BLKÖ:Wilbrandt-Baudius, Auguste

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 56 (1888), ab Seite: 109. (Quelle)
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Wilbrandt (Wilbrandt-Baudius), Auguste (dramatische Künstlerin, geb. zu Leipzig am 1. Juni 1845, nach Anderen bereits 1844). Sie ist eine Adoptivtochter des ehemaligen Mitgliedes der Prager deutschen Bühne Karl Friedrich Baudius[WS 1] (geb. zu Luckau in der Lausitz 1796, gest. auf der Durchreise in Dresden am 21. März 1860). Ihre Mutter war eine geborene Krietzsch. Ihr Adoptivvater widmete sich anfänglich dem Kaufmannsstande, floh aber, als Napoleon, den er in Leipzig gesehen und für den er von mächtigem Enthusiasmus ergriffen worden war, von der Insel Elba zurückkehrte, heimlich aus seiner Stellung, um unter dem französischen Adler Kriegsdienste zu nehmen. Doch allerlei Mißgeschick, das ihn traf, vereitelte dieses Vorhaben, und als er dann wieder eine Kaufmannsstelle suchte, fand sich keine, und so bestimmte ihn die Noth, sein augenblickliches Fortkommen beim Theater zu suchen. Mit einer kleinen Truppe tragirte er nun an verschiedenen Orten und kam 1820 auch nach Dresden, wo er nicht nur zum Auftreten, sondern zu einem Engagement als zweiter Liebhaber gelangte. Dann spielte er auf verschiedenen deutschen Bühnen, 1828 in Mainz, wo er zum ersten Male sich in einer komischen Rolle versuchte, und zwar [110] mit solchem Glücke, daß er fortan bei diesem Fache blieb. Des Herumziehens müde, suchte er wieder Stellung auf dem Dresdener Hoftheater, fand sie auch, gab sie aber, als er nur in untergeordneten Rollen beschäftigt wurde, wieder auf. Nun wurde er 1834 am Leipziger Stadttheater engagirt, an welchem er zehn Jahre blieb. Dann berief ihn Holbein nach Wien, wo er jedoch nur kurzes Engagement, aber keine künstlerische Stellung erhielt. Nach Polawsky’s [Bd. XXIII, S. 57] Tode (1844) ging er auf Einladung des Directors Stöger nach Prag. Obwohl er daselbst anfangs mit Opposition zu kämpfen hatte, errang er doch bald eine feste Stellung und zuletzt sogar, namentlich in chargirten Väterrollen und in den meisten Rollen, welche eine komische Färbung erfordern, eine gewisse Beliebtheit. Als dann Stöger die Direction niederlegte, verließ auch Baudius sein Engagement und begab sich nach Breslau, dann nach Leipzig, wo er seinen bleibenden Wohnsitz aufschlug und nur noch einige längere Gastspiele annahm, bis er 1849 zum letzten Male die Bühne betrat und nunmehr von der Pension lebte, welche ihm der Leipziger Theaterpensionsfond auszahlte. In der ersten Zeit seines Auftretens in Leipzig wirkte er mit Erfolg in Rollen wie Alba, Domingo, Shylok, Mephisto; in Prag errang er als Hippolith von Biberstein, Baron Scarabaeus, Schewa großen Beifall. Baudius war ein talentbegabter, aber höchst manierirter Ausläufer der älteren norddeutschen Schauspielschule, dabei hatte er aber der neueren die Lust am Maskiren stark anticipirt, so zum Beispiel war sein Vorrath an Perrücken geradezu kolossal, und mit diesem ging ein solcher an falschen Nasen u. dgl. Hand in Hand. – Seine Adoptivtochter Auguste, deren gelungenes Debut auf dem Leipziger Stadttheater und dann in Dresden er noch so glücklich war anzusehen, hat er selbst zur Schauspielerin gebildet. Durch Kinderrollen schon früh auf dem Theater heimisch, betrat sie 1860, damals fünfzehn Jahre alt, in Leipzig die Bühne als Julie in Shakespeare’s „Romeo und Julie“, und ihr Spiel bekundete ein eminentes Talent und gute Schule. Nun gab ihr ein Gastspiel in Dresden Gelegenheit, die ihr eigenen Vorzüge auch in anderen Rollen darzulegen, und infolge davon fand sie ein Engagement am Stadttheater in Breslau als jugendliche Liebhaberin. Dort wurde sie bald der Liebling des Publicums, folgte aber doch schon im August 1861 einem ehrenvollen Rufe an das Wiener Hofburgtheater, welchem ersten deutschen Kunstinstitute sie bis 1877 angehörte. Unter Laube’s Leitung, der es verstand, sie immer auf den rechten Platz zu stellen, fügte sie sich bald als künstlerische Kraft in den herrlichen Rahmen, den eben die darstellenden Mitglieder der ersten deutschen Bühne bilden. Im Jahre 1877 fühlte sie sich durch mannigfache Differenzen veranlaßt, ihre Thätigkeit auf derselben zu unterbrechen und einen einjährigen Urlaub anzusuchen, der ihr auch gewährt wurde, wie die Entlassung aus dem Verbande dieses Theaters[WS 2], welche sie nach Ablauf des Urlaubs erbat. Von dieser Zeit ab widmete sie sich ausschließlich dem Gastspiele auf verschiedenen Bühnen und errang damit in Dresden, München, Prag, Leipzig, Pesth, Gratz u. s. w. große Erfolge. Ihr anfangs auf das Gebiet der ersten Liebhaberin beschränktes Repertoire gewann unter der Leitung und Schulung Laube’s eine große Ausdehnung. In allem Anbeginn [111] schien es, wenn man die schlanke, biegsame ätherische Gestalt mit den feinen durchgeistigten Zügen und den großen seelenvollen blauen Augen gewahrte, dieselbe sei ausschließlich für das Fach der sentimentalen Liebhaberinen geschaffen und nur für dasselbe verwendbar. Die Künstlerin erntete auch in den ihr zugewiesenen Rollen dieses Faches – so als Käthchen von Heilbronn – glänzende Erfolge. Laube aber, der in erster Zeit den Ausspruch von ihr gethan: „sie kann nicht lachen“ und sozusagen ohne es zu wollen, ihr selbst die engsten Grenzen gesteckt hatte, kam bald von dieser Ansicht zurück. Wenn auch kein helles lautes Lachen von diesen feingezogenen Lippen tönte, so spielte doch ab und zu ein anmuthig geistvolles Lächeln um dieselben; aus den blauen schwärmerischen Augen, die längere Zeit das Tagesgespräch der Residenz waren und zum geflügelten Worte „der Baudius Augen“ wurden, zuckte dann in anmuthigster fesselnder Weise der Blitz des Muthwillens, der Schalkhaftigkeit, des Humors. Und bald sah man dasselbe Käthchen, welches die wunderbare Gestalt des Dichters mit dem ganzen Zauber der Poesie übergoß und eine Gestalt schuf, welche gleichsam den Zuschauer berauschte und Geist und Herz desselben unwiderstehlich gefangen nahm, ebenso sicher in der glänzenden Schlepprobe der jungen Weltdame, als in dem schlichten Kleide des Bürgermädchens sich bewegen, und das Repertoire der Künstlerin erfuhr eine Erweiterung, indem es die Rollen der naiv sentimentalen Liebhaberin bis einschließlich zur jugendlichen Salondame und Charakterrolle der wilden trotzigen Käthe in „Der Keiferin Zähmung“ umfaßte. Zu ihren vorzüglichsten Rollen innerhalb des vorbezeichneten weiten Gebietes gehörten neben Käthchen von Heilbronn Anna Lise im gleichnamigen Stücke, Clärchen in „Egmont“, Gretchen in „Faust“, Luise in „Cabale und Liebe“, Marianne in „Die Geschwister“, Hernane in „Das Kind des Glückes“, Elsa in „Moderne Jugend“, Arabella in „Die Vermälten“, Prinzessin Clarissa in „Eglantine“, Elsa in „Die Maler“, Katharina in „Bürgerlich und Romantisch“, Susanne in „Der letzte Brief“, Katharina in „Der Widerspänstigen Zähmung“. Wie vordem Luise Neumann, so wurde nun Auguste Wilbrandt-Baudius das belebende Element in Bauernfeld’s Stücken, welcher seine „Moderne Jugend“ eigens für sie geschrieben hatte. Im Jahre 1873 vermälte sie sich mit dem Dichter Adolf Wilbrandt, der seit 1871 seinen bleibenden Aufenthalt in Wien genommen. Bald nach ihrer Heirat begab sie sich mit ihrem Gatten nach Berlin und trug zu den Erfolgen seiner Lustspiele nicht wenig durch die meisterhafte Darstellung der Rollen bei, welche sie in seinen Stücken spielte. In den letzteren Jahren schien die Künstlerin für einige Zeit sich von der Bühne zurückgezogen zu haben, denn man hörte nichts von ihren Gastspielen.

Illustrirtes Musik- und Theater- Journal, 1875, S. 303. – Neue Wiener Theaterpost, 1. October 1867, Nr. 19: „Auguste Baudius“. Skizzen von F. Groß. – Neue illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski, kl. Fol.) 6. Juli 1873, Nr. 27: „Auguste Baudius-Wilbrandt“. – Illustrirtes Unterhaltungsblatt (4°.) 1881, S. 187.
Porträts. 1) Unterschrift: „Auguste Baudius-Wilbrandt, k. k. Hofschauspielerin“. Holzschnitt von Rusz in der „Neuen illustrirten Zeitung“, 1873, Nr. 27. – 2) Unterschrift: „Auguste Baudius“. Holzschnitt ohne Angabe [112] des Zeichners und Xylographen, in den von Dr. Hans von Südenhorst in Graz herausgegebenen „Illustrirten Monatsheften für Theater u. s. w.“ 1868, S. 311. – 3) Unterschrift: „Auguste Baudius-Wilbrandt, k. k. Hofschauspielerin am Burgtheater in Wien“. Nach einer Photographie gezeichnet von C. Kolb. Holzschnitt in der „Illustrirten Chronik der Zeit“ 1878, S. 261.
Chargen. Überschrift: „Die schönsten Augen“. Die Künstlerin auf einem Velocipède. Gezeichnet von Klič im „Floh“ 25. April 1869, Nr. 17; 1870, Nr. 5 und 18; 1869, Nr. 6; 1871, Nr. 8. Die geistreicheren sind unter denen ihres Gatten angeführt.
Autogramm. Das Facsimile ihrer Schrift findet sich in der in Wien bei Zamarski herausgegebenen „Neuen illustrirten Zeitung“ 1873, Nr. 27, welches folgende, gleichsam ihren Wahlspruch bildende Strophe enthält: „Ohne Liebe, ohne Streben | Wozu leben? | Ohne Liebe rastlos streben, | Halbes Leben! I Liebend streben, | Selig leben! | Auguste Wilbrandt. Wien 29. Juni 1873.“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Karl Friedrich Baudius (Wikipedia).
  2. Vorlage: Theates.