte des Luxus in Oesterreich“ [1885]; – „Culturgeschichtliches aus Alt-Wien“ [Nr. vom 27. und 28. Jänner 1885]; – „Zur Geschichte der Wiener Cafés“ [Nr. vom 15. September 1885]; – „Zur Geschichte der Wiener Vorstadttheater“ [Nr. vom 1. October 1886]. Auch erschienen noch verschiedene Artikel Wertheimer’s im „Pesther Lloyd“ und Kritiken in der Sybel’schen Zeitschrift, in den „Századok“, im „Budapesti Szemle“ und in den „Fővárosi lapok“. Ferner hielt er von Zeit zu Zeit wissenschaftliche (d. i. geschichtliche) Vorträge in der ungarischen Akademie der Wissenschaften, so im Februar 1881, wo er über französische Berichte über Ungarn aus dem XVIII. Jahrhunderte las auf Grundlage mehrmonatlicher Forschungen in den Archives nationales und im Archiv des französischen Ministeriums des Aeußern. Paul Hunfalvy gab in seinen mehrcitirten „Berichten aus Ungarn“ (1881, S. 187) Auszüge aus diesem Vortrage.